Jahresrückblick 2023

Die Idee hinter dem vorgezogenen Jahrerückblich war, Euch die wenig unterhaltsame Schilderung der Jahresendzeitdepression gleich zu Beginn des Beitrags zu ersparen. Das wird zumindest in diesem Jahr nicht gelingen, zum einen weil ich hier, entgegen der behaupten Absicht, gleich mal damit einsteige, dass ich anscheinend in diesem Jahr meine Jahresendzeitdepression deutlich vorziehe. Mein gegenwärtiges Aktionslevel ist niederschmetternd niedrig.

Und genug davon, Ende des depressionsbezogenen Klagens.

Zum anderen wird es hier wenig unterhaltsam, weil das Jahr es nicht war, so gar nicht. Im Fogenden wird das unangenehm deutlich und selten war ich so unsicher, ob ich einen Text veröffentlichen sollte.  Den Ausschlag zur Veröffentlichung gab letztendlich so etwas wie der Wunsch nach Vollständigkeit, es wäre doch schade, wenn im Sammelalbum meines Lebens ein paar entscheidende Kapitel fehlen. Auch wenn sie etwas dunkel sind. Da müssen wir halt gemeinsam durch.

Zur Erinnerung, der letzte Jahresüberblick endet mit mir in der Strahlentherapie, vorsichtig optimistisch in Bezug auf die bevorstehende Heilung und die unvermeidlichen Nebenwirkungen. Womit ich, Spoiler, durchaus richtig lag, wie die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen zeigen. Dennoch, der Dezember des Jahre 2022 hat mich zerlegt (nachzulesen hier), danach lag ich ein paar Monate in Teilen herum und  habe mich bis heute nur unvollkommen wieder zusammengesetzt. Weniger dramatisch ausgedrückt bin ich vielleicht einfach nur in meinem wahren Alter angekommen und all die Jahre davor, in denen ich mich überwiegend gesund und vergleichsweise jung fühlte, waren das Geschenk eines günstigen Schicksals, guten Karmas oder guter Gene.

Im Januar finde ich mich also in der Reha zur Prostatakrebs-Bestrahlung wieder, die nun aber auch die Folgen eines Herzinfarkts und zweier Stent-Operationen lindern soll. Wie gut das gelingt, will ich nicht beurteilen, denn drei andere Themen drängen sich tageweise und mit wechselnder Intensität in den Vordergrund. Später werde ich noch darauf eingehen, als Psycho-Themen ziehen sie sich durch den Rest des Jahres, Kraft gesaugt haben sie während der Reha sehr, möglicherweise auch deren Erfolg beeinträchtigt.

Um die Hardware-Schäden schnell abzuhandeln, Prostata und Herz werden regelmäßg von Spezialisten gecheckt und alles ist in einem erwartbaren Rahmen. Dennoch ist meine Leistungsfähigkeit gegenüber dem Vorjahr eingeschränkt und es fühlt sich so an, als würde das auch so bleiben beziehungsweise altersbedingt  abnehmen. Bei den Hardware-Schäden mitzudenken ist immer auch die Gehbehinderung durch den Archillessehnenriss links. Ich komme nur deshalb bei schnellem Laufen nicht außer Atem, weil ich gar nicht schnell laufen kann. In der Folge, vermute ich, wird auch das rechte Bein nicht ausreichend trainiert, seit dem Oberschenkelbruch vor rund zwei Jahren ist es deutlich weniger belastbar. Aber, trotz aller Einschränkungen, noch geht alles alleine und das aufzuschreiben ist schon ein erster Hinweis darauf, dass die Gedanken schon manchmal bei einer Zeit sind, in der das nicht mehr so sein wird.

Die Hardware zeigt also deutliche Abnutzungserscheinungen. Damit nicht genug, die Software ist ebenfalls ziemlich buggy. Als Meister der subtilen Überleitung komme mit dieser flappsigen Bemerkung zu den bereits angekündigten ganz und gar nicht flappsigen Psycho-Themen, denn die sind letztlich alle nur Variationen eines großen Themas, dem Sterben.

<O>

Anlass, sich über das Sterben Gedanken zu machen, gab es genug. Als Helen Anfang Dezember starb, kam das für den Rest der Familie gänzlich unerwartet.  Wie um zu beweisen, dass auch ich „unerwartet“ kann, bekomme ich zwei Tage später einen Herzinfarkt und drei Tage später einen Stent gesetzt, die Strahlenbehandlung muss ich während der kurzen Nach-Überwachungszeit nicht unterbrechen, sie findet im gleichen Krankenhaus nur drei Stockwerke tiefer statt. Als Unterstützung für die Kinder, unsere gemeinsamen, nun erwachsenen Kinder, falle ich komplett aus, selbst meine eigene Trauer ist mir in dieser ersten Zeit nach ihrem Tod nicht zugänglich. Zu beansprucht bin ich von Strahlenbehandlung und physischem Herzleid, alles was ich möchte ist dasitzen, vor mich hin schauen und heilen.

Tatsächlich komme ich erst sehr viel später im Jahr dazu, meiner Trauer etwas mehr nachzuspüren, sie zu empfinden und zu durchleben. Im August besuche ich meinen Sohn und dessen Familie in Hamburg, wo auch Helen lebte. Im Rahmen dieses Besuchs schauen wir viele Bilder von Helen an, sprechen über sie und besuchen auch ihr Grab. Würde sie leben, hätten wir uns in diesen Tagen sicherlich getroffen; erstmals wird ihr Fehlen „wirklich“.

Wieder zuhause besucht mich meine Tochter für ein paar Tage, auch sie hat Fotos, Erinnerungsstücke und Fragen zu Helen im Gepäck. In den Gesprächen mit ihr bemerke ich in mir einen Differenzierungsprozeß, Trauer hat verschiedene Seiten, kommt mal tränenreich sentimental daher, mal resignativ bedauernd, manchmal mit Beimischungen früherer, auch schwieriger Gefühle ihr gegenüber. Alte Liebe und alte Kränkung kommen Hand in Hand. Ungelebte Chancen zeigen sich im Rückblick genauso klar wie unerfüllbare Erwartungen.

Vor wenigen Tagen wäre Helens 63. Geburtstag gewesen und bildete den Anlass, in Gedanken für einige Zeit bei ihr zu sein. Noch immer gibt es neue Facetten in diesem Gedenken, dennoch, es fühlt sich an, als sei zuende getrauert. Sie fehlt, aber ihr Fehlen schmerzt nicht mehr.

Ein anderes Ergebnis des Tochterbesuchs: es gibt jetzt endlich eine Patientenverfügung. Nach einer über einjährigen Pause, in der „eigentlich“ schon alles vorbereitet und vorgedacht war, es fehlte wirklich nur noch die Umsetzung  (ein paar Haken im Onlineformular, ausdrucken, unterschreiben) und – hier Auftritt der Tochter – jemand, dem die Aktion wichtig ist. War sie ihr, es gab eine dringende Bitte zum Termin X …, und done! Es kann so einfach sein.

Wie überhaupt, schon während des Jahres hatten wir verschiedene Telefongespräche, in denen wir durchgingen, was so alles schwierig werden kann, wenn ein nahestehender Mensch stirbt; meint: ich. Dabei hatten wir durchaus unsere emotionalen Momente, sind aber auch in der Sache vorangekommen. Meine wesentlichen Wünsche sind mitgeteilt. In Stichworten: Feuerbestattung, Friedwald, Erbverteilung. Selbst so praktische Dinge wie der Geräte- und Kontenzugang, jeweils off- und online, wurden besprochen. Mit all dem bin ich sehr zufrieden, solche Gespräche nehmen die Schwere aus dem Thema und führen zur Akzeptanz. Drüber reden hilft, selbst beim Sterben.

<O>

Ein weiteres großes Thema war die Demenz meiner Mutter, die mir wie eine unnötig in die Länge gezogene Variation des Sterbens vorkommt. Was ich so nicht schreiben würde, wenn ich nicht irgendwann bei mir bemerkt hätte, dass ich um sie trauerte. Vergangenheitsform, der Zustand dauerte nicht lange an und fiel in die Zeit der Reha, in der ohnehin alles geballt stattfand, was ich Euch hier halbwegs sortiert erzähle. Es war, es ist, als sei sie gestorben.

Mich in ihre Demenz einzufühlen gelingt mir nicht. Zumindest nicht im Sinne eines Mit-Leidens, auch hier eher abstrakt und, nun, wertend. Demenz ist der ultimative Move aus der Auseinandersetzung und der Beziehung heraus, hinein in eine Welt, die nur ihrer Interpretation folgt. Was wahr und was erfunden ist, kann und muss nicht mehr unterschieden werden. Sie hätte dies Unschärfe auch wesentlich früher in ihrem Leben zu schätzen gewußt.

Die Demenz meiner Mutter wurde lange nicht erkannt, vielleicht auch nur verleugnet. Anfang des Jahre wurde deutlich, dass sie nicht mehr alleine in ihrer Wohnung sein könnte. Da die Beziehung zu meiner Mutter immer schwierig und niemals wirklich liebevoll war, war ich nicht bereit, die Verantwortung für sie zu übernehmen und bestand darauf, dass ein gesetzlicher Betreuer eingesetzt werden müsste. Bis zur Benennung einer Betreuerin dauerte es mehrere Monate, in dieser Zeit blieb ich gezwungenermaßen Ansprechpartner Nummer Eins für Nachfragen bezüglich ihres Verbleibs, die ich regelmässig nicht beantworten konnte.  Schmerzhaft deutlich wird auch, wie dysfunktional die Restfamilie ist, der Umgang miteinander ist – in der schwächstmöglichen Formulierung – unfreundlich und kontraproduktiv. Die Auseinandersetzung damit verschwendet unnötig viel Kraft, die ich an anderen Stellen sehr gebrauchen könnte.

Mir, und auch der irgendwann dann eingesetzten gesetzlichen Betreuerin, war von Beginn der Misere an klar, dass Mutters Wohnung aufgelöst und verkauft werden müsste. Insgesamt dreimal war ich, zum Teil mehrere Tage, in der Wohnung um Papiere zu sichten und Erinnerungsstücke zu entnehmen. Jeder dieser Besuche brachte Photoalben oder Schriftstücke zutage, die bewahrenswert sind. Insbesondere beim letzten Besuch, gemeinsam mit meiner Tochter, fanden wir nochmals alte Urkunden aus einer Zeit, als meine Mutter genealogische Nachforschungen betrieben hat. Im Ergebnis habe ich nun Kisten voller Zeugs bei mir herumstehen, von dem ich nicht weiß, wohin ich damit soll. Vieles davon könnte digitalisiert werden, ich habe auch schon damit begonnen, letztlich ist das aber aufwändiger, als ich zunächst dachte. Seit mehreren Wochen (hoch einstellig) steht das Zeug nun unangetastet herum und wartet auf weitere Entscheidungen meinerseits.

Emotionen bezüglich meiner Mutter sind mir kaum zugänglich, vielleicht auch wirklich nicht vorhanden. Ins Leiden kam ich immer nur, wenn von außen die Erwartung an mich herangetragen wurde, dass ich etwas für sie zu fühlen und in der Folge auch zu entscheiden hätte. Seitdem die gesetzliche Betreuerin eingesetzt ist und ich meine Mutter gut untergebracht weiß, beschäftigt sie mich wenig. Oder nur auf eine sehr abstrakte Weise. Ich schaue mir die Fotos aus der Zeit an, als ich noch nicht geboren war, und habe Phantasien darüber, wer diese Elternmenschen waren, damals. Oder spätere Fotos, die den Übergang in eine Zeit zeigen, die ich irgendwann dann auch miterlebte. Nachfragen kann ich nichts mehr, ich bin ganz frei, mir Geschichten auszudenken.

<O>

Mir ist danach, den Text an dieser Stelle kurz zu unterbrechen. Schon jetzt ist dieser Jahresrückblick nicht unbedingt ein Gute-Laune-Text, aber ab hier wird es düster. Empathiebegabte Menschen werden nach dem Lesen traurig sein. Ganz ehrlich, Ihr müsst Euch das nicht geben. Wenn Alter, Krankheit und Tod gerade nicht in Euren Tag passen, dann solltet Ihr jetzt aufhören zu lesen und später wiederkommen. Oder gar nicht. Aber natürlich könnt Ihr auch einfach Jahresrückblick 2023 weiterlesen

Gesammelte Trivialitäten (2)

Erinnert Ihr Euch an die durchgebloggte Woche letzten Monat. Das probiere ich gerade nochmal, es hat gar nicht wehgetan. Direkt am Monatsanfang damit zu beginnen, hat einen kleinen, eher technischen Vorteil, mit dem ich Euch nicht langweilen will. Los geht’s.

1.11.2023, Mittwoch
(Groß-)Tante Lenis Todestag, nicht heute, sondern vor mehr als fünfzig Jahren. Sie ist eine meiner Lieblingsverwandten, vermutlich einfach deswegen, weil sie gut zu mir war und wir auch regelmässig Kontakt hatten. Dass sie mit ihrem Tod meinen 14. Geburtstag massiv störte, sei ihr verziehen, ich bin sicher, hätte sie es vermeiden können, sie hätte es getan. Mehr dazu im Blogbeitrag vom 1.11.1970.

<O>

Für meine Verhältnisse früh aufgestanden, sogar noch vor dem gestellten Wecker, um mich gegen halb eins mit A. zum Brunch zu treffen. Neben allerlei Plauderei geht es auch um die Feinabstimmung unseres morgigen gemeinsamen Ausflugs nach Frankfurt. Auf dem Rückweg am Baumarkt vorbeigefahren und Holzleim mitgenommen, leider vergesse ich Brot, das auch auf dem inneren Einkaufszettel stand. Gegen sechzehn Uhr bin ich wieder zuhause.

Abends Mail vom der Dating-App, mein Account sei nun gelöscht. Das ist nicht überraschend, es gab mehrere Vorwarnungen, so viele, dass ich dachte „Dann tut es doch endlich, statt nur davor zu warnen!“ Dating war im Sommer 22, dann kamen ab Dezember all die niederdrückenden, persönlichen Ereignisse (hier verlinkt zum Jahresrückblick – kommt noch) und im Moment bin ich halbwegs wieder erholt davon, aber der Wunsch nach Verpartnerung hat stark nachgelassen und ist zumindest in der Online-Version den Aufwand nicht wert..

2.11.23, Donnerstag
A. und ich unterwegs nach Frankfurt. Weil Friedberg im Moment eine echte Engstelle im öffentlichen Nahverkehr darstellt, wollten wir clever sein, mit dem Auto dorthin und nur den Rest der Strecke mit der Bahn fahren. Eine gute Idee, die in der Umsetzung an einem Stellwerksfehler scheiterte, der uns trotz aller Bemühung eine Stunde kostete, die wir wartenderweise – oder in anderen als den geplanten Verkehrsmitteln – verbrachten.

Ein Gutes hatte die Geschichte dennoch, während exakt dieser Fahrt entwickelten wir spontan die Idee eines gemeinsamen Städtetrips nach Budapest im Frühjahr/Sommer 2024. Ihr werdet sicher davon lesen.

„Ach was“ ist die Austellung zum hundertsten Geburtstag von Loriot im Frankfurter Karikaturen-Museum überschrieben. Loriot war damals eine große Sache und macht auch heute noch Retro-Spass. Spass, den sich mehr Menschen wünschen, als ich an einem Donnerstagmittag erwartet hätte. Es war sehr voll, vor allem mit Menschen, die vermutlich mit Loriot groß geworden sind. Etwas enttäuscht war ich davon, dass zugunsten dieser Sonderausstellung die Dauerausstellung komplett ausgeräumt war, die hätte ich gerne auch angeschaut, zumindest oberflächlich, denn eines wurde bei Loriot schon deutlich, Karikaturen erfordern einen gewissen Leseaufwand, wenn man Spass dran haben möchte.

 

Leseintensiv war auch die zweite Austellung, die wir besuchten: „Streit – Eine Annäherung“ im Museum für Kommunikation. Klingt trocken und theoretisch, war aber durch viele gelungene Exponate und Mitmachangebote soweit aufgelockert, dass wir gut im Gespräch miteinander waren und erst gegen Ende der Ausstellung Konzentrations- und Nikotinmangel zum Tragen kam. Zwanzig Minuten vor Schließung verließen wir das Museum, liefen zum Bahnhof und gelangten diesmal problemlos zurück nach Friedberg.

Dort, in Friedberg, das sah der der Plan vor, wollten wir essen gehen. Ja, mach‘ nur einen Plan … . Auf einen zweiten Blick sagte uns Google Maps, das Restaurant sei „Dauerhaft geschlossen“, aber wir sind ja flexibel (unterdrücktes Lachen aus dem Off), entschieden uns schnell für eine Alternative in Lützellinden, nur um dort zu erfahren, dass es das bevorzugte Angebot dort nicht mehr gibt. Müde, hungrig, kalt, da hilft nur der Rückgriff auf Routinen, wir landen beim Stamm-Türken (keine Dönerbude, sondern ein eher hochpreisiges, lamm- und knoblauchlastiges Restaurant mit angenehm bürgerlicher Atmosphäre). Womit ich im Nachgang sehr zufrieden bin, vermutlich hätte keine der zuvor angedachten Möglichkeiten uns einen ähnlich angenehmen Abschluss mit ähnlich gutem Essen bieten können.

3.11.23, Freitag
In der Kurzversion stünde hier „Eine Winzigkeit für die Fensterfront, später Lebensmitteleinkauf“, fertig. Solche Einträge unterschlagen die vielen anderen Kleinigkeiten, die sich oft ungeplant wie eine Plauderei auseinander ergeben. Heute, und nur als Beispiel, die Aufbereitung der gestern gemachten Fotos (oft in mehreren Schritten, siehe Bild), die nun noch in ein Album verschoben werden müssen, das ich dann für A. freigeben kann. Stichwort „freigeben“, wäre nicht die Einrichtung eines geteilten Dokuments für die gemeinsame Vorbereitung des Budapest-Städtetrips sinnvoll?  Das Dokument mit ersten Ideen anzufüllen benötigt auch etwas Zeit, denn wo sollen die Ideen herkomen, wenn nicht aus einem Reiseführer. Also Reiseführer suchen, herunterladen und grob sichten. Und es gibt noch Google Bard, mal schauen, was der vorschlägt. So vergeht die Zeit.

4.11.23, Samstag
Laute Gespräche und eine Kettensäge holen mich am späten Vormittag aus dem Schlaf. Die ungeliebte Nachbarin fällt eine längst auch im Wortsinn fällige Birke. Also nicht sie tut das, sie hat auch den Ehemann und den ungeliebten Nachbarn dabei. Alles geschieht schnell und professionell, wären es nicht sie (Einzahl) und sie (Mehrzahl), man könnte fast von einem erfreulichen Ereignis sprechen.

Draußen regnet es, ein guter Tag, die Blogbeiträge der letzten zwei Tage nachzuholen.

Der Abend vergeht mit einem Budapest-Reiseführer. Ich sammle Sehenswürdigkeiten und Informationen auf dem geteilten Dokument von A. und mir. Je länger ich das tue, umso mehr Lust bekomme ich auf die Nummer. Meine Sorge, dass wir 14 Tage nicht angefüllt bekommen, scheint unnötig.

5.11.23, Sonntag
Ein Ego-Boost am Morgen – meint nach dem Aufstehen, ich stoße auf einem Selbsttest zur Medienkompetenz, der von halbwegs verläßlichen Institutionen entwickelt ist, turne ihn einmal durch und schneide erfreulich gut ab. Nebenbei, das mit den halbwegs verläßlichen Institutionen steht da nur, um von vorneherein keinen Zweifel am Testergebnis aufkommen zu lassen.

Bonus-Info: der Durchschnitt liegt über alle Themen bei 2,5 bis 3,2

Dort, wo ich nicht gut abschneide (aber immer noch im Durchschnitt liege), sehe ich Möglichkeiten zur Diskussion. Und dafür habe ich ja Euch. Im Wesentlich kostet mich die Frage Punkte, wie mit weitergeleiteten Fake-News umzugehen sei. Meine Haltung, grundsätzlich keine News – egal ob Fake oder nicht – weiterzuleiten (oder darauf zu reagieren) wird zwar einleitend abgefragt, aber, das zeigt die Auswertung, als unwichtig abgetan. Ich halte das für wichtig, denn alle Konfusion bei der Beantwortung der Folgefragen  leitet sich daraus ab. Andererseits, das Thema heißt „Mitreden“, und das verweigere ich mit meinem Grundsatz tatsächlich. Es gibt also keinen Grund allzusehr herumzupinzen.

Der Punktabzug beim Thema „Fakten checken“ ergibt sich aus der Frage, ob man die Nachrichtenredaktion des Senders NTV eher oder eher nicht als neutral einschätzt. Ich eher nicht. Keine Nachrichtenredaktion ist neutral und „eher“ ist in der Verwendung eher schwierig. Ich gebe mir auch bei diesem Thema eher die volle Punktzahl.

Und weil ich gerade beim Thema bin schaue ich mir später im Tag den dritten Teil einer 14-teiligen Vortragsreihe von Philipp Hüble zum Thema Bullshit-Resistenz an. Hüble ist Philosoph und Publizist, wer mehr wissen will, guckt bei Wikipedia. Es scheint sich um den Mitschnitt eines Seminars zu handeln, ist aber an jeder Stelle gut verständlich. Manchen könnte es sogar zu langsam vorangehen, denn in guter Philosophenmanier wird jeder Begriff erst definiert, bevor er im weiteren Verlauf verwendet wird, als hätten wir darunter eigentlich schon immer genau das verstanden. Wer glaubt zu wissen, was ein Trottel ist, erfährt hier Neues.

6.11.23, Montag
Viele Menschen müssen montags wieder zur Arbeit, ich als Rentner nicht, aber um mich zu erinnern, wie das war damals, erledige ich eine Kleinigkeit an der Fensterfront.

Später im Tag eine eineinhalbstündige Dokumentation zu Loriots 100. Geburtstag in der Mediathek der ARD (Link nur gültig bis zum 6.11.24, ich missbillige das).

7.11.23, Dienstag
Die gestrige Kleinigkeit ist in Teilen falsch, lässt sich aber mit geringem Einsatz korrigieren. Ich korrigiere mich langsam aber sicher, und zunehmend zuversichtlich, einem durchaus zufriedenstellendem Ergebnis entgegen.

<O>

Vielleicht werde ich auf die alten Tage rührselig oder sentimental. Gestern bin ich zunächst auf die Story und dann auf das Video des „letzten“ Beatles-Songs gestoßen, der in diesen Tagen veröffentlicht wurde. Und war tatsächlich zu Tränen gerührt. Keine Ahnung wovon genau, vielleicht von den Textfragmenten, die ich verstand, oder den Videomontagen, in denen alte Männer ihren jüngeren Inkarnationen begegnen.

Die Entstehungsgeschichte des Songs ist interessant, ganz unabhängig von den Beatles. Obwohl es vermutlich hilft, die Beatles zu sein, wenn man Peter Jackson mit ins Produktionsboot holen will.

John Lennon schrieb das Lied in den späten 1970er Jahren und nahm es als Demo auf. 1980 wird er in New York ermordet. 1995 arbeiten die verblieben Beatles – Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr – erstmals an dem Song. Sie fügten neue Instrumente und Gesangsspuren hinzu, in dieser Zeit entsteht auch die Gesangsspur von Georg Harrison, der 2001 starb. Über zwanzig Jahre später, im Jahr 2022, entwickelte Peter Jackson und sein Team ein Verfahren, das es ermöglichte, auf dem Demo-Band die Stimme von John Lennon von der Klavierbegleitung zu trennen. Mit dieser bereinigten Tonspur konnten die zwei verblieben Beatles – Paul McCartney und Ringo Starr – den Song fertigstellen.

<O>

Den Müll herausgebracht, was nur deswegen erwähnenswert ist, weil eine der zwei Tüten schon seit ziemlich genau einem Monat neben dem Mülleimer darauf wartete. Als die zweite Tüte dazu kam, war es nicht mehr so dringend, nun konnten die zwei sich miteinander unterhalten. Dennoch war es eine große Freude, als ich die beiden heute mit ihren Freunden wiedervereinte. Aber auch etwas morbide, der ganze Mülltütenverein träumt davon, in der großen Müllhalde aufzugehen. Die aufgeklärteren Müllgenossen träumen von thermischer Wiederverwertung, ich halte das nur für unwesentlich besser. Aber hey, was weiß ich schon.

WMDEDGT Oktober 2023

Drei Tage vor Monatsende beginne ich meistens, den Monatsüberblick zu schreiben. Das ist diesmal etwas schwieriger, es fehlen dem Monat die Höhen und Tiefen. Zumindest hier und jetzt, denn das Wenige, das es gab, ist schon verbloggt. Vielleicht ist dies die Besonderheit des Monats, es gab mehr und längere Blogbeiträge als in den Vormonaten.

Die Gesammelten Trivialitäten, ein Beispiel typischen Tagebuchbloggens, zeigen sehr gut, dass ich meistens etwas schreiben kann, wenn ich nur damit beginne. Auch tonal gefalle ich mir in solchen Tagebuchtexten am besten. Im Moment überlege ich vorsichtig, auch im nächsten Monat eine Woche am Stück durchzubloggen.

Ich stehe dieser gesteigerten Produktivität ambivalent gegenüber, einerseits bin ich mit den Ergebnissen zufrieden, sie sind in der Regel ungefähr das, was ich erwarte. Andererseits gibt es sie nur, weil ich zuviel Zeit habe, die ich gerne vor dem PC verbringe. Und dabei eigentlich immer denke, dass ich diese Zeit besser mit Menschen verbringen sollte. Ersatzweise schreibe ich dann Texte für sie. Das ist besser als nichts. Aber es ist eben auch ein Anzeichen für den winterlichen Rückzug ins eigene Gehäus und Gemüt.

Ende des Überblicks, für die Details hier WMDEDGT Oktober 2023 weiterlesen

Handschriftenerkennung mit Google Lens

Bei den Besitztümern meiner Mutter fand ich das wohl älteste Dokument meines Dranges, mich zu verschriftlichen: ein Brief aus dem Zeltlager, abgeschickt am 8.8.1965. Ich war also knapp neun Jahre alt. Mehr zu diesem Zeltlager erfahrt Ihr chronologisch einsortiert, wenn Ihr diesem Link folgt.

Hier und heute abermals eine kleine Technologie-Schau. Dass Google Lens Bilder erkennt, liest und bei Bedarf auch übersetzt, ist nicht neu. Aber davon wissen und es sinnvoll verwenden sind zweierlei, heute also der Praxistest. Wie gut oder schlecht Ihr das Ergebnis findet, bleibt Euch überlassen. Ihr solltet das hier mehr als ein „Making of“ zum verlinkten Zeltlagertext verstehen, den Ihr ohne diese kleine Hinleitung ja niemals finden würdet.

Links Lens und rechts, was Lens so aus dem Bild ableitet.

Liebe Muth) and Page!

sind glet angekommen. Heute gab es Schmelz= kaltoffeln, rote Beben und Rührei. In 2 st. reachen wir das erste Geländespil. Die zwei Gruppen bauten sich gestern ihre Festungen. Unsere Festung ist gut versteckt. Nun will ich ersuchten wie das Spiel geht: Jeder spieler griebt ein „Lebensbändchen. Jede Gruppe knegt in Wimpel, das müssen wir uns gegenseitig alyagen. Zum Frühstück gibt es immer Haffe-

Herzliche Grüße ever

Günther

Deutsche Bundespon

-88.49

6121

Transkription für den Freundeskreis

Ich bin ja immer auf der Suche nach spannenden Trivialitäten für Euch. Und da gäbe es auf meiner Festplatte oder in meinen Tagebüchern auch so einiges zu finden, aber es ist doch immer sehr mühsam, diese Geschichten dann zu verschriftlichen. Spracherkennungs- und Transkriptionssoftware will uns das leichter machen, aber auch damit bleibt das Ergebnis oft hinter dem Aufwand zurück. Vor allem, wenn man sich, wie ich, auf kostenlose Angebote beschränkt. Dennoch, stets bemüht, versuche ich an neuen Entwicklungen dran zu bleiben und diese kreativ zu nutzen.

Mit meinem neuesten Experiment wollte ich Euch eine mehrstündige Audioaufnahme zugänglich machen, in der  Freund J. und ich uns über die 70er Jahre – und wie wir sie erlebt haben – unterhalten. Besser: meinen Teil der Unterhaltung wollte ich Euch zugänglich machen, des Freundes Einlassungen sind seine und bleiben auch bei ihm. Eine kleine regelbestätigende Ausnahme folgt dann weiter unten im Text, denn er ist „Sprecher 1“.

Okay, die Aufnahme ist vorhanden, wie kann ich sie in einen Text umwandeln? Im heutigen Experiment versuche ich das mit einer App von Google, „Automatische Transkription“, die nicht genau für diesen Zweck gemacht ist, sie soll eher Menschen mit Einschränkungen bei der Verständigung oder der Geräuscherkennung helfen. Dementsprechend hat sie auch keine Exportfunktion für die aufgezeichneten Texte, sondern der Export muss über copy&paste geschehen.

Der Text selbst sieht dann aus, wie transkripierte Texte immer aussehen. Ich habe während meines Studiums viele Stunden lang Interviews transkripiert; Gesprochenes, das sich vollkommen verständlich und normal anhört, ist als geschriebener Text voller Füllwörter, Wiederholungen, offensichtlicher Gedankensprünge und unbeendeter Sätze. Sprecher, die während des Sprechens denken, verschlimmern das Problem. Bei der manuellen Transkription kann der Transkriptierende noch Satzzeichen und andere hilfreiche Interpretationshilfen einfügen, Software spart sich so etwas oft, rät viel und manchmal falsch. Die kurze Suche nach dem passenden Wort gerät da schon einmal zum Absatz. Kurz: ein transkripierte Text muss immer (!) überarbeitet werden.

Gestern habe ich diese Überarbeitung per Hand und Hirn vorgenommen. Es ist vielleicht interessant, dass sich sogar Passagen, die man selbst gesprochen hat, im nachhinein oft nicht sinnvoll rekonstruieren lassen. Hört man die entsprechende Stelle in der Aufnahme nochmals an, ist alles klar. Um ehrlich zu sein, ich habe mir die Arbeit nicht gemacht, mir die entsprechenden Stellen noch einmal anzuhören, stattdessen habe ich gnadenlos gekürzt, was nicht verständlich war. Aus einem kleinen Teil der gestrigen, überarbeiteten Transkription habe ich anschließend einen Blogpost gemacht und in die 70er Jahre verschoben. Dort könnt Ihr nachschauen, wie sich das gesprochene Wort halbwegs unverfälscht liest.

Heute wollte ich dann schauen, ob sich der gestrige, mühselig Prozess nicht mit Hilfe von Googles „Bard“ abkürzen lässt. Und ja, es funktioniert. Mit Einschränkungen, wie dringend anzumerken ist. Aber bevor wir uns mit diesen beschäftigen, solltet Ihr Euch erstmal das Ergebnis anschauen, die Korrekturen darin sind von mir und ich würde den Text so zwar nicht veröffentlichen, dennoch, „man könnte“. Zur besseren Vergleichsmöglichkeit habe ich Eingabe und Ausgabe nebeneinander gestellt.

Die Eingabe bei Bard lautete:
Generiere aus allem nach dem Doppelpunkt einen grammatikalisch richtigen Text. Bleibe dabei so nah wie möglich am Originaltext: [Text]

Text, wie er aus „Automatische Transkription“ herausfiel und als Eingabe diente. Text, von „Bard“ geradegezogen.
.

Dann doch auch, dann haben wir über diese alten Zeiten gesprochen und Ja wir haben überall ich glaube eben auch Zusammenhang mit meiner schreiberei und der Geschichte und ich glaube da wollte ich dich wollte ich auch von dem paar Sachen Wissen und dann kamst du auf die Idee oder hast du gesagt du wolltest das wolltest das eh schon länger mal machen mal so eine Aufnahme Session zu deinem Leben oder einer Lebensphase und so haben sich diese beiden Interessen verbunden lang also so habe ich jetzt april für die Geschichte Halt und und

Und was ich da spannend dran fand, das war, dass ich so beim Nachhinein dann überlegt habe. Okay die die 70er. Also wenn man die jetzt mal so ganz grobkalent, also eine so ganz streng kann abgrenzt dann sind das ja die Jahre zwischen 14 und 24 bei mir und bei mir zwischen 15 und 25 und das ist eine unglaublich spannende Zeit gewesen eigentlich die.

Ja.

Ich denke zum einen waren die verprägend. Das gesamte Leben was später kommt.

Anfangsgespräch:

Person 1: Wir haben uns ja schon mal über diese alten Zeiten unterhalten, und ich glaube, dass das auch mit meiner Schreibe[rei] und der Geschichte [, die ich schreibe,] zusammenhängt. Ich wollte dich auch ein paar Sachen fragen, und dann kamst du auf die Idee  [hast Du erzählt], dass du das schon länger mal machen wolltest, mal so eine Aufnahmesession zu deinem Leben oder einer Lebensphase. So haben sich diese beiden Interessen verbunden.

Person 2: Ja, genau. Und was ich da spannend fand, war, dass ich mir beim Nachhinein überlegt habe: Okay, die 70er Jahre, also wenn man die jetzt mal so ganz grob zeitlich abgrenzt, dann sind das ja die Jahre zwischen 14 und 24 bei mir und bei dir zwischen 15 und 25. Und das ist eine unglaublich spannende Zeit gewesen eigentlich.

Person 1: Ja.

Person 2: Ich denke[,] zum einen waren die [waren ] verprägend für das gesamte Leben, w[d]as später kommt.

Die anzumerkenden Einschränkungen sind quantitativer und qualitativer Art. Dass in die Eingabe, Prompt sagen wir heute dazu, nur eine begrenzte Menge Text passt, ist zu erwarten. Ich war trotzdem überrascht. Eine kleine Nachfrage ergibt, dass sowohl der Prompt als auch die resultierende Antwort auf 1000 Zeichen begrenzt sind. Bedeutet, dass der findige Nutzer den Text vorher in sinnige Abschnitte unterteilen muss, damit Bard auch sinnig damit umgehen kann. Denn: Bard macht im ersten Anlauf nicht, was ich von ihm wollte, sondern liefert erstmal eine Zusammenfassung mit durchaus eigenen Schwerpunkten, die nicht richtig falsch, aber auch nicht richtig richtig waren. Für solcherlei Tun, wenn man es denn will, muss Zusammengehöriges natürlich auch zusammen eingegeben werden.

Immerhin, Bard liefert regelmäßig drei Alternativen dessen, was er getan hat, und die zweite ist dann die, die am nächsten dran ist an dem, was ich mir wünschte, siehe oben. Womit wir zu den qualitativen Einschränkungen kommen.

Weniger im Beispiel, aber im Rest des Textes und besonders  in der dritten Alternative war mir Bard oft nicht genau genug. Bard schludert bei der Grammatik und teilweise auch bei der Semantik, beides hätte ich aufgrund der Funktionsweise von LLM’s für ausgeschlossen gehalten (ich vermute nun, das Bard bei jeder Alternative etwas weniger streng mit inneren und äußeren Vorgaben umgeht). Gelegentlich gerät Bard auch mit den Sprechern durcheinander, aber das will ich ihm nicht vorwerfen, weil er ja in einem Text, der die Sprecher nicht unterscheidet, immerhin festgestellt hat, dass es sich um zwei Sprecher handelt.

Bards erste und priorisierte „Lösung“ des Prompts, die Zusammenfassung, ist dagegen zu glatt und allgemein. Weil der umgangssprachliche Ton wegfällt, dagegen in LLM-Manier das jeweils wahrscheinlichste, mithin durchschnittlichste Wort gewählt wird, fehlt alles, was das Allgemeine zum Besonderen macht.

Und dies führt uns zu einem vollkommen unerwarteten Abschluss.

Hausaufgabe für den Freundeskreis Hobby-Philosophie

Ergründe das Verhältnis von Besonderem zu Allgemeinem anhand des folgenden Dialogs.
„Wir haben uns getrennt, weil wir [hier eine als besondere empfundene Problemlage einsetzen].“
„Ach, der Klassiker!“