25372 – Nebenwirkungen

Montag. Neben wenig anderem ein Lebensmitteleinkauf und etwas Schreibtischarbeit. Ich versuche. nach der Nierenkolik wieder ins Alltagsleben zurückzukehren. Was erstaunlich schwierig ist. Schon vor der Kolik gab es ein paar Tage mit deutlicher „Reibung“ bei den Morgenroutinen, die Kolik hat sie dann ganz gestoppt. Und nun gibt es einen Teil in mir, der es am liebsten dabei lassen würde.

Nun sind diese verspielten, vertrödelten ersten Stunden des Tages diejenigen, die mich mit den mehr produktiven oder an Notwendigkeiten ausgerichteten Tätigkeiten des restlichen Tages versöhnen. Meistens beginnt diese Routine mit der „Zeitung“, den Neuigkeiten im Internet, gefolgt von irgendwas mit Stiften und  Notizbüchern, parallel dazu oft so etwas wie eine grobe Tagesplanung. Nach eineinhalb bis zwei Stunden kann ich dann beginnen, mich Dingen zuzuwenden, die auch nach konventionellen Maßstäben sinnvoll sind.

Im Moment bleibt es bei der „Zeitung“ und das gerne für den Rest des Tages. Der Zustand erinnert mich etwas an den, den ich während der Krebsbestrahlung als Fatique kennengelernt habe. Ich bin vollkommen zufrieden damit, dazusitzen und den Tag vorüberziehen zu lassen. Ähm, falsch! Ich bin gerade nicht damit zufrieden, aber zugleich auch nicht so richtig fähig, zu irgendwas in die Gänge zu kommen.

Das ist alles noch nicht wirklich tragisch und vielleicht viel zu früh, sich zu beklagen. Der Tag heute beweist, dass ich organisatorisch alles geregelt bekomme und funktioniere, wenn ich das muss (was, nur nebenbei, für meinen gesamten Umgang mit der Kolik und deren Behandlung gilt). Was fehlt, ist der Überschuss, das mit den Farben, der Freude und der Selbstzufriedenheit.

Nun muss ich temperamentsbedingt vorsichtig sein bei solchen Entwicklungen. Genau hinschauen ist angesagt. Das Feiern kleinster Schritte in die richtige Richtung bei maximaler Nachsichtigkeit mit sich selbst.

Meine große Hoffnung aber ist, dass es sich bei meinem gegenwärtigen Befinden um eine Neben- oder Auswirkung des Nierensteingeschehens handelt und alles sich von selbst und anstrengungslos wieder gesund einpegelt. Bin gespannt.

25366 bis 25369 – Nierenstein

Der besseren Lesbarkeit wegen habe ich die ursprünglich täglich erschienenen vier Artikel der Nierenkolik in einem Artikel zusammengefasst und abgeschlossen.

25366 – Der Stein, der vom Herzen fällt

Wie mein Vater habe auch ich Nierensteine. Obwohl, bisher nur in der Einzahl. Zum Glück musste ich ziemlich alt werden, um das herauszufinden. Und dafür auch etliche Spezialisten beschäftigen. Heute.

Kurz, ich habe den Tag in Krankenhaus verbracht, nachdem ich morgens mit Schmerzen aufwachte, die ich zuerst für Muskelschmerzen im unteren Rücken hielt. Mit der Symptomentwicklung hin zu einem kleinen Herzinfarkt (Kreislauf wird schwach, Übelkeit, Hitzeschübe, Unruhe). Letztlich lag ich irgendwann auf meinem Boden, den ich noch kontrolliert selbst erreichen konnte, und rief die Sanitäter.

Mit der Herzvorgeschichte ging es dann die erste Hälfte des Tages darum, den Herzinfarkt auszuschließen. Nachdem das getan war kamen der Orthopäde und der Urologe zum Zug. Ein CT hat dann den Nierenstein bestätigt, der jetzt an einer Stelle sitzt, von der er vermutlich in den nächsten vier Wochen von selbst abgeht. Und dabei ebenso vermutlich Schmerzen verursachen wird.

Als Kind habe ich bei meinen Vater beobachten können, wie der in den Zeiten, bevor ein Stein abging, immer ziemlich mies drauf kam. Er hatte Schmerzen, über die er nicht sprach. Bin gespannt, was ich so erleben werde.

Um ein Quäntchen Gutes aus der ganzen Geschichte herauszuquetchen, mein Herz wurde heute sehr genau angeschaut und jeder der Begutachtetenden war mit dessen Zustand beziehungweise der Ausführung der Ersatzteileinbauten (künstliche Herzklappe) sehr zufrieden. Ich nehme davon mit, dass ich mir in der bevorstehenden Leidenszeit wenigstens keine Gedanken darum machen muss, wie das Herz das mitmacht. Der alte Pumpsack wird einfach seinen Job machen. Wenigstens das.

25367 – Schmerzen

Tag Zwei mit akuten Schmerzen der Niere wegen des Steins. Noch habe ich große Schwierigkeiten, einen funktionierenden Tag um die Schmerzen herum zu bauen. Seit heute morgen habe ich ein Schmerzmittel in Tropfenform, dessen tägliche Maximaldosis ich mir über den Tag verteilt frei zuteilen darf. Klar, es gibt Limits bei den Einzeldosen. Mit ein bisschen Rechnerei kommt mensch bei fünf bis sechs Einzeldosen alle zweieinhalb bis drei Stunden raus. Ohne die Nächte, vielleicht liegt hier ein Rechenfehler. Ich habe noch keine Erfahrung mit Nächten, die Länge der vergangenen Nacht war nach meiner Einordnung nicht wirklich „eine Nacht“, eher so „ich habe mal geschlafen, so um die fünf Stunden“.

Das Schmerzmittel braucht dreißig bis sechzig Minuten, um seine Wirkung zu entfalten und tut dies dann in Abhängigkeit von den vorhandenen Schmerzen. Letzteres musste mir in seinen Auswirkungen ersteinmal klar werden. Mit der ersten Gabe nach der Rückkehr aus der Apotheke war ich noch sehr hoffnungsfroh, es gab ein Zeitfenster von etwa einer Stunde, in dem ich komplett schmerzfrei war, danach setzten die Schmerzen langsam wieder ein. Ich stellte mir vor, dass das nun den Tag über so bliebe, eine lange Wellenbewegung durch Schmerz und Schmerzfreiheit bei allgemein schmerzgedämpften Niveau. Und so plante ich auch den Tag, insbesondere eine erneute Fahrt zur Apotheke und dem Lebensmitteldiscounter mit Nachbar D.. Was ich nicht bedacht hatte, die Schmerzen haben ihren eigenen, nur schwer vorhersehbaren Zyklus. Denn sie werden verursacht vom Rückstau des Urins in die Niere, erst staut es sich, wenn dann der Druck zu hoch wird kommt eine unbestimmte Menge am blockierenden Stein vorbei, der Druck und damit der Schmerz lässt nach. Problem: wann und bei welchem Druck das geschieht, ist nicht vorherzusehen. Und so musste ich durch zwei Einzeldosengaben des Schmerzmittels, ohne das dessen Wirkung deutlich spürbar war. Zum vereinbarten Zeitpunkt der gemeinsamen Fahrt war mir nach keinerlei Fahrt, wir sparten uns den Lebensmitteleinkauf und ließen es bei der Apotheke. Denn dort lag ein am Morgen bestelltes Medikament, das den Harnleiter aufweitet, was mir zu diesem Zeitpunkt sehr wünschenswert erschien.

Wieder zuhause konnte ich nur noch ins Bett, nicht, weil dadurch der Schmerz nachließe, sondern weil der Schmerz auf von mir noch unverstandene Weise auch müde macht. Vielleicht ist das ein Mechanismus zur Notabschaltung, vielleicht auch ein Reparaturmechanismus. Nun ist eine dreistündige Schlafphase am Abend kein besonders guter Einstieg in ein erholsame Nacht. Immerhin erwache ich nach dieser Zeit und bin kurze Zeit ohne Schmerzen. Gerade lange genug, um diese Zeilen zu schreiben, jetzt beginnt es gerade wieder, häßlich zu werden.

Ich vermute, ich werde die nächsten Tage damit verbringen, in diesem auf und ab eine Regel zu suchen, die es nicht geben kann beziehungsweise soll. Denn letztlich wäre ein regelhafter Zustand ein statischer Zustand, genau der Zustand, den mensch nicht will. Der Stein soll wandern, von innen nach außen, jeden Tag etwas mehr. Je schneller, desto besser. Ich hoffe sehr darauf.

25368 – Geht so

Tag Drei der Nierensteingeschichte. Insgesamt und bei niedrigen Erwartungen ein guter Tag. Nach dem Aufwachen eine von sechs täglich-möglichen Einzeldosen des Schmerzmittels verwendet. Danach war es nicht mehr notwendig. Der Druck in der Niere ist während des Tages gleichbleibend spürbar, auch unangenehm, aber erträglich und unterhalb der Schmerzschwelle.

Ich bin noch immer sehr müde, werde nach diesen Zeilen auch ins Bett gehen, nach meinen sonstigen Maßstäben mitten am Tag (es ist kurz vor acht). Damit die Spannungskurve nicht zu sehr abfällt, fühle ich mich etwas warm. In einem ansonsten zu ignorierenden Bereich, aber ich habe noch den entlassenden Arzt im Ohr, der sehr betonte, dass ich bei Fieber sofort wieder auftauchen sollte. Weil das ein Hinweis auf eine Entzündung sei und damit alles sehr viel schwieriger zu behandeln sei.

Ich finde es sehr schwierig, die Balance zwischen notwendiger Selbstfürsorge und einfach Wegignorieren zu finden. Zumindest wenn nichts wehtut.

<0>

50 Minuten später steigt  der Druck langsam und wird zu Schmerz. Ich stehe kurz für die zweite Einzeldosis des Tages auf. Es folgt eine unruhige Nacht, während der der Druck nur knapp unterhalb der Schmerzschwelle bleibt.

25369 – Alles was hilft

Tag Vier der Nierensteingeschichte. Rein erzählerisch beginnt es zu langweilen. „Schwierige Tage zwischen Schmerz und Nicht-Schmerz“ lassen sich nicht endlos oft erzählen. Gehen wir also weg vom Schmerz und für die Zukunft davon aus, dass er in wechselnden Anteilen und zu wechselnden Zeiten Teil meiner Tage ist. Und sobald  ich den Stein los bin, erfahrt Ihr es als Erste, vermutlich in Großbuchstaben.

Und schon ist der Kopf frei für ein paar der positiveren Aspekte der leidvollen Geschichte. So bin ich zum Beispiel wirklich überrascht vom Ausmaß der Anteilnahme und der Hilfsangebote, die ich hier aus meiner kleinen Gemeinde erfahre. Nachbar D. bringt mir Wasser, in dem ein Heilstein liegt. Und weil er weiß, dass ich vermutlich kaum etwas damit anzufangen weiß, kommentiert er, „dass ich im schlimmsten Fall halt Wasser tränke, in dem ein Stein gelegen hat“. Wenn ich nicht dran glauben muss, bin ich bereit sehr viel zu tun, um mir Erleichterung zu verschaffen. Also her damit, gerne mehr.

Sehr viel mehr bin ich bereit an den „Steinspalter“ zu glauben, ein Tee, an dessen Vorhandenseim im heimischen Sortiment sich Nachbarin M. erinnert und bei mir vorbeibringt. Der Link im Internet zeigt, dass er für meine Situation gewachsen scheint, viel wichtiger aber, ich mag ihn. Seit Beginn der Nierensteingeschichte habe ich kaum Appetit, selbst Kaffee oder Pfefferminztee geht nicht an mich. Aber dieser Tee ist das erste Lebensmittel oder Getränk, dass ich wieder gerne zu mir nehme. Ich halte das für ein gutes Zeichen, in der gröbsten Verallgemeinerung formuliert, glaube ich, dass uns genau die Dinge helfen, von denen wir glauben, dass sie das tun. Die ganze Unsicherheit mit dieser Verallgemeinerung kommt daher, dass wir oft genug nicht wissen, woran wir glauben – oder eben auch nicht. Und dem Tee traue ich was zu. Weil ich ihn mag.

Bei der vorhandenen Appetitlosigkeit sind die Einkaufsfahrten zum Discounter nicht mein erstes Problem. Dennoch ist es gut zu wissen, dass ich auch hier mehr als ein Angebot habe, mir Dinge mitzubringen oder mich bei Einkaufsfahrten mitzunehmen. Seit heute ist das sogar doppelt wichtig, denn auf der vormittäglichen Fahrt zum Urologen ist mir die Gangschaltung des Fahrrads ausgefallen – wie ich es einschätze nur mit professioneller Hilfe wiederherzustellen. Was bedeutet, dass ich auf diese Angebote wirklich angewiesen sein könnte.

Neben all der Hilfe aus der Gemeinde gab es heute Besuch von Freundin A., die mir einen schickes Fieberthermometer mitgebracht hat, damit ich es genauer benennen kann, wenn ich mich am Abend „etwas warm“ fühle. Kurz, mir fehlt es weder an konkreter Hilfe noch an Mitgefühl und – ich weiß, ich wiederhole mich – ich bin dankbar dafür und auch etwas überrascht darüber. Jetzt muss ich nur noch lernen, das einfach anzunehmen.

<O>

Was ich am Ende dieses Artikels und dieses Tages nicht wissen konnte war, dass ich den schmerzhaften Teil des Nierenstein-Geschehens, die Kolik, hinter mir hatte. Am Nachmittag dieses Tages traten die Schmerzen ein letztes Mal auf, ein leichter Druck nocheinmal am Morgen des Folgetages, danach war ich schmerz- und symptomfrei. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist der Stein jetzt in der Blase, wo er keine Schmerzen verursacht. Vielleicht nocheinmal kurz bei seinem Weg durch die Harnröhre, geschenkt, wenn’s dann rum ist.

Abschließend, ich habe die KI meines Vertrauens um folgendes gebeten:
Fasse mir kurz den Verlauf der Symptome rund um Nierensteine zusammen. Wann und warum treten die Schmerzen auf, wann enden sie und wie kann ich feststellen, ob der Stein ausgeschieden wurde.

Wenn Euch die Antwort interessiert, dürft Ihr hier 25366 bis 25369 – Nierenstein weiterlesen

25264 – Tageslichtlampe

Seit Silvester besitze ich eine Tageslichtlampe, mit deren Hilfe ich etwas gegen die winterlich-depressive Verstimmung unternehme. Diese Lampe ist ebenso groß wie sie teuer war. Und leider ist beides unvermeidbar, wenn das Teil wirksam sein soll. Hinter dieser Aussage steht eine Menge Mathematik, die irgendwie die abgestrahlte Lichtmenge, den Abstand von der Lampe und auch deren Fläche, sowie die Zeit, die mensch davor verbringen sollte, miteinander ins Verhältnis setzt.

Im Bild ist mein Frühstückssetting. Das funktioniert, weil mensch ohnehin nicht in die Lampe schauen soll, sondern daran vorbei, aber so, dass das Licht der Lampe dennoch auf die Netzhaut trifft. Abstand von der Lampe cirka 60 cm für 30 bis 45 Minuten während der morgendlichen Informationsaufnahme. Und ja, vorher wirkte das gemütlicher.

Aber – und das finde ich erstaunlich – ich weiß jetzt schon, also nach nur drei Tagen, dass ich das Licht mag und gut aushalten kann auch über die empfohlene Zeit hinaus. Am Design kann’s nicht liegen, ich vermute, dass ich auf irgendetwas anspreche, das ich nicht benennen, sondern nur intuitiv wahrnehmen kann. Mir soll’s recht sein.

25257 & 25258 – Kurz gekränkelt

Heute den ganzen Tag fiebrig im Bett gelegen, die meiste Zeit davon geschlafen. Gar keinen Appetit, es fühlt sich an wie ein sehr leichter Verlauf von Irgendwas-mit-Magen-und-Darm.

<O>

Einen Tag später geht es schon deutlich besser. Ich schlafe lange, am frühen Nachmittag mag ich nicht mehr liegen, stehe auf und schaue drei Episoden der Serie, die ich gestern nicht geschaut habe, was ich hier nur erwähne, weil das eine ziemlich gute Einschätzung erlaubt, wie schlecht es mir ging. Ich wage die Progose, dass es mir morgen wieder gut gehen wird.

25249

Alles ist wie meistens um diese Jahreszeit. Fühllos gestimmt und Schlafstörungen mit langen Wachphasen mitten in der Nacht, die machen, dass mein Schlaf zwischen sieben und dreizehn Uhr am tiefsten und erholsamsten ist. Ich schlafe nicht mehr als gewöhnlich, aber zu anderen Zeiten. Bei einem solcherart verschobenen Tag-Nacht.Rhythmus ist dann ein Termin um 13.15 Uhr ein „früher“, für den ich mir den Wecker stellen muss. Um trotzdem gut in Tag zu kommen mindestens eineinhalb Stunden früher.

Heute hatte ich einen solchen frühen Termin, anschließend noch ein Zug durch die Stadt für verschiedene Besorgungen und schon ist es zu spät für einen kleinen Nachmittagsschlaf. Folglich beginne ich jetzt, es ist 21.00 Uhr, abzubauen, wohlwissend, dass es keinerlei Sinn ergibt, jetzt ins Bett zu gehen, weil ich ohnehin eine Stunde später wieder wach wäre, und das dann bis drei Uhr in der Nacht, mindestens. Schlechte Voraussetzungen für morgen, ein Tag, an dem ich ebenfalls früh aufstehen muss, um pünktlich zu einer Verabredung zu sein (von der Ihr dann morgen lest).

Und jetzt einen guten schlechten Film mit unsinnigen Explosionen und exotisch-gewaltsamen Todesarten, was mensch eben so braucht, um zur Ruhe zu kommen.