Manchmal weiß ich recht genau, warum ich mich vor einer bestimmten Aufgabe drücke. Und manchmal werden solche Aufgaben dann unaufschiebbar. So auch heute die Geschichte mit dem Passfoto für die AOK-Versichertenkarte. In der Vergangenheit hat die AOK mich mehrfach angeschrieben, um ein neues Passfoto für die zu verlängernde Karte anzufordern. Hätte sie schnell und unkompliziert haben können, wenn sie nicht ein „amtliches“ Foto angefordert hätte, meint: eines, dass den Anforderungen für Passotos im Personalausweis erfüllt. Die Idee, für ein AOK-Kärtchen zum Fotografen zu sollen, empfand ich als Zumutung und schob die Geschichte erstmal auf.
Gestern dann versagte die Karte erstmals ihren Dienst, als sie ausgelesen werden sollte. Das hätte sie wenigstens bis Dezember dieses Jahres nicht tun sollen. Wie auch immer, das Passfoto wurde nun dringend und der Fotograf war noch immer keine Option. Was aber auch nicht notwendig wurde, denn ein gut ausgeleuchtetes Selfie bei Tageslicht lässt sich vergleichsweise schnell mit der Hilfe eines Fotogenerators in ein amtliches Passbild verwandeln. Das ist noch nichts, wovor ich mich drücken würde.
Was ich gerne vermieden hätte, war das Ausdrucken. Weil ich die unsinnige Idee hatte, das müsste – wenn mensch es einmal verstanden hat – auf einfache Weise vom Tablet aus zu erledigen sein. Immerhin haben die Hersteller des Tablets und des Druckers jeweils eigene Apps dafür mitgeliefert, oder? Leider nicht genau dafür, die wichtigsten Standardaufgaben und -formate werden unterstützt, aber die Aufgabe, ein Foto unbekannter Auflösung in einer bestimmten Größe (hier 10×15 cm, die Größe der Fotokarten, wie mensch sie vom Fotografen mitbekommt) konnten beide Apps nicht erledigen. Bis ich das glauben, sprich verifizieren konnte, verging sehr, sehr viel Zeit. Etwas weniger, aber immer noch viel zu viel Zeit verging damit, nach einer App zu suchen, mit der ich das dennoch erledigen könnte. Denn mittlerweile ging es „um die Ehre“, ein Foto mit dem USB-Stick zum Drucker tragen, skalieren und ausdrucken, das kann ja jeder.
Ab hier kürze ich ab, denn wer erzählt schon gerne Misserfolgsgeschichten (okay, ich anscheinend, wenn mensch bedenkt, wie lange dieser Text schon ist)? Kurz und unter Auslassung aller technischen Einzelheiten: ich habe keinen Weg gefunden, das Foto auf dem Tablet zu skalieren und an den Drucker zu schicken. Irgendwann gab ich auf, genervt und geschlagen.
Also das Bild auf den USB-Stick gezogen, denn ein Foto mit dem USB-Stick zum Drucker tragen, skalieren und ausdrucken, das kann ja jeder. Also außer mir. Vielleicht weil ich zu genervt war, vielleicht weil die Option sich zu gut verbirgt, vielleicht weil die Druckersoftware es wirklich nicht hergibt, ich musste auch hier aufgeben.
Wie gerne hätte ich etwas Neues gelernt, war leider nicht! Denn ganz zum Schluß kehrte ich reuevoll zu meinen PC zurück, öffnete das Foto in meinem längst veralteten Bildbetrachtungs- und -bearbeitungsprogramm, ging auf [Drucken …], gab in der Maske die gewünschte Größe in Zentimetern ein und druckte aus. Einfach so! Wahnsinn!
Nur um den Bogen zum Anfang zu schlagen, ich wußte, dass sich der Ausdruck schwierig gestalten würde, war aber davon überzeugt, dass es irgendwie machbar sei. Und ich hatte wenig Lust auf Software-Gefrickel, weswegen ich die Sache lange aufschob, nur um dann umso verbissener dran zu bleiben. Als das Bild aus dem Drucker fiel war es halb fünf am Nachmittag. Gebt Euch das, über dem Ausdruck eines Passfotos ist ein ganzer Tag vergangen. Manchmal übertrifft das Leben sogar die eigenen Unheils-Erwartungen.
