25562 – X minus 3

Gestern dreimal mit dem Fahrrad nach Gießen hinein und wieder hinaus gefahren zu sein, hat mich doch sehr müde gemacht. Deswegen heute lange ausgeschlafen, etwas, das immer seltener geschieht. Ich trödele mich in den Tag und das erste, das entfernt den Eindruck von Produktivität  erwecken könnte, ist der Versuch, ein fehlerhaftes 3D-Objekt meines Bruders zu fixen (Ihr wisst schon, 3D-Druck und so). Leider komme ich nicht darüber hinaus, den Fehler zu identifizieren. Ihn zu beheben würde mich mehr Zeit kosten, als ich bereit bin zu investieren.

Gerade als ich mich hinsetze, um ihm kurz über meine Erkenntnisse zu berichten, beginnt eine Reihe von eingehenden Nachrichten, mich nachhaltig abzulenken. Drei davon erwarten eine Rückantwort, zwei erfordern zusätlich einen Eintrag im Kalender. Für kurze Zeit halte ich fünf metaphorische Bälle in der Luft, während ich gleichzeitig versuche, einen unerwartetet dazwischenkommenden Anruf angemessen aufmerksam zu führen.

Bezogen auf die bevorstehende Reise ist davon nur eine Nachricht. Die Vermieterin der Unterkunft fragt die Informationen aus irgendeinem zwingend auszufüllenden Formulat an, weil … . Auch egal, ich schreibe zurück, dass ich das Formular bereits ausgefüllt habe und eineinhalb Stunden später entschuldigt sie sich, ihr Fehler und sorry. Kann passieren, aber dennoch war ich eineinhalb Stunden lang unruhig.

Während dieser eineinhalb Stunden habe ich alle Bälle wieder sicher in der Hand und schon einen Teil der Reisekleidung zur Reisetasche gelegt.  Es folgt etwas, das ebensosehr Reisevorbereitung und Aufräumen ist, wie es das auch nicht ist. Ich klebe Schnipsel, aufgehobene A5-Seiten, und Briefmarken mehr oder weniger willkürlich in ein Altered Book, das ich mit nach Lissabon nehmen möchte, um auch dort damit zu werken.

Ich notiere kurz, was heute war und – schwups – ist es draußen dunkel. Seltsames Phänomen. Vielleicht ein Zeitloch.

25561 – X minus 4

Ein letzter „angefüllter“ Tag zuhause, meint: drei Termine außerhalb, über einen vierten denke ich noch nach. Das alles war nicht so geplant, geplant war der jährliche Kontrolltermin beim Zahnarzt, Ende. Dann kam eine Einladung zum Essen hinzu und jetzt Part 3 der Kärtchen-Trilogie.

Alles kein Problem soweit es die Reisevorbereitungen betrifft. Gestern bin ich mit allen nicht-reisebezogenen Dingen fertiggeworden, die ich vorher noch erledigt haben wollte. Und sogar mit  dem Waschen ein paar ausgesuchter Kleidungsstücke, die ins Urlaubsgepäck gehören.

Die Kärtchen-Trilogie, Part 3

Was bisher geschah:
Part 1
Part 2

Drei Tage zurück wollte ich endlich die Medikamente aus der Apotheke abholen, die schon länger „auf meinem Kärtchen“ sind. Also eigentlich sind sie in der Apotheke, noch eigentlicher in irgendeiner Apotheke, andernfalls hätte ich sie ja und müsste sie nicht abholen, die Medikamente.

Kurz, ich bekomme die Medikamente nicht, weil mein Kärtchen versagt. Das ist deswegen lästig, weil zumindest eines der Medikamente voraussehbar während des Urlaubs ausgehen wird. Abhilfe könne ein Papierrezept schaffen. Dazu aber müsste ich nochmal zum Doc, worauf ich genau keine Lust habe. Oder ich gehe zur Krankenkasse, dort warte ich weniger lang, und bekomme mit etwas Glück gleich ein neues Kärtchen.

Zeigt sich heute: Nöh! Was ich bekomme ist einen Behandlungsschein. Der würde mir beim Arzt helfen, wenn ich einen bräuchte, eventuell auch in der Apotheke. Darüber hinaus sieht der Krankenkassenmensch, dass die Karte seit 13.10.26 stillgelegt ist, warum das vorm aufgedruckten Ablaufdatum, 12/26, geschieht kann er auch nicht erklären, „Hat vielleicht was mit dem Bild zu tun.“

Etwas später in der Apotheke, Karte und Behandlungsschein reichen nicht aus, ich brauche das Papierrezept. Also doch zum Doc, nachmittags bin ich ohnehin für den Zahnarzttermin in der Stadt.

Pause
zuhause

Die Sache mit dem Papierrezept geht dann rasend schnell. Ich komme sofort dran und kaum habe ich zuende erklärt, fällt das Rezept schon aus dem Drucker. Als dann bei der Apotheke alle Medis auch vorrätig sind, wähne ich mich ein Glückskind.

Ende der Kärtchen-Trilogie, ab jetzt kann ich in Ruhe darauf warten, dass mir ein neues zugesandt wird.

<O>

Ich vertrödle die Zeit bis zum Zahnarzt auf der Suche nach einem grünen Füller, also außen. Da soll dann auch grüne Tinte rein, logisch. Und wenn mensch sonst nichts zu tun hat … .

Beim Zahnarzt verebbt im Laufe der Wartezeit dann das Glücksgefühl, eine Stunde nach meinem Termin lasse ich mir einen neuen geben und gehe. Denn ich habe noch eine Verabredung für den Abend und muss/will zwischendrin nochmal nachhause.

Abends gehe ich mit Freund J. essen und plaudern. Keine besonderen Vorkommnisse, essen und plaudern halt, sehr angenehm.

Wieder zuhause beende ich diesen Beitrag und bin sehr zufrieden mit dem Tag, aber auch der Tatsache, dass ich die nächsten drei Tage mein Gehäus‘ nicht mehr verlassen muss, wenn ich das nicht will. Und ich hab‘ das starke Gefühl, dass ich nicht wollen werde!

25560 – X minus 5

Noch fünf Tage, dann, also am sechsten, geht es gemeinsam mit A. für einen Kurzurlaub nach Lissabon. Und obwohl ich vermutlich mein Zeug innerhalb von einem Tag zusammengepackt hätte, bin ich schon jetzt in den Vorbereitungen. Dabei befinde ich mich in einem seltsam ambivalenten Zustand. Einerseits bin ich sicher, selbst mit hypothetisch in der letzten Stunde gepackter Reisetasche – sogar wenn ich viele Dinge ebenso hypothetisch vergessen würde – gut und mit Spaß unterwegs sein zu können. Ich brauche nicht viel und das wenige, das ich brauche, gibt es vor Ort, vor jedem Ort. Solange es mir gelingt, rechtzeitig mit Perso und Bankkarte am Flughafen zu sein, sollte einer guten Zeit nichts im Wege stehen. Okay, das Phone muss auch mit. Und vielleicht das Tablet, damit ich Euch von den weiteren Abenteuern berichten kann.

Andererseits fühle ich mich schlecht vorbereitet und auf eine unbestimmte Weise unsicher. Es ist, als hätte ich etwas Entscheidendes nicht auf dem Zettel und die Subroutinen im Hinterkopf, die solche Dinge unter normalen Umständen zuverlässig an die Oberfläche bringen, liefen in sinnlosen Schleifen und dem Bewußtsein des eigenen Versagens.

Dankenswerterweise war ich in meinem bisherigen Leben frei von unspezifischen und/oder unbegründeten Ängsten.  Jetzt aber stelle mir vor, dass es so jemandem geht, der Flugangst hat. Denn wenn ich näher in das Gefühl gehe, stelle ich fest, dass meine Besorgtheit endet, sobald ich mich in Lissabon sehe. Jede Nachlässigkeit in der Vorbereitung wird sich dort klären lassen; einmal angekommen, wird alles gut sein.

Es bleibt spannend. Und spätestens am 30. abends wissen wir mehr oder fragen uns gemeinsam, was das jetzt wieder war.

25559 – Große-Buben-Spielzeug

Mein Bruder wohnt so, dass mensch ein Paket lieber nicht zu lange unbeaufsichtigt stehen lässt. Folglich lassen wir Pakete für ihn lieber an meine Adresse gehen. Heute war dann der erste Tag, an dem wir beide gnug Zeit hatten, uns um das letzte Paket zu kümmern, einen 3D-Drucker.Mit dem haben wir dann den Rest den Tages verbracht. Der Aufbau dauerte seine Zeit, den Drucker im Heimnetz anzumelden dauerte seine Zeit, die Anmeldung bei der Herstellerfirma gelang trotz mehrfacher Versuche gar nicht, und auch die ersten zwei Drucke dauerten ihre Zeit.

Und warum dieses seltsame Boot? Nun, das ist 3D-Benchy, ein Objekt, das vermutlich jeder Besitzer eines 3D-Druckers schon einmal ausgedruckt hat. Es dient als Benchmark und Funktionstest. Wer wissen will, ob sein Drucker überhaupt tut und wie gut er tut, was er tut, druckt den Kahn. So auch wir. Tja, obwohl wir lange Zeit ernste Zweifel daran hatten sind wir sehr gewöhnlich.

25558

Ich bin gerade extrem angefressen, weil es mir nicht gelungen ist, die Dinge herauszufinden, herunterzuladen, oder ganz allgemein und überhaupt: Das digitale Leben ist blöd.

<O>

Wenigstens war der erste Teil des Tages halbwegs angenehm, naja, zugegebenermaßen gänzlich angenehm. Eine Führung in der Galerie 23 mit der zukünftigen Malgruppe. Vor, während und danach angenehme Gespräche mit angenehmen Menschen. Bei genauerer Betrachtung ist das Glas dreiviertel voll.