25489 – Klimmzugstange

Dem heutigen Tag könnten wir uns aus vielen verschiedenen Richtungen nähern. Ich wähle den sportlich-medizinischen und bastlerischen Ansatz.

Mit nur drei Übungen, die die meisten seit Grundschultagen kennen, kann mensch alle Muskelgruppen trainieren: Kniebeugen, Liegestütz und Klimmzüge. Dazu noch gelegentliches Lauftraining und schon bleibt der Mensch auch im Alter leistungsfähig. Okay, mensch muss das auch wollen, was aus den verschiedensten Gründen wieder alles viel schwieriger macht (ich schweife ab).

Von den erstgenannten drei Übungen habe ich eine niemals ausführen können, Klimmzüge. Selbst zu Zeiten, als 3 x 20 Liegestütz kein Problem waren, gingen Klimmzüge nicht. Und irgendwie hat mich das immer geärgert. Gestern abend hat mir YouTube dann mal wieder ein Fitness-Video vorbeigespült, das auf irgendeine Weise mein Interesse weckte, vermutlich wegen Klimmzügen.

Restinhalte davon hat mein Gehirn durch die Nacht gerettet, zumindest gab es heute morgen den Impuls, mal eben die KI nach einem Trainingsplan für Klimmzüge zu fragen. Weil ich auch gleich mein Alter angebe und den Trainingszustand (Null) will die KI nichts versprechen, aber in cirka vier Monaten könnte das mit dem ersten Klimmzug was werden. Das ist deutlich länger, als ich erwartet hatte. Und da hatte ich noch nichts von meinem Aortenaneurysma erzählt.

Wäre die KI ein Mensch hätte sie mir an dieser Stelle das Tablet zugeklappt, mich zum Arzt geschickt und jede weitere Kommunikation verweigert, bis ich mit einer als Blutdruckwert ausgedrückten Belastungsgrenze zurückgekommen wäre. Aber sie ist kein Mensch und ich bleibe mit meinem Anliegen beharrlich. In der Folge absolviere ich eine Folge deutlich unterfordernder Übungen, die sich alleine deswegen sehr lange hinziehen, weil ich vorher fünf Minuten sitzen und den Blutdruck messen muss, dann die Übung machen und nach einer bzw. fünf Minuten nochmal den Blutdruck messen muss. Nach drei oder vier Übungen steigt mir der Blutdruck vor Ärger und Ungeduld, was ich auch zum Ausdruck bringe. Danach bekomme ich erstmals eine Übung, nach der der Blutdruck leicht erhöht ist. Und den Hinweis, dass die Messungen nach den Übungen natürlich nicht die Bluthochdruckspitzen während der Übungen abbilden können. Ja, klar.

Aber, immerhin, bis hierher alles unauffällig. Die KI möchte jetzt ein paar Übungen mit Bezug auf des Klimzug-Ziel machen, bevorzugt an einer Stange oder auch an Ringen. Ersatzweise was an einem Tisch. Oder so. Ich habe keine Stange, nicht im Türrahmen und auch nicht sonstwo, aber ich habe schon darüber nachgedacht. Zwar in einem nur leicht anderen Zusammenhang, Rollenzüge an der Decke zum Zwecke der Anbringung von Trainingsgewichten, dennoch. Ich beschließe, mit den Übungen für heute aufzuhören und stattdessen die wage vorhandenen Gestaltungsideen abzuwandeln und umzusetzen.

Es ist, wie es immer ist. Das notwendige Material ist vorhanden, muss aber erst gefunden werden. Stunden später hängt eine Stange an meiner Decke, deren Höhe verstellbar ist und die mein Gewicht sicher trägt. Im Moment noch die Minimalanforderung, weitere Ausbaustufen sind denkar und wünschenswert. Geplant ist das Einhängen von Gewichten in das Seil, dafür muss ich aber weitere Umlenkrollen und Haken besorgen.

Erklärungsbedürftig ist vielleicht der Ort, den ich für die Aparatur gewählt habe. Sie hängt direkt oberhalb des Fernsehsessels, damit ich während der Übungen weiter fernsehen kann (klar, der Sessel wird dafür zurückgeschoben). Und warum das? Naja, da ich wegen des Aneurysmas jede wirkliche Belastung (sprich Bluthochdruckspitze) vermeiden muss, muss der Kraftaufbau sehr, sehr langsam und unter fast keiner Belastung geschehen. eher so nebenbei. Vermutlich werde ich Wochen unter dieser Stange stehen und die entscheidenden Muskel nur anspannen, damit sie sich gewöhnen. Fernsehen wird dabei und auch bei anderen Übungen möglich sein, der limitierende Faktor ist nur die Blickrichtung.  Und ich glaube, die ist gut gewählt.

<O>

Tja, und jetzt dürfen wir gespannt sein, ob es mir gelingt, das Vorhaben durchzutragen. Solche mit viel Elan begonnenen Sachen laufen manchmal ja unerwartet schnell wieder aus. Zumindest im Moment habe ich ein gutes Gefühl.