Tag Zwei mit akuten Schmerzen der Niere wegen des Steins. Noch habe ich große Schwierigkeiten, einen funktionierenden Tag um die Schmerzen herum zu bauen. Seit heute morgen habe ich ein Schmerzmittel in Tropfenform, dessen tägliche Maximaldosis ich mir über den Tag verteilt frei zuteilen darf. Klar, es gibt Limits bei den Einzeldosen. Mit ein bisschen Rechnerei kommt mensch bei fünf bis sechs Einzeldosen alle zweieinhalb bis drei Stunden raus. Ohne die Nächte, vielleicht liegt hier ein Rechenfehler. Ich habe noch keine Erfahrung mit Nächten, die Länge der vergangenen Nacht war nach meiner Einordnung nicht wirklich „eine Nacht“, eher so „ich habe mal geschlafen, so um die fünf Stunden“.
Das Schmerzmittel braucht dreißig bis sechzig Minuten, um seine Wirkung zu entfalten und tut dies dann in Abhängigkeit von den vorhandenen Schmerzen. Letzteres musste mir in seinen Auswirkungen ersteinmal klar werden. Mit der ersten Gabe nach der Rückkehr aus der Apotheke war ich noch sehr hoffnungsfroh, es gab ein Zeitfenster von etwa einer Stunde, in dem ich komplett schmerzfrei war, danach setzten die Schmerzen langsam wieder ein. Ich stellte mir vor, dass das nun den Tag über so bliebe, eine lange Wellenbewegung durch Schmerz und Schmerzfreiheit bei allgemein schmerzgedämpften Niveau. Und so plante ich auch den Tag, insbesondere eine erneute Fahrt zur Apotheke und dem Lebensmitteldiscounter mit Nachbar D.. Was ich nicht bedacht hatte, die Schmerzen haben ihren eigenen, nur schwer vorhersehbaren Zyklus. Denn sie werden verursacht vom Rückstau des Urins in die Niere, erst staut es sich, wenn dann der Druck zu hoch wird kommt eine unbestimmte Menge am blockierenden Stein vorbei, der Druck und damit der Schmerz lässt nach. Problem: wann und bei welchem Druck das geschieht, ist nicht vorherzusehen. Und so musste ich durch zwei Einzeldosengaben des Schmerzmittels, ohne das dessen Wirkung deutlich spürbar war. Zum vereinbarten Zeitpunkt der gemeinsamen Fahrt war mir nach keinerlei Fahrt, wir sparten uns den Lebensmitteleinkauf und ließen es bei der Apotheke. Denn dort lag ein am Morgen bestelltes Medikament, das den Harnleiter aufweitet, was mir zu diesem Zeitpunkt sehr wünschenswert erschien.
Wieder zuhause konnte ich nur noch ins Bett, nicht, weil dadurch der Schmerz nachließe, sondern weil der Schmerz auf von mir noch unverstandene Weise auch müde macht. Vielleicht ist das ein Mechanismus zur Notabschaltung, vielleicht auch ein Reparaturmechanismus. Nun ist eine dreistündige Schlafphase am Abend kein besonders guter Einstieg in ein erholsame Nacht. Immerhin erwache ich nach dieser Zeit und bin kurze Zeit ohne Schmerzen. Gerade lange genug, um diese Zeilen zu schreiben, jetzt beginnt es gerade wieder, häßlich zu werden.
Ich vermute, ich werde die nächsten Tage damit verbringen, in diesem auf und ab eine Regel zu suchen, die es nicht geben kann beziehungsweise soll. Denn letztlich wäre ein regelhafter Zustand ein statischer Zustand, genau der Zustand, den mensch nicht will. Der Stein soll wandern, von innen nach außen, jeden Tag etwas mehr. Je schneller, desto besser. Ich hoffe sehr darauf.