Tag Vier der Nierensteingeschichte. Rein erzählerisch beginnt es zu langweilen. „Schwierige Tage zwischen Schmerz und Nicht-Schmerz“ lassen sich nicht endlos oft erzählen. Gehen wir also weg vom Schmerz und für die Zukunft davon aus, dass er in wechselnden Anteilen und zu wechselnden Zeiten Teil meiner Tage ist. Und sobald ich den Stein los bin, erfahrt Ihr es als Erste, vermutlich in Großbuchstaben.
Und schon ist der Kopf frei für ein paar der positiveren Aspekte der leidvollen Geschichte. So bin ich zum Beispiel wirklich überrascht vom Ausmaß der Anteilnahme und der Hilfsangebote, die ich hier aus meiner kleinen Gemeinde erfahre. Nachbar D. bringt mir Wasser, in dem ein Heilstein liegt. Und weil er weiß, dass ich vermutlich kaum etwas damit anzufangen weiß, kommentiert er, „dass ich im schlimmsten Fall halt Wasser tränke, in dem ein Stein gelegen hat“. Wenn ich nicht dran glauben muss, bin ich bereit sehr viel zu tun, um mir Erleichterung zu verschaffen. Also her damit, gerne mehr.
Sehr viel mehr bin ich bereit an den „Steinspalter“ zu glauben, ein Tee, an dessen Vorhandenseim im heimischen Sortiment sich Nachbarin F. erinnert und bei mir vorbeibringt. Der Link im Internet zeigt, dass er für meine Situation gewachsen scheint, viel wichtiger aber, ich mag ihn. Seit Beginn der Nierensteingeschichte habe ich kaum Appetit, selbst Kaffee oder Pfefferminztee geht nicht an mich. Aber dieser Tee ist das erste Lebensmittel oder Getränk, dass ich wieder gerne zu mir nehme. Ich halte das für ein gutes Zeichen, in der gröbsten Verallgemeinerung formuliert, glaube ich, dass uns genau die Dinge helfen, von denen wir glauben, dass sie das tun. Die ganze Unsicherheit mit dieser Verallgemeinerung kommt daher, dass wir oft genug nicht wissen, woran wir glauben – oder eben auch nicht. Und dem Tee traue ich was zu. Weil ich ihn mag.
Bei der vorhandenen Appetitlosigkeit sind die Einkaufsfahrten zum Discounter nicht mein erstes Problem. Dennoch ist es gut zu wissen, dass ich auch hier mehr als ein Angebot habe, mir Dinge mitzubringen oder mich bei Einkaufsfahrten mitzunehmen. Seit heute ist das sogar doppelt wichtig, denn auf der vormittäglichen Fahrt zum Urologen ist mir die Gangschaltung des Fahrrads ausgefallen – wie ich es einschätze nur mit professioneller Hilfe wiederherzustellen. Was bedeutet, dass ich auf diese Angebote wirklich angewiesen sein könnte.
Neben all der Hilfe aus der Gemeinde gab es heute Besuch von Freundin A., die mir einen schickes Fieberthermometer mitgebracht hat, damit ich es genauer benennen kann, wenn ich mich am Abend „etwas warm“ fühle. Kurz, mir fehlt es weder an konkreter Hilfe noch an Mitgefühl und – ich weiß, ich wiederhole mich – ich bin dankbar dafür und auch etwas überrascht darüber. Jetzt muss ich nur noch lernen, das einfach anzunehmen.

