25514 bis 25518 sind eine lange und möglicherweise unnötige Vorrede zu diesem Beitrag. Ich glaube, ich wollte zeigen, dass Beiträge wie dieser nicht aus dem Nichts heraus entstehen.
Die drei Beiträge so kurz wie möglich zusammengefasst: Künstlich-intelligente Videogenerierung ist jetzt soweit, dass es einem Autor gelingt, innerhalb von 2 Monaten eine qualitativ ausreichende, 55-minütige Episode von Doctor Who zu erstellen. Kollisionen mit dem Urheberrecht sind möglich, bisher gibt es aber keine Reaktionen der Rechteinhaber. Die Fans sind uneins darüber, ob sie die Episode mögen oder nicht.
Ich habe Euch Spekulationen versprochen, aber ist es eine Spekulation zu sagen, dass alles, was uns im Moment an KI-generierten Videoinhalten nicht gefällt, in einer nicht allzu fernen Zukunft – vermutlich eher einer unerwartet nahen Zukunft – als Problem gelöst sein wird? Ich glaube nicht.
Wirklich spekulativ wird es bei den geschätzten Kosten für das Projekt, die Schätzungen für die benötigte Hardware liegen zwischen 6.000,– und 12.000,– Euro, die Stromkosten für die Generierung lägen bei maximal 200,– Euro.
Meint: früher oder später, also früher, generiert oder verändert jeder, der über die entsprechenden Fähigkeiten und das entsprechen Engagement verfügt, Videoinhalte. Eher später und die entsprechende Neigung vorausgesetzt machen wir das dann auch zuhause.
Und mit dieser Setzung sind wir endlich dort angekommen, wo ich hin wollte. Wenn jeder beliebig lange Videoinhalte erstellen oder verändern kann, wird es neben vielen interessanten und legalen Inhalten auch solche geben, die mit dem Urheberrecht kollidieren. Sollten diese illegalen Produktionen auf Interesse stoßen, werden sie auch veröffentlicht, und zwar auf genau den Plattformen, die im Moment illegales Video-Streaming anbieten.
Um das zu verdeutlichen: Der erwähnte Fanfilm, die erste Episode der Unmade Season, bleibt von einem Rechtsstreit verschont, weil – spekulativ – die BBC ersteinmal schauen möchte, wie sich das Projekt entwickelt. Außerdem Pastiche und so, alles sehr ungewiß. Aber: mit jeder weiteren Folge entfernt sich das Projekt von seinem Fanfilm-Status hin zu einem tragfähigen Geschäftsmodell. Schon jetzt darf plausibel davon ausgegangen werden, dass das Projekt seine Kosten eingespielt hat. Je erfolgreicher das Projekt ist, umso mehr wird es zu einem Konkurrenzprodukt.
In der besten aller kapitalistischen Welten versteht der BBC die Produktion als eine Bewerbung auf Steroiden, kauft sich den Autor und lässt ihn machen. Denn die vorgelegte Episode spiegelt den Geist von Doctor Who sehr viel besser, als die von Disney produzierten Episoden. Ob dann mit oder ohne KI produziert wird, sei dahingestellt. Ich vermute mit, denn das ist das, was die großen Player wollen, Geld sparen und mit KI produzieren.
Wahrscheinlicher aber spekulativ kommt es zum Rechtsstreit und dem Autor wird die verdiente Einkommesquelle genommen. Kurz darauf werden anonym neue Folgen auf der Plattform Wir-streamen-alles.to veröffentlicht. Davor und vielleicht auch mittendrin Werbung für Glücksspiel und Pornoseiten, was halt Geld bringt, ich bin da nicht so drin.
Um den qualitativen Sprung des Geschehens zu benennen: dort, wo bisher nur die Rechte an einzelnen Filmen, Episoden oder Serien enteignet wurden, wird nun – ermöglicht durch die Verbilligung und Verallgemeinerung der Produktionsmittel – eine ganze Produktionslinie kopiert. Oder wie es, leicht hinkend, Mackie Messer ausdrückte: Was ist das Berauben einer Bank gegen ihre Gründung?
Zu unwahrscheinlich? Dann hört Euch das an, im Nachbaruniversum hat das dortige Marvel den in Ungnade gefallenen Schauspieler Jonathan Major im bereits gedrehten Material durch einen KI-generierten Ersatz ausgetauscht und konnte mit den auf viele Jahre angelegten Handlungsbögen fortfahren.
Hier in meinem Universum, aber erst in ein paar Jahren, kann ich mit wenigen Anweisungen den ersten Hulk-Film korrigieren, in dem Hulk erst- und einmalig von Edward Norton gespielt wurde. Jetzt sieht er aus wie Mark Ruffalo, der ihn in allen späteren Marvel-Filmen gespielt hat. Das ist genau die Sorte Konsistenz, die ich brauche.
In meiner Filmothek habe ich Blade Runner das gleiche Ende wie im Buch verpasst und in Shinning stirbt Jack Torrance wie im Buch bei einer Heizungsexplosion (statt in diesem verschneiten Labyrinth – obwohl das auch was hatte).
Und dann die schwedischen Krimiserien, die ich überhaupt erst anschauen kann, seit es möglich ist, sie mit wenigen Befehlen von ihrem plörrigen grün-braunen Farbschema zu befreien. Mensch muss da vorsichtig sein; wenn die aussehen, als spielten sie in Florida, passt das auch nicht mehr so gut.
Währenddessen hat der Autor der Unmade Season einen legalen Weg gefunden, seine Inhalte auszuspielen. Er liefert eine Rohfassung der Episoden aus, in denen ein uns unbekannter Hausarzt in einem Pixi-Klo durch Parallellwelten reist. Damit ist er Doctor Who so nah, wie er sein darf, ohne Doctor Who zu sein. Und wenn diese Fassung dann bei mir ankommt gehe ich ins entsprechende Forum und besorge mir einen besonders langen Prompt (Anweisung an die Video-KI). Zwanzig Bearbeitungssekunden später sieht der Hausarzt dann wie der 20. Doctor aus und das Pixi-Klo wie die Tardis, statt durch Parallellwelten wird durch die Zeit gereist und – falls ich die englische Version gewählt habe – alle Alliens sprechen mit britischem Akzent. So soll das sein.
Soweit es mich betrifft, ich freu‘ mich drauf.
