Heute morgen bemerke ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung in der spiegelnden Scheibe des gegenüberstehenden Bauwagens. Und wie das so ist, wenn wir etwas gespiegelt bekommen, wir sind nicht immer froh damit. So auch in diesem Fall. Ein Teil der Plane, die das Dome-Dach bildet, flattert im Wind. Dass sie locker ist, weiß ich schon lange. Ich habe sie sogar schon einmal provisorisch mit ein paar Klebebandpunkten am Flattern gehindert, damit ich entsprechendes Reparaturmaterial besorgen und die Reparatur zu einem späteren, besseren Zeitpunkt ausführen könnte. Wir wissen, es gibt kaum etwas Beständigeres als Provisorien.
Die Verschleppung dieser notwendigen Reparatur ist eine Mischung aus Vergesslichkeit und Verdrängung. Seit dem ich vom Dach gefallen bin (mit allen unerfreulichen Konsequenzen daraus), gehe ich nicht mehr gerne darauf. Die Stellen, die jetzt aufgehen, sind genau die, die ich nach meinem Unfall noch aufführen musste, um dass angefangene Dach fertigzustellen. Mir war nicht wohl auf dem Dach, die Verarbeitungstemperatur des Klebers war gerade so eingehalten und vermutlich arbeitete ich einfach schlecht.
Heute muss ich bemerken, dass nicht etwa eine wundersame Selbstheilung stattgefunden hat, sondern alles noch schlimmer geworden ist. Vor allem aber: es besteht dringender Handlungsbedarf, so einer von der unaufschiebbaren Sorte. Ich muss auf’s Dach und das Ganze wenigstens provisorisch (siehe oben) mit ein paar Klebepunkten fixieren, bis ich es richtig machen kann.
Von der Dome-Spitze hängt noch immer und absichtlich das Sicherungsseil herunter – vermutlich lebt darauf und darin noch viel mehr als nur das sichtbare Laubmoos -, das dennoch funktionstüchtig ist. Ich ziehe mir also das Sicherungsgeschirr an und steige ungefrühstückt aufs Dach. Die gute Nachricht ist: ich fühle mich sicher, anscheinend habe ich meine Ängste in Bezug auf die Dacharbeiten verloren. Es gibt sie also doch, die wundersame Selbstheilung. Die schlechte Nachricht: bei nahem betrachtet sieht alles noch viel schlechter aus und die Reparatur wird aufwändiger, als ich mir das wünsche. Und vor allem: un-aus-weich-lich!
Aber heute wird daran und dafür nichts mehr geschehen. Im Zusammenhang mit der Reparatur gilt es, einen Zielkonflikt aufzulösen oder irgendwie damit umzugehen. Neben der schlechten Arbeit gibt es einen zweiten, physikalischen Faktor, der das Aufreißen begünstigt. Die Plane zieht sich im Winter wegen der Kälte zusammen und gibt Spannung auf die Klebenähte. Im Idealfall halten auch die schwächsten davon dieser Spannung stand, andernfalls reißen sie auf. Folglich, Ziel Eins, würde ich gerne im Winter kleben, wenn die Plane maximal zusammengezogen ist, damit Spannung gar nicht erst entstehen kann (und mit den Falten, die es dann bei sommerlicher Ausdehnung gäbe, könnte ich leben). Andererseits, Ziel Zwei, würde ich gerne im Sommer arbeiten, weil der Kleber eine Mindestverarbeitungstemperatur von fünf Grad hat, alles darüber aber deutlich hilft (die anderen, guten Nähte beweisen das auch, sie wurden bei sommerlichen Temperaturen und Sonnenschein ausgeführt). Der Kompromis liegt irgendwo dazwischen. Vermutlich irgendwo im Frühsommer, also schon ganz bald. Hmm …