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Samstag. Die Garderobe ist jetzt so, wie ich sie mir ungefähr vorgestellt habe.

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Und abends Karaoke im Nachtlicht. Leider fangen die Bilder die Atmosphere dort nicht ein. Den Menschen geht es richtig gut und die Singerei macht so viel Spass, wie sie ohne alkoholbedingte Ausfälle machen kann. Also viel, vielleicht sogar viel mehr.

25355 – Ein Meilenstein

Heute ist die linke Kammerwand „fertig“ geworden und damit ist ein Meilenstein erreicht, der größer kaum sein könnte. Mit dieser Kammer ist der letzte Stauraum erstellt, es kann nun ans Einräumen gehen. Denn – auch wenn ich nun schon über fünf Monate im Dome wohne – noch immer sind die Vitrine, die Kommode, die Apotherkerschränke, selbst der Küchenschrank noch nicht eingeräumt. Es gibt vorsichtige Anfänge, dort, wo es eindeutig ist. Oder dort, wo es für den Alltagsvollzug unabdingbar ist. Aber zu drei Viertel sind die Schränke und Stauräume noch leer.

Was ein beachtenswerter Fakt ist, denn es bedeutet, dass ich alles, was nun in die Schränke kommen wird, für einen beachtlichen Zeitraum nicht für mein tägliches Leben und nicht für meine Zufriedenheit gebraucht habe. Meint mehr als die Hälfte der Dinge, die ich besitze (oder besitzen werde, nach dem Einräumen) sind Vorräte oder anderes Zeug, das auf die Gelegenheit wartet, benutzt zu werden.

Und natürlich all die Dinge mit „emotionalem Wert“, ich bin eine Schlange, die ihre alten Häute sammelt. Keine Frage, ich werde das fortsetzen, mit Glück und Bemühung wird es gelingen, den Umfang der Dinge zu reduzieren.

Die Vorbereitungen für „das große Einräumen“ werden noch einige Tage in Anspruch nehmen. Ersteinmal will aufgeräumt werden und auch die erste Grundreinigung ist dran (mit Fenster putzen und Staub wischen und ganz viel anderen sauberkeitsbezogenen Tätigkeiten, die mir im Alltagsvollzug niemals einfallen), nennen wir es Frühjahrsputz.

So ist das mit den Meilensteinen, kurz drauf sitzen und rasten, schon das nächste Stück Wegstrecke im Kopf, und weiter geht’s.

25354 – Gesundheitsupdate

Heute der „Check up“ durch die Hausärztin. Bei dem nicht mehr herauskam als ich ohnehin schon wusste, ich bin so gesund, wie es bei der Vorgeschichte nur möglich ist. Alle Werte okay, beweglich genug, mit dem Stetoskop hört sich alles zu Hörende gut an. Wir sind zufrieden, die Hausärztin und ich.

Ganz ähnlich vor wenigen Wochen schon die Krebsnachsorge, auch dort alles im grünen Bereich. Wobei sich Prostata und Blase doch deutlich anders verhalten, als das in jungen Jahren der Fall war.  Mein Urologe hält es für eine gute Nachricht, dass ab jetzt keine der beklagten Beschwerden schlimmer werden wird.

Wie bei Menschen meines Alters üblich, folgt aus einem Arzttermin mindestens ein zweiter, gerne auch mehr. Ich bekomme – „damit Sie dran denken“ – Überweisungen zu Hautarzt und Proktologe für die jeweiligen Vorsorgeuntersuchungen. Darüber hinaus wird meine Tetanusimpfung aufgefrischt und endlich gibt es auch die Impfung gegen Borreliose, die einzige Impfung, von deren Notwendigkeit ich aufgrund der Häufigkeit, mit der ich Zecken an mir finde, überzeugt bin. Und so komme ich mit allerlei gesundheitsbezogenen Arbeitsaufträgen aus dem Check up.

Scheiß gut, unser Gesundheitssystem, immer noch.

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Eine Nacht später: Kaum erwähnt, schon da. Ich habe die erste Zecke an der Wade entfernen müssen.

25353 – Zu viele Winkel

Als ich mit dem Domebau begann dachte ich, die Lust an beliebig-winkligen Übergängen und deren Ausarbeitung verginge mir nie. Wenn ich einmal keine Lust darauf hätte, würde ich die Arbeit daran sein lassen,  und warten, bis sie wiederkäme, die Lust. So wie andere zum Vergnügen Kreuzworträtsel lösen oder Puzzles legen würde ich Winkel schneiden, so mein Gedanke.

Naja, mensch soll nicht alles glauben, was mensch denkt. Manches ist einfach falsch, anderes stimmt nur die Hälfte der Zeit. Die Lust am Winkelschneiden zum Beispiel ist stark tagesformabhängig und verträgt sich schlecht mit irgendwelchen Ideen von Schnell-fertig-werden oder  Das-soll-richtig-gut-werden. Kommt hinzu, dass der Grat zwischen Anregung und Überforderung schmal ist. Und, spätestens ab drei Winkeln, die nicht-rechtwinklig aufeinanderstoßen wird die Geschichte für mich zu komples, um sie „einfach“ abzumessen und zuzuschneiden. Da ist dann nur die schrittweise Annäherung möglich und ich laufe viel zwischen der Kreissäge und der Baustelle hin und her.

Heute war ich gegen Ende der Arbeit etwas in der Überforderung, selbst das Abmessen für die erste Annäherung fiel mir schwer, und als ich beschließe aufzuhören und endlich sitze bemerke ich auch eine leichte Erschöpfung. Das soll keine Klage sein, es ist einfach eine Zustandsbeschreibung. Alles okay mit dieser Erschöpfung, dem Tag fehlt nur das selbstzufriedene Sich-auf- die-Schulter-klopfen.