25449 – Wien Nachlese

Schon in meinem Wien-Beitrag zum 24.6.26 habe ich in Bezug auf den Stephansdom beschrieben, „wie geschickt die Bauarbeiten an der Fassade verborgen werden, indem die Gerüste mit einer Plane abgehängt werden, die ein fotorealistisches Abbild der dahinter in Renovierung befindlichen Fassade zeigen.“ Das Belvedere hebt auf seiner Rückseite das Vorgehen nochmal auf ein ganz neues Level, denn dort ist von der Originalfassade gar nichts mehr zu sehen.

Neben der Würdigung der geschickten Umsetzung finde ich aber auch den Wert als Metapher beachtenswert. Ich komme da sofort ins Gedankenspielen. Stellen wir uns kurz vor, es sei nur eine kahle Betonwand dahinter. Oder dahinter entstünde ein riesiges Tromp-l’oeil dieser Fassade. Oder etwas vollkommen anderes, keine Ahnung was, vielleicht ein zweifarbiges Mosaik das ausschließlich aus kleinen Underberg- und Jägermeisterfläschchen besteht. Es gibt da viele Möglichkeiten. So eine metaphorische Fassade – in diesem Fall sogar die Fassade einer Fassade – lädt ja gerne zur Spekulation ein, was sich wohl dahinter verbirgt.

Ich finde den Wiener Ansatz, dass die Planen-Fassade dem, was sich dahinter verbirgt, maximal nahe kommen sollte, sehr sympathisch. Und Ihr so?