Gestern dreimal mit dem Fahrrad nach Gießen hinein und wieder hinaus gefahren zu sein, hat mich doch sehr müde gemacht. Deswegen heute lange ausgeschlafen, etwas, das immer seltener geschieht. Ich trödele mich in den Tag und das erste, das entfernt den Eindruck von Produktivität erwecken könnte, ist der Versuch, ein fehlerhaftes 3D-Objekt meines Bruders zu fixen (Ihr wisst schon, 3D-Druck und so). Leider komme ich nicht darüber hinaus, den Fehler zu identifizieren. Ihn zu beheben würde mich mehr Zeit kosten, als ich bereit bin zu investieren.
Gerade als ich mich hinsetze, um ihm kurz über meine Erkenntnisse zu berichten, beginnt eine Reihe von eingehenden Nachrichten, mich nachhaltig abzulenken. Drei davon erwarten eine Rückantwort, zwei erfordern zusätlich einen Eintrag im Kalender. Für kurze Zeit halte ich fünf metaphorische Bälle in der Luft, während ich gleichzeitig versuche, einen unerwartetet dazwischenkommenden Anruf angemessen aufmerksam zu führen.
Bezogen auf die bevorstehende Reise ist davon nur eine Nachricht. Die Vermieterin der Unterkunft fragt die Informationen aus irgendeinem zwingend auszufüllenden Formulat an, weil … . Auch egal, ich schreibe zurück, dass ich das Formular bereits ausgefüllt habe und eineinhalb Stunden später entschuldigt sie sich, ihr Fehler und sorry. Kann passieren, aber dennoch war ich eineinhalb Stunden lang unruhig.
Während dieser eineinhalb Stunden habe ich alle Bälle wieder sicher in der Hand und schon einen Teil der Reisekleidung zur Reisetasche gelegt. Es folgt etwas, das ebensosehr Reisevorbereitung und Aufräumen ist, wie es das auch nicht ist. Ich klebe Schnipsel, aufgehobene A5-Seiten, und Briefmarken mehr oder weniger willkürlich in ein Altered Book, das ich mit nach Lissabon nehmen möchte, um auch dort damit zu werken.
Ich notiere kurz, was heute war und – schwups – ist es draußen dunkel. Seltsames Phänomen. Vielleicht ein Zeitloch.
