Manchmal ist es gut, wenn mensch darüber spricht. Oder schreibt. Gelegentlich frage ich mich (und wurde auch schon von anderen gefragt), warum ich eigentlich blogge. Die Antwort lautet: Aus ähnlichen Gründen, warum ich auch begann, Tagebuch zu schreiben. Schreiben ist eine etwas validere Art zu denken. Schreiben ist weniger experimentel als denken, oder anders ausgedrückt, der experimentelle Teil des Denkens findet vor der Niederschrift statt. Geschriebenes ist ein Endprodukt, oft genug nur vorläufig, dennoch. Niedergeschriebenes möchte ich vertreten können, idealerweise auch noch in einem Jahr. Bei „nur Gedachtem“ bin ich oft selbt noch unklar, wohin das – zuendededacht – führen könnte.
Durch diese subjektiv höhere Validität des Geschriebenen erhöht sich auch der Druck, eventuell notwendige Konsequenzen aus dem Gedachten zu ziehen. Das ist nicht immer angenehm und ich erinnere Dinge, die aufzuschreiben ich lange gezögert habe, einfach weil ich sie nicht auf diese gültige Art und Weise „in die Welt schreiben“ wollte. Ich wollte sie nicht wahrhaben; Unaufgeschriebenes ist im besten Fall im Vorhof der (immer subjektiven) Wahrheit.
In den positiveren Fällen ist eine niedergeschriebene Erkenntnis ein Aufruf zur Aktion. Konsequenzen wollen gezogen, Vorsätze umgesetzt oder Abhilfen geschaffen werden. Weil, wenn’s doch wahr ist …, ich meine, wenn’s da sogar steht …, also irgendwas sollte doch ghen.
Wie ich drauf komme, gerade jetzt? Nun, ich habe gestern ja von der „Reibung“ berichtet, unter der gerade meine Morgenroutine und besonders der kreative Teil derselben leidet. Und dass ich dem besondere Aufmerksamkeit schenken muss. Hmm, wenn’s doch wahr ist und da sogar steht … .
Kurz, ich habe heute mit gutem Erfolg etwas an meiner Morgenroutine geändert. Eine sehr kleine Veränderung, es genügte, die Bestandteile der Routine in eine andere Reihenfolge zu bringen, was sofort eine andere Dynamik in den Tagesbeginn brachte. Der Teil am Tablet kam ans Ende (mit der Option auszufallen), stattdessen begann ich mit dem Stift-und-Journal-Teil. Einer von mehreren Vorteilen, Stift und Journal lassen sich sehr viel besser in der Sonne auf der Terasse verwenden, als es das Tablet tut. Da kommt unerwartet noch viel mehr für einen guten Tagesstart zusammen.
Und weil das jetzt niedergeschrieben ist, mithin hohe subjektive – wenn auch vorläufige – Gültigkeit besitzt, werde ich das morgen wohl wieder so tun.
