Gesammelte Trivialitäten (6)

15.9.2024, Sonntag
Tag 4 der Dachaktion des Wohnprojekts, viel Gewusel nicht nur auf dem Dach. D. arbeitet an der Duschkabine, C&W zerlegen einen abbruchreifen Bauwagen, zwischendrin wird sogar mal die Wiese vorm G-Raum gemäht. Die Sonne scheint bei angenehmen Temperaturen, Getränke und Gebäck wird gereicht. Gearbeitet wird bis vier, bis alles Werkzeug wieder bei seinen Besitzern und die Toilette – unter dem nun nicht mehr vorhandenem Dach – wieder begehbar ist, wird es halb fünf, gefühlt sogar etwas später. Dann sitzen wir noch etwas beisammen und lassen den Tag ausklingen.

Während des ganzen Tages begleitet mich eine kleine Sorge um A., die ich auf allen mir bekannten Kanälen nicht erreichen kann. Wir wollen morgen frühstücken gehen und mir geht es um die Feinabstimmung. Ab nachmittags bin ich wirklich beunruhigt, versuche es bei ihrer Familie, die ich auch nicht erreiche. Da sie unmittelbar zuvor gemeinsam in Urlaub waren, könnte auch dort etwas geschehen sein. Ich bin eigentlich nicht der besorgte Typ, aber A. nicht zu erreichen, ist in 10 gemeinsamen Jahren nicht passiert. Die Auflösung, als sie sich dann am Abend meldet, ist banal. Sie hat ihrem Neffen ganztägig bei der Renovierung geholfen und der wohnt im Funkloch. So einfach. Ich wundere mich etwas über meine Sorge.

16.9.2024, Montag
Ich treffe A. im Frühstückscafé unserer Wahl, da wir uns länger nicht gesehen haben, gibt es viel zu erzählen. Neben vielem Anderen berichtet sie vom Urlaub mit der Restherkunftsamilie und ich von Tini. Nach Rückfrage, denn vielleicht ist die Ex-Partnerin ja nicht die beste Stelle, um von neuem Glück zu erzählen (Für neue Leser: A. und ich waren lange zusammen, sie ist die unmittelbare Vorgängerin von Tini, auch wenn für beide dreieinhalb unverpartnerte Jahre dazwischen liegen.).  Aber es scheint die richtige Stelle zu sein, A. möchte davon hören und freut sich aufrichtig mit mir. Ich bin sehr froh darüber.

Es ist bemerkenswert, wie sehr Kinder und Ex-Partner von Tini und mir bedacht werden. Uns liegt viel an deren …, Zustimmung …, Einverständnis …, beides trifft es nicht genau. Vielleicht ist es der Wunsch, dass sich die neue Beziehung harmonisch in die alten stützenden Strukturen einfügt. Möge dieses wunderbare Neue bitte nicht zuviel Unordnung in das Bestehende bringen. So vielleicht.

Und auch umgekehrt: Mögen die vertrauten bestehenden Beziehungen bitte nicht zuviel Unruhe in das Entstehend-Neue tragen. Wir wollen mehr des Guten, nicht weniger. Wie’s aussieht könnte das gelingen.

<O>

Mehr nebenbei zu erwähnen ist die Sehstärkenvermessung beim Optiker. Leider musste es dabei bleiben, da ich das Gestell für die Lesebrille vergessen hatte und irgendeine Rabattoption nur funktioniert, wenn Gleitsicht- und Lesebrille gemeinsam beauftragt werden. Demnächst also nochmal hin.

17.9.2024, Dienstag
Spät aufgestanden und näherungsweise direkt zu Tini; es geht uns gut.

18.9.2024, Mittwoch
Wach geworden, als Tini schon im Aufbruch ist. Ich verbringe den Rest des Morgens im Bett mit meinem neuen Tablet, sitze später auch noch einen ausgedehnten Moment auf der Terasse in der Sonne und bin sehr zufrieden.

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Wieder zuhause geschieht auch nicht mehr viel. Die meiste Zeit verbringe ich mit dem Tablet, zwischendrin ein Nachmittagsschlaf.

19.9.2024, Donnerstag
Vormittags eine Kleinigkeit am Dome, am Abend noch eine. Dazwischen in der Stadt gewesen und endlich den Brillenkauf zu einem definitiven Ende gebracht, ab jetzt nur noch warten, zahlen, tragen.

Soweit das Nützliche, angenehm damit verbunden ein Kurzbesuch in Tinis Laden und auch der Bibliotheksbesuch zählt zu den entspannten Momenten. Die Themen der Bücher, die ich heraustrage sind da schon fordernder: Ernährung, Seniorensport, Yoga. Vermutlich muss ich darauf achten, nach der Lektüre nicht zu viel von mir zu wollen. Aber auch nicht zuwenig!

Zu Beginn der Diät hatte ich mir verschiedenen Übungen notiert, mir ein kleines Bewegungsprogramm zusammengestellt, und diese Übungen auch sehr regelmässig heruntergeturnt. Mit dem Wochenenende und den beiden Tagen auf dem Dach hatte ich dann anderweitig genug Bewegung, um ein Aussetzen der Übungen zu rechtfertigen. Der Montag gibt dann trotz des ausgedehnten Stadtgangs eine Rechtfertigung nicht mehr so recht her. Und auch am Dienstagmorgen wären ein paar Übungen noch drin gewesen, Mittwoch definitiv. Erst heute, nach fünf ausgesetzten Tagen, wieder mit den Übungen begonnen. Kurz, diese Bewegungsgeschichten brauchen mehr Aufmerksamkeit. Ich bin dran.

20.9.2024, Freitag
Ein typischer Tag zuhause. Es geschehen Kleinigkeiten, viele davon nur um den Status Quo aufrecht zu erhalten. Eine der Kleinigkeiten sticht bei näherer Betrachtung allerdings heraus, denn es ist die letzte (!) an der Fensterfront, die ich nun als abgeschlossen betrachte. Am Abend noch ein Bild gemacht und in das Bautagebuch eingefügt, fertig.

Selbst das Machen des Dokufotos wird dokumentiert, so muss das sein.

Es dämmert schon als Tini abends aus dem Laden kommt und es ist kühl genug, die Sitzplätze im Erker der Terasse vorzuziehen. Wir erzählen uns gegenseitig den Tag und vieles mehr, nebenbei freue ich mich auf die Zeit nach der Diät, wenn wir solche Gespräche mit einem Abendessen aufwerten können. Ich stelle mir die Szene in ihrer Alltäglichkeit vor, zwei Menschen sitzen beim Abendessen und erzählen sich etwas, und ich mag das sehr.

21.9.2024, Samstag
Morgens auf die Waage und mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Nach drei Wochen und drei Tagen habe ich rund fünfeinhalb Kilo verloren.

Das ist ein sehr viel besseres Ergebenis, als ich anfänglich erwartet habe und hat sich eher zufällig entwickelt. Es geschieht oft, dass ich den Moment für die letzte Mahlzeit verpasse. Zuerst schiebe ich das Abendessen soweit wie möglich nach hinten und dann ist es plötzlich so spät, dass essen sich auch nicht mehr lohnt. Auf diese Weise komme ich an vielen Tagen nicht auf die anvisierten tausend (Kilo)Kalorien, gerade habe ich mal den Durchschnitt der letzten drei Wochen gebildet und komme auf 637 (Kilo)Kalorien täglich.

<O>

Morgens kommt Mitbewohner D. zu meiner Tür und fragt, ob für heute eine Dachaktion geplant sei. Nein, eigentlich nicht. Aber ich hatte ohnehin vor, eine Kleinigkeit für das nächste gemeinsame Tun vorzubereiten und so ergreife ich die Gelegenheit, einen Mitstreiter auf der Baustelle zu haben, und wir setzen in den nächsten Stunden drei Dachsparren in das Loch, das unser Dach ist.

Ab dem späten Nachmittag sind Tini und ich bei E&D auf dem Wochenendgrundstück. Dort gibt es ein großes Fest zur Tag- und Nachtgleiche, außerdem hatte D. Geburtstag. Es versammeln sich im Wesentlichen die Menschen, die in der Regel auch auf den Festen von Nachbarin C. erscheinen, oder die schon auf dem Mind-On-Fire waren. Es ist, wie es immer ist; B. macht die Musik und der Gastgeber ein großes Feuer, mit der Anzahl der Gäste wächst auch das Buffet, es wird getanzt und gelacht und viel geredet in wechselnden Kleingruppen. Nebenbei – und nur der Vollständigkeit halber – entwickelt sich unter mir lieben Menschen ein kleines persönliches Drama, das hier nur erwähnt, aber nicht beschrieben werden soll. Auch das Lagerfeuerlicht wirft manchmal harte Schatten.

22.9.2024, Sonntag
Ein trödeliger Sonntag nach einem langen Fest. Die Sonne scheint, möglicherweise ein letztes Mal bevor der Herbst jetzt wirklich-wirklich kommt. Auf dem Grundstück ist mehr oder weniger die gleiche Besetzung wie gestern Abend, die meisten sind mit WoMo oder Camper angereist, haben lange gefeiert, getrunken und dann in den jeweiligen Gehäusen geschlafen. Morgens kommen sie langsam wieder zu sich, manche unterstützen diesen Prozeß, indem sie Sekt trinken, andere räumen auf, spülen oder bauen die Beleuchtung ab. Auf den ganzen Gelände finden sich immer mal wieder kleine Gruppen vor den WoMos im Gespräch. Und natürlich auch auf der Terasse, wieder wird gesessen, geredet, gegessen, der Tag vergeht angenehm plaudernd. Gegen vier brechen wir auf und Tini setzt mich zuhause ab.

<O>

Und schon wieder im achten Tag der Woche gelandet, diesmal absichtlich, um die Schilderung des Festes nicht zu unterbrechen. Hier geht der Tag weiter.

Gesammelte Trivialitäten (5)

9.9.2024, Montag
Morgens, wieder alleine, mache ich die Trivia der letzten Woche fertig und stelle sie ein. Und nein, ich plane nicht die Einführung der Acht-Tage-Woche; dass in dieser zurückliegenden „Woche“ acht Tage beschrieben werden, ist meiner  Verpeiltheit geschuldet. Auch in meiner Wiegeliste gibt es eine Ungenauigkeit, die ich nicht mehr aufgelöst bekomme. Irgendwann sind mir die Wochentage und die dazugehörigen Daten verrutscht. Ist ja auch alles nicht so superwichtig, dann machen wir diesmal halt eine 6-Tage-Woche.

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Der Stadtgang ist wenig erfolgreich, die Stadtbibliothek hat montags geschlossen und der Optiker gerade niemand zum Vermessen meiner Augen frei. Ich fahre weiter nach Heuchelheim, dort bekomme ich einen neuen Wasserhahn für die Tauchpumpe, der alte hat sich gestern verabschiedet. Weil ebenfalls defekt und mehrfach geflickt auch gleich einen neuen Schlauch dafür gekauft. Beim Elektronikanbieter vor Ort besichtige ich das Tablet, über dessen Kauf ich mir klar werden möchte. Vom Formfaktor bin ich überzeugt, jetzt muss ich mir nur noch über die Ausstattung Gedanken machen.

Abends noch Hahn und Schlauch eingebaut, die Versorgung mit fließendem Wasser ist jetzt technisch wieder neuwertig. Das als Erfolg des Tages nehmen, der Entropie wurde wirksam entgegengetreten.

10.9.2024, Dienstag
Es hat erstaunlich lange gedauert, bis die Diät „angekommen“ ist. Meint: ich mich in dem Zustand befinde, in dem Essen einen übergroßen Anteil im Denken einnimmt, das Zählen der Kalorien genauer wird, Essensgerüche feiner wahrgenommen werden, Gelüste auftauchen und die Liste all der Speisen wächst, die nach der Diät unbedingt gegessen werden wollen. Heute ist es soweit.

Da ich die Wiege-Tabelle und auch die Nahrungsreduktion schon begonnen habe, als der Entschluss zur Diät noch in der Schwebe war, sind immerhin fast vierzehn Tage vergangen, bis es jetzt beginnt, dem zu ähneln, was ich aus früheren Diäterfahrungen kenne, meint: es mühsamer wird.

Es war ein sanfter Einstieg, der sicher auch durch die heißen Tage und hormonell bedingte Ablenkungen erleichtert wurde. Nun wird es kühler; der Kalender, das Internet und die Meteorologen sind sich einig, dass die heiße Zeit vorbei ist und es auf den Herbst zugeht. Mal sehen, wie das so weitergeht.

<O>

Zur Nachmittagsvorstellung ins Kino Traumstern, der Filmtitel stellt die Frage „Was will der Lama mit dem Gewehr?“ und spätestens als in der Filmmitte die Kamera lange auf der Stupa verweilt, habe ich eine Idee. Vermutlich weil ich Stupas und tibetischen (buthanesischen) Buddhismus betreffend einen kleinen Informationsvorsprung habe, behalte ich am Ende des Films recht. Sehr befriedigend, das.

<O>

Wieder bei Tini zuhause wird üppig gegessen. Erwähnenswert weil dort, anders als bei mir, tatsächlich etwas zubereitet wird, in diesem Fall Mais und Salatdressing. Ich mag das, auch wenn es im Alltag bei mir untergeht.

Und erwähnenswert, weil ich das unproblematisch in meinen tausend Kilokalorien unterbringen kann, da ich den Tag über sehr wenig gegessen habe. Da passt selbst eine doppelte Portion Salat.

Falls Euch das nun eigentlich gar nicht sooo erwähnenswert vorkommt, das habe ich gemeint mit „die Diät ist angekommen“; Essen wird im Denken überwertig.

11.9.2024, Mittwoch
Schlagartig ist es Herbst geworden, vormittags regnet es, ein guter Vorwand hinter dem PC zu verschwinden und …, auch sonst kaum etwas zu tun. Außer Traumstern-Logos herauszusuchen und interne Blogverlinkungen neu anzulegen.

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Ein Frühnachmittagsschlaf startet den Tag diesmal nicht neu. Was mich lose zu einem Gedanken bringt, den ich ohnehin noch irgendwo unterbringen wollte. Eine Abnehm-Aktion wie die hier beschriebene kommt mit einem Preis, und mensch sollte bereit sein, den zu zahlen. Das kann gelegentliche Energielosigkeit sein oder ständiges frieren, Konzentrationsmangel wird ebenfalls gerne genommen. Auch dass der Kopf ständig mit (keiner) Nahrung beschäftigt ist oder mensch Zwängeligkeiten um das Wiegen herum entwickelt, kann ziemlich nerven, sich selbst und andere.

Unabhängig davon, was gerade besonders nervt, wenn es auftritt müssen die Prioritäten klar sein. Nichts darf so viel innere Wichtigkeit erlangen, dass Du Dich selbst davon überzeugst, die Aktion abzubrechen. Etwa aus gesundheitlichen Gründen, weil Du dünnhäutig wirst oder weil Du die Sorge hast, schräg rüberzukommen. Bei Licht besehen – besser: mit vollem Bauch bedacht – hat nichts davon Bestand. Du musst nicht alles glauben, was Du denkst. Zahl den Preis.

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Abends den Traumstern-Beitrag, der ursprünglich Teil dieses Artikels war, erweitert und rückdatiert eingestellt. Passt besser.

12.9.2024, Donnerstag
Zu einer Zeit, zu der ich normalerweise noch schlafe, ein Tablet online bestellt. Lange gewollt, endlich gemacht.

<O>

Stunden später ist seit Monaten, die sich möglicherweise zu Jahren aufaddieren lassen, im Schaufenster (so nenne ich den eingehängten Bereich zwischen den Wagen) die Alltagsfunktionalität wieder hergestellt. Tisch und Stühle sind frei und für Aktivitäten nutzbar. Oder auch um einfach nur dort zu sitzen und hinauszuschauen. Oder daran zu essen, nur damit das nicht vergessen geht.  🙂

Ebenfalls wieder voll nutzbar sind Holzpuppe (die heißt so, obwohl sie aus Plastik ist) und Sandsack (der heißt so, obwohl er mit Lumpen gefüllt ist). Ich assoziiere frei: die Dinge sind nicht ihr Name; der Mond ist nicht der Finger, der auf ihn zeigt. Und bin mit dem Tagesergebnis zufrieden.

Ab jetzt muss ich den Fokus bewußt auf Bewegung umstellen. Mein kleines Trainingsprogramm ist gestern komplett und vorgestern in Teilen ausgefallen. Hat davor aber täglich stattgefunden, auch das mal würdigen. Vermutlich werde ich solange lustlos zwischen PC und Sandsack hin und her wechseln, bis ich durch bin mit allen Übungen.

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Der erwähnenswerte Teil des Tages endet mit einer netten Plauderei. O. hatte sich angekündigt um zwei hier nicht näher zu erläuternde Themen anzusprechen. Beides keine Konfliktthemen, aber gut, wenn mensch mal drüber gesprochen hat. Ich gehe entspannt in den Abend.

13.9.2024, Freitag
Drei Uhr nachmittags, alles erledigt, was ich vom Tag wollte: Etwas im Dome, Zusatzbewegung und wenig gegessen. .

Es gibt diese Tage, an denen es mir schwer fällt, mich zu motivieren. Manchmal, so wie heute, hilft es dann, einen nicht zu engagierten Endpunkt zu definieren und diesen mit folgendem Gedanken zu begleiten: „Es war ein guter Tag, wenn [hier definierten Endpunkt einfügen] erledigt ist.“ Von daher, bis jetzt ist es ein guter Tag.

Abends kommt Tini.

14.9.2024, Samstag
Das Wohnprojekt hat eine Dachaktion am Start, Tag 3 davon.

<O>

Das Tablet wird nachmittags zugestellt. Ich richte es ein und sehe mich kurz darauf um. Da wird noch viel zu entdecken sein.

<O>

Hier geht’s weiter.

 

Gesammelte Trivialitäten (4)

1.9.2024, Sonntag
Mal wieder im Wochenformat. Dass sich, so die Hoffnung, vier Wochen lang fortsetzt. Ich nehme Euch mit durch hungrigen Zeiten, heute ist der erste von 28 Tagen, an denen ich nicht mehr als tausend (Kilo-)Kalorien zu mir nehmen werde. Früher hieß das Brigitte-Diät und so um mein 16. oder 17. Lebensjahr habe ich mich damit schon einmal zu einer recht passablen Figur hingehungert. Um ehrlich zu sein, ich wollte niemals mehr eine Diät machen. Mit den Jahren – denn im Laufe meines Lebens habe ich mehrmals ausgedehnte Diät-Phasen gehabt – fiel die Gewichtsreduktion immer schwerer. Warum also jetzt?

Die Antwort ist zweiteilig und möglicherweise habt ihr beide Teile schon gelesen. Erstens, nachzulesen im „Wannenbad in Budapest„, bin ich schon einige Zeit mit meiner Physis extrem unzufrieden. Aber es gelang mir nicht, diese Unzufriedenheit in jene Art von Energie umzuwandeln, die mich handeln lässt.

Zweitens habe ich mich Mitte letzten Monats massiv verliebt und leide seitdem an mehr als einer Sorte hormonellen Ungleichgewichts. Mit der angenehmen Nebenwirkung, dass ich gerne ein besserer Mensch wäre, ersatzweise auch einfach ein leichterer. Und, wenn wir gerade beim Wünschen sind, auch ein etwas fitterer und beweglicher. Irgendwie hat auch ein verlorener Rucksack mit allem zu tun, der Text, der das beschreiben sollte, wirkt etwas unverbunden und findet seine Tonfall nicht, er kann das Geschehen nicht so erzählen, wie es sich im nichtsprachlichen Teil meines Hirns darstellt. Ein Rucksack geht verloren, in der Folge werden Entscheidungen getroffen, irgendetwas rutscht metaphorisch an seinen Platz, unerwartet wird Unzufriedenheit zur Tatkraft und alles scheint möglich. So ungefähr.

2.9.2024, Montag
Ich starte in den Tag mit der letzten halben Stundes des Films, den ich gestern abend nicht mehr zuende schauen wollte. Ein schmales Frühstück und ab in den Dome. Für das, was anliegt, braucht es kaum Konzentration und das ist gut so. Tini und ich haben in den letzten beiden Tagen viel gesprochen, nicht nur Leichtes. Wir beginnen unsere Päckchen aufzupacken, Teile davon wabern unsortiert im Hirn, werden das wohl noch eine ganze Weile tun.

Kurz nach zwölf ziehe ich mich in den Wagen zurück, vordergründig wegen der Hitze, aber vielleicht ist es auch einfach nur das, ein Rückzugsbedürfnis. Mir fehlt Schlaf und ich fühle mich erschöpft. Nun ist es erklärtes Ziel der kommenden 28 Tage, besser mit mir umzugehen, nicht schlechter. Mein ohnehin geringes Aktivitätslevel beizubehalten ist gerade nicht das Problem, der fehlende Schlaf schon. Ich gehe ins Bett.

Eineinhalb Stunden später kommt der Tag wieder ins Rollen. Und das viel müheloser als zuvor, vieles geschieht am PC, eine kleine ToDo-Liste mit Rechercheaufgaben wird abgearbeitet, am Sandsack frische ich ein paar alte Bewegungsabläufe wieder auf, Emails werden geschrieben, alles fein. Als der Abend beginnt etwas abzukühlen, schließe ich im Dome den morgens begonnenen Arbeitsschritt ab.

3.9.2024, Dienstag
Schon lange nicht mehr so viel gefühlt. Nicht nur Schönes, meine Unsicherheit produziert ganz nebenbei mehr Ängste und Sorgen als mir gut tut. Andererseits ist da auch viel Zuversicht. Und Antrieb, von dem ich noch unsicher bin, ob er durchbricht; mir ist, als könnte ich beliebige Fähigkeiten aus meiner Vergangenheit einfach wiederbeleben.

Es fällt mir noch schwer zu differenzieren, was in dieser Herumfühlerei woher kommt. Verliebtheit, Nahrungsmangel und Eindrücke aus den Gesprächen mit Tini, da wirkt vieles zusammen, was vielleicht nicht zusammen gehört.

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12.20 Uhr, ein kritischer Arbeisschritt im Dome ist bewältigt, ich ziehe mich in den Wagen zurück, um den Rest des Tages zu strukturieren. Ungewöhnlich genug, aber der braucht das, dieser Tag. Nachmittags einen Termin beim Hausarzt, der vorbereitet sein will, davor verschiedene Gänge in der Stadt, auch solche, deren Dauer schlecht einzuschätzen ist. Der Optiker zum Beispiel, immer wieder überraschend, wieviel Zeit man dort verbringen kann. Ein Lebensmitteleinkauf steht an, okay, der muss ans Ende der Liste. Wißt Ihr was, ich geh‘ da jetzt mal dran.

<O>

Furchtbar wie die Welt sich ständig verändert, da will man eiinmaahl in den Mediamarkt, und dann ist der schon drei Wochen vorher an einen anderen Standort umgezogen. Etwas später: Rossmann ist auch nicht mehr da (später in der Woche versichern mir Menschen meines Vertrauens glaubwürdig, Rossman sei durchaus „ungefähr dort“, wo ich ihn gesucht habe). Ansonsten alles erwartungsgemäß, gut so.

<O>

Der Arzttermin war das eigentlich Interessante. Es handelte sich um einen Kontrolltermin wegen einer Dosiserhöhung. Unter Auslassung medizinischer Details und auftretender Nebenwirkungen: ich bin zufrieden mit der vorgenommenen Medikamentenumstellung auch eines aktuellen Medikaments.

Meine sehr aktuelle Frage, wieviel Sport ich auf welchem Leistungsniveau noch treiben sollte, blieb unbeantwortet. Dafür gab es den Hinweis auf „coronare Sportgruppen“, die es wohl auf Rezept zu besuchen gibt. Die Leiter seien Mediziner und im Fall der Fälle stünde eine Notfallversorgung bereit. Der Besuch sei aber vorher mit der Herz-Ambulanz abzuklären, das als Hausaufgabe.

4.9.2024, Mittwoch
Früh aufgestanden und zwischen neun und zehn erstmal im eigenen Blog hängengeblieben. Ich les‘ mich wirklich gerne! Selbstbespieglung; Ihr dürft mich Spiegeläffchen nennen.

Ich würde den rückdatierten autobiografischen Teil gerne ausbauen, gar nicht mal so sehr für mich (ich habe das in Tagebüchern und Bilderalben), sondern für „die Nachwelt“, vielleicht Enkel Ben, falls er sich später mal dafür interessiert. Ich gebe der digitalisierten Form der Aufzeichnungen eine größere Chance, durch die Zeit zu kommen, als der physischen. Anstatt einer großen schweren Kiste, die bei jedem Umzug lästiger wird, liegt irgendwo eine zip-Datei meines gegenwärtigen Computerinhalts herum (ja, macht das bitte), bis sich jemand dafür interessiert.

<O>

Alles fühlt sich nach Pausentag an. Anlassbezogen ist bis Mittag gespült und aufgeräumt, dann passiert nicht mehr viel.

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Dachte ich. Wie soll denn einer Pause machen, wenn weder passende Literatur noch eine wirklich gute Lesebrille am Start ist? Also doch etwas trainiert, später aus reiner Müßigkeit eine Maschine Wäsche gewaschen und noch später stand ich schleifender- und ölenderweise wieder im Dome. Abends kommt Tini vorbei, mehr brauche ich nicht für einen angenehmen Ausklang.

5.9.2024, Donnerstag
Der Baumarktanlieferer holt mich aus dem Bett, ich bin zum Glück schon wach und halbwegs fit. Bedeutet, dass ich ab elf dabei bin, OSB-Platten von der Grundstücksgrenze zum Dome zu tragen. Das geschieht in kleinen Portionen mit mehreren kleinen und einer großen Pause dazwischen. Die letzte Platte trage ich gegen halb zehn abends in den Dome. Zu dem Zeitpunkt bin ich nur für diese Aktion 10200 Schritte gelaufen und habe dabei 933,36 Kilogramm um geschätzte 50 Meter versetzt. Mein Bewegungsprogramm gilt damit für diesen Tag als übererfüllt.

Zwischendrin musste ich noch einmal mit dem Fahrrad in die Stadt. Hauptsächlich nicht verschriebener Medikamente wegen, deren Verschreibung und Abholung nun nachgeholt werden musste. Nebenbei gehe ich nochmals zum Optiker. Dort hatte ich vorgestern viele Selfies mit den verschiedensten Brillen gemacht und gemeinsam mit Tini eine Vorauswahl getroffen, heute sind weitere Selfies zu machen, mit rahmenlosen Gestellen und Farbvarianten des gegenwärtigen Favoriten. Dies getan, geht’s zu Tinis Laden, dort schauen wir in einem ruhigen Moment die neuen Bilder an und eine Brillenentscheidung fällt. Das ist vergleichsweise spät im Geschäftstag und als ich wieder beim Optiker stehe, ist dort soviel Kundschaft, dass ich an diesem Tag nicht mehr mit einer Sehstärkenvermessung rechnen kann.

Auf dem Rückweg mache ich den seltsamsten Lebensmitteleinkauf meiner bisherigen Einkaufshistorie:

Gemüse, oder so.

6.9.2024, Freitag
Die Art und Weise, wie ich gerade meine Tage verbringe, ist bemerkenswert. Von außen betrachtet, muss das sehr unfokussiert wirken. Weil ich die zusätzliche Bewegung irgendwie im Tag unterbringen will, andererseits aber keine Lust habe, mein kleines selbstgestricktes Programm am Stück herunterzuturnen, breche ich es in mehrere kleine Einheiten, manchmal sogar nur einzelne Übungen, auf. Dazwischen mache ich dann irgendetwas anderes, mal im Dome, mal am PC oder ganz woanders. Eben noch hier bin ich im nächsten Moment schon dort. Das zusammen gedacht mit den notwendigen Stadtfahrten, oder wie heute zu Tini nachhause, fühle ich mich ungwohnt aktiv, obwohl eigentlich nicht mehr geschieht als das, was ich auch sonst mache. Plus Bewegung halt.

7.9.24, Samstag
Ein wunderbar vertrödelter Morgen bei Tini. Während sie ab acht Tini-Dinge tut, ab neun auch aushäusig, bleibt es mir überlassen, g.-Dinge zu finden, die an den Ort passen.

Solange sie noch da ist, bin ich superzufrieden damit, auf der Terasse zu sitzen, Kaffee zu trinken, ihr zuzuschauen (immer dann, wenn sie durch das überzeugend idyllische Bild läuft) und meine Gedanken und Gefühle zu sortieren. Nebenbei gibt es eine ToDo-Liste für Montag.

Später, alleine mit Haus und Grundstück, Tini auf dem Weg zum Laden, versuche ich mir eine Morgenroutine vorzustellen, die in diesen Rahmen passt. Für eine, die meiner eigenen zuhause maximal ähnlich wäre, brauche ich ein Tablett. Wie gewohnt den Tag damit beginnen, das Internet leerzulesen. Klingt gut.

Für heute nehme ich Zuflucht zu dem, was ein idealer g. täte: ich mache die Form in ihrer langsamen und konzentrierten Variante und meditiere 15 Minuten. Für dieses erste Mal ist es gut, dabei alleine zu sein. Ich kann mir im Garten in Ruhe den Ort suchen, an dem ich sitzen möchte. Von nun an kann ich dahin zurückkehren. Ein Ort im Haus wird noch zu finden sein.

<O>

Wieder zuhause erstmal kurz in den Dome, danach einen Mittagsschlaf, der nur deshalb wichtig ist, weil ich am Abend Thekendienst im Café Nachtlicht habe.

8.9.24, Sonntag
Nachdem am Donnerstag das Material für die Innendämmung des Domes gekommen ist, beginne ich heute, den Dome umzuräumen und auf den nächsten Arbeitsschritt vorzubereiten. An der Fensterfront ist eine letzte Kleinigkeit offen, die in den nächsten Tagen noch folgen wird. Eine Zeit des Übergangs, eines noch nicht ganz fertig, ein anderes gerade noch nicht begonnen.

Ab Mittag ist Tini da, den angedachten Besuch einer nachmittägliche Open-Air-Veranstaltung lassen wir des Wetters wegen fallen. Zwischendrin bin ich noch kurz auf dem Plenum, ansonsten geht es uns gut.

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Hier geht’s chronologisch weiter.

Bennenung von Bezugspersonen, die

Seit längerem beobachte ich, wie in Blogs auf Personen des näheren Umfelds Bezug genommen wird. Allem voran die jeweiligen Lebenspartner und Kinder, weniger im Fokus die jeweiligen Nebendarsteller, Freunde, Verwandte und Bekannte. Mittlerweile gibt es eine kleine Sammlung der Bezugsnamen:

Die jeweiligen Lebenspartner
ich: Lieblingsmensch
Buddenbohm: Herzdame
Frau Brüllen: der Hübsche
Vorspeisenplatte (Kaltmamsell): Herr Kaltmamsell
hmbl: die Liebste, Frische Brise: der Liebste
es regnet: meine Frau
LandLebenBlog: der Gatte
The Diary of Kitty Koma: der Graf
Draußen nur Kännchen: der Reiseleiter (ev. einmalig)
Vergessen wer: der Mann, Herr H. (H. zugleich erster Buchstabe des Blogs),

Die Kinder
ich: H., M., LLT
Herzbruch: Realname, Spitzname oder andere Bezugnahme
Frau Brüllen: Q. (also Initiale mit Punkt)
Budddenbohn: Sohn 1, der andere Sohn
Draußen nur Kännchen: K1, K2 (durchnummeriert)
Inchs Blog: die Prinzessin

Die Eltern
kreutzberg sued-ost: der Kanzler (Vater)

Der Anlass für diese kleine Sammlung war die Unzufriedenheit mit meiner eigenen Praxis der letzten Jahre, nur noch die Initiale des Vornamens zu nennen. Mit wenigen Ausnahmen, der Lieblingsmensch war genau dies – bis die Beziehung endete. Und Tochter H. war lange LLT – bis ich aus hier nicht zu nennenden Gründen davon Abstand nahm. Kurz, ich suchte Anregung.

Die ich nicht fand. Zugleich ist meine Unzufriedenheit zurückgegangen, denn mir ist aufgefallen, dass ich es meist nicht bei der Initiale lasse, ich schreibe von Tochter H., Freund J. oder Nachbarin C.. Die etwas dürre Initiale erinnert mich im Text daran, der Person eine Funktion zuzuweisen. Das ist, gerade für Gelegenheitsleser, einsteigerfreundlich.

Und warum komme ich gerade jetzt damit um die Ecke? Weil sich diese kleine Sammlung schon viel zu lange in meinem Entwurfsordner herumtreibt und darauf wartet, dass ich irgendeinen weiterführenden Gedanken dazu entwickle. Was wohl nicht mehr geschehen wird.

Und zweitens um, was meine Praxis der Bennenungen angeht, eine Ausnahme anzukündigen. T. ist ab jetzt Tini, sie ist mit hervorgehobener Selbstverständlichkeit da, einfach da. Falls Ihr Euch wundert …, das tue ich auch.

WMDEDGT August 2024

Regelmäßige Leser des Blogs wissen es schon, anfangs des Monats war ich gegen jede Gewohnheit spontan und habe ein Festival besucht. Der Besuch des „Mind On Fire“ ist schon gut beschrieben, wenn ihr das noch nicht gelesen habt, könnt ihr es hier nachholen.

Direkt im Anschluss war Tochter H. für 10 Tage zu Besuch, zu Beginn und gegen Ende dieser Zeit auch ihr Freund M.. So kam es, dass die ersten 13 Tage des Monats mit Plaudereien vergingen. Und so sehr wie ich jeden Moment davon mochte, so anstrengend war es auch, beständig im Kontakt zu sein. Bitte nicht missverstehen, gerne mehr davon.

Wer nicht nur regelmäßig, sondern auch aufmerksam liest, dem ist im Mind-On-Fire-Text die Auslassungskennzeichnung aufgefallen, kurz nach Erwähnung einer schwer zuordenbaren, aber schon mehrfach betont beiläufig erwähnten T.. Nun ist der genaue Wortlaut der Auslassung verloren, gemeinsam mit dem Tagebuch, das sich im Rucksack befand, der verloren ging, als ich mit dem Fahrrad auf dem Weg zu nun explizit zu erwähnender T. war. Aber ich kann euch den Inhalt kurz und stark versachlicht so zusammenfassen: „Ist die ohne Zweifel vorhandene gegenseitige Sympathie und Zugewandheit schon ein Anzeichen von romantischem Interesse?“ Die Frage blieb im Buch wie im Leben unbeantwortet.

Die Gefühlslage zu diesem Zeitpunkt ist auch in der Rückschau uneindeutig, eine Art Schrödingers Interesse, dass zugleich da und nicht da ist. Erst rund zehn Tage und mehrere Plaudereien später machen wir die Kiste auf und zu beider Beglückung ist Interesse drin. Definitiv und eindeutig.

Der Rest des Monats vergeht damit, sich gegenseitig kennenzulernen. Anderweitig stattfindendes Leben kann an dieser Stelle vernachlässigt werden. Wir sind auf unangemessene Art voneinander überzeugt und wer es kennt weiß, das muss so!

Kurz und unverschwurbelt: Da ist eine neue Liebe in meinem Leben.

Vermutlich werdet ihr noch mehr davon lesen, vielleicht aber auch nicht, denn es will gut ausbalanciert sein, wieviel ich von mir erzähle, wenn es zugleich auch die persönlichste Geschichte einer anderen Person betrifft. Nicht jede Eigenheit will öffentlich betrachtet sein. Ich werde sorgsam sein.

Wie immer, wer’s tagesgenau braucht, darf hier WMDEDGT August 2024 weiterlesen