Es gibt Bücher, bei denen ist die Geschichte zweitrangig. Ich komme drauf, weil ich heute seit langer Zeit wiedereinmal tagsüber gelesen habe. Ich lese regelmäßig vor den Einschlafen und bin bei der Auswahl meines Lesestoffs nicht allzu anspruchsvoll. Umso mehr genieße ich dann die Zufallsfunde, die mich wirklich gefangen nehmen.
Heute also auch tafgsüber Rückzug in die Welt eines solchen Zufallsfundes. Vielleicht ist er das, was andere einen Gesellschaftsroman nennen (ich habe gerade keine Lust, das zu recherchieren), die Handlung ist in der amerikanischen Oberschicht der 50er, 60er und 70er Jahre angesiedelt. Nichts, was mich weniger interessieren könnte, wenn mir jemand das mit diesen Worten empfehlen würde. Vielleicht würde ich etwas aufmerksamer sein, wenn mir erzählt werden würde, dass im Kern der Geschichte das Verschwinden von zwei Kindern stünde. Nur, das stimmt nicht wirklich. Das, wovon die Geschichte lebt, ist die Figurenzeichnung.
Denn, wenn ich, wie schon erwähnt, tagsüber lese, bedeutet das, dass mich die Figuren interessieren. Mir geht es nicht darum, wie die Handlung voranschreitet, wer als nächstes was tut, sondern ich möchte die beschriebenen Charaktere weiter kennenlernen. Ich bin im besten Sinn an den beschriebenen Menschen interessiert.
Vielleicht denkt sich jetzt der eine oder die andere „Ja, und …?“ Sorry, da kommt nichts mehr. Ich bin zum wiederholten Mal über einen Autor/ eine Autorin gestolpert, dessen Schreibstil macht, dass mir jede Synopsis egal ist. Vermutlich würde ich von denen alles lesen. Vielleicht ist das für buchaffine Menschen eine Banalität. Aber heh, je älter ich werde, desto mehr neige ich dazu, auch Banalitäten zu bestaunen.
Liz Moore: Der Gott des Waldes
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