25385 – Brückentag, oder so

Gestern Abend Thekendienst im Nachtlicht, an den Nächten nach dem Dienst wird es  oft zwei oder drei Uhr, bis ich ins Bett komme. Entsprechend spät und dennoch unausgeschlafen stehe ich heute auf, nur um dann den ganzen Tag lustlos-matschig, naja, anwesend zu sein. Was ein kleiner Nachmittagsschlaf werde sollte wird dann unbeabsichtigt zur zweiten ausgedehnten Schlafperiode. Schwupps ist der Sonntag rum.

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Ebenfalls rum: der Otto-Mueller-Schnellkopiermonat. Zum Abschluss Kirchner, Mueller und Heckel im Baumvergleich.

25383

Ich bin gerade etwas formulierungsfaul. Ungünstig wenn die Dinge, die ich erzählen könnte (z.B. die Zigarrenkistenrenovierung, ich mag sie sehr, diese alten hölzernen Zigarrenkisten), etwas Überlegung und sehr viel Möglichkeitsform erfordern.

Von daher muss es für heute bei dem Hinweis bleiben, dass dieser Monatsübergang schlecht vorbereitet und etwas unentschieden ist. Das Raster für den Kreativkalender ist noch nicht gezeichnet, auch fehlt es mir noch an einer Idee für ein zeichnerisches Monatsprojekt.

Stichwort Monatsprojekt, mein Otto-Mueller-Projekt ragt zwei Tage in den Mai hinein, weil erst nach diesen zwei Tagen das alte Vokabelheft, das ich dafür benutze, voll ist. Ich mag so etwas, ein Projekt in genau einem Vokaelheft, fertig.(Kurze Erläuterung für neu Hinzugekommene: Die obere Skizze entsteht unter Zeitdruck – zwei Minuten mit dem Timer gestoppt -, danach kommt der Rahmen, die Farbe und alles, was bei mir unter „retten, was zu retten ist“ läuft , keine Limitierung.)

25375 – Rahmen und Farbe

Mit meinen „2-Minuten-Schnellkopien“ habe ich anscheinend einen Punkt bei mir getroffen. Sie machen mir Spass und ich bin mit den Ergebnissen zufrieden. Heute so:Zugegebenermaßen keine große Kunst, nichtmal kleine, aber der bisherige Sieger im Zeit-Leistungs-Test, viel gutes Gefühl für wenig Einsatz. Und sagen wir als handgemalte Geburtstagskarte für einen befreundeten Menschen …, der würde sich doch freuen.

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Der Künstler, den ich da aus einem Bildband kopiere, heißt Otto Müller. Über den gibt es bei Wikipedia einen Artikel, der auch Kritik mehr als andeutet:

Eine kritische Aussage in der Ausstellung stellt fest, dass Muellers nackte Frauenkörper als „sexualisierend und objektifizierend“ aufgefasst werden könnten. Nach einer anderen Aussage seien Muellers Bilder von Sinti und Roma eine Fortführung herkömmlicher Stereotype über diese Volksgruppe.[8]

Letzteres ja, ersteres nein, solange ich auch draufschaue. Im Gegenteil, was mich an seinen Bildern fasziniert, ist die Beiläufigkeit der gezeigten Nacktheit. Es ist die Nacktheit der – gelegentlich als prüde beschimpften – FKK-Strände, nicht der Spelunken und Bordelle. Wikiart zeigt viel von seinem Werk, am besten, Ihr macht Euch selbst ein Bild.

Eigentlich zeigt Wikiart sogar zuviel von seinem Werk. Otto Mueller hat durch seine Frau Maschka sein gesamtes Frühwerk (überwiegend Ölbilder) verbrennen lassen. Erhalten sind nur gelegentliche Fotografien und was sich nicht mehr in seinem Besitz befand. Er hat sich mit diesen frühen Bildern, trotz technisch überzeugender Ausführung, nicht mehr identifiziert. Dass durch die chronologische Anordnung seiner Bilder auf wikiart, die wenigen erhaltenen Frühwerke den Rest des gezeigten „framen“ kommt mir falsch vor.

Wenn Euch also an den von mir gezeigten Skizzen irgendwas „sexualisierend und objektifizierend“ vorkommt, dann bin ich das, nicht Otto. Sorry, ist nicht so gedacht, aber im Zweifel nehme das mit Bedauern auf mich.

25374 – Limitierungen

Ich habe Euch schon sehr lange nichts mehr von meinen Zeichenübungen gezeigt. Das hat verschiedene Gründe, einer der wichtigsten ist, dass Fotos selbst von subjektiv gelungenen Sachen gnadenlos alle Fehler aufdecken (obwohl ich noch nicht ganz verstehe, warum das so ist). Ich mag das dann nicht mehr zeigen. Zum anderen kommt es mir gerade so vor, als ob ich keine Fortschritte mehr mache. Diesem Gefühl, auf einem Fähigkeitsplateau festzustecken, begegnen Künstler und Kunstlehrer damit, harte Limitierungen einzusetzen. Diese Limitierungen können alles betreffen, Technik, Palette, Material, Zeit, You-name-it. Mich erinnert das sehr an paradoxe Interventionen oder Symptomverschreibungen in der Therapie, es geht darum absichtlich „schlechte“ Kunst zu produzieren.

Ich habe mich heute mit einer Zeitvorgabe limitiert, außerdem mit ungeeignetem Material (Vokabelheft und dicker Filzer, so wie ganz zu Beginn meiner Übungen). Meine selbstgestellte Aufgabe: Vier Motive von Otto Mueller „schnellkopieren“, bedeutet: zu schauen, wie weit ich innerhalb von zwei Minuten mit einer Skizze der Vorlage käme.

Das sieht dann so aus:

Mensch sieht, schlechte Kunst kann ich gut! Nein, quatsch, mensch sieht, dass in jeder der Skizzen das Potenzial steckt, etwas halbwegs Überzeugendes zu machen. Was zu beweisen wäre, gerade die letzte Skizze des Liebespaares war so unfertig, dass ich es nicht dabei belassen konnte. Eine geschätzte halbe Stunde später sah die Schnellkopie dann so aus:

Das ist nicht richtig gut, aber auch nicht wirklich schlecht. Ich bin zufrieden.

25318 – Altered Books

Vor kurzem ist hier in einem Nebensatz schon einmal der Begriff „Altered Book“ aufgetaucht. Mit Altered Books versucht der umtriebige Kreativmensch, ein Problem zu lösen, das er unweigerlich bekommt, wenn er in seinem Sketchbook oder Art Journal zuviel collagiert oder Dinge einklebt, die stark auftragen. Das Buch beginnt zu sperren, es steht auf. Das ist nicht nur häßlich, das Phänomen macht es auch schwerer, darin zu schreiben, zu zeichnen, zu aquarellieren, oder was mensch sonst noch so darin zu tun gedenkt.

Ein „Altered Book“ ist – der Name lässt es vermuten – ein geändertes, ein abgeändertes, kurz: ein irgendwie modifiziertes Buch. Manche KreativkünstlerInnen machen da noch sehr viel mehr, als ich Euch hier zeige. Ich beginne mit der Grundlage. Damit das Buch später – nach ausschließlich mehrlagigem Gebrauch, für den es gedacht ist – nicht sperrt, müssen so cirka zwei Drittel bis drei Viertel der darin enthaltenen Seiten heraus. Damit das auf die gewünschte Weise zu machen ist, benötigt mensch ein Buch mit Fadenheftung. Wer in der Schule jemals eine Seite aus einem Heft gerissen hat weiß, dass sich dann immer irgendwo eine zweite Seite löst. Sobald die auch draußen ist, macht das Heft wieder einen guten Eindruck, ist aber zwei Seiten dünner. Stellt Euch ein normals Buch so vor, als hätte der Buchbinder einfach mehrere Hefte mit dem Faden an einen Streifen Stoff genäht. Wenn Ihr nun von oben genau auf die Bindung schaut, seht Ihr die einzelnen Hefte und könnt die Seiten im Buch identifizieren, wo die Fäden zu sehen sind. Hier könnt Ihr beginnen, Seiten herauszulösen. Um die Fäden nicht auszuleiern empfehle ich behutsames Ausreißen zu den Seiten hin. Mit ein bisschen Fingerspitzengefühl und ein bisschen Zählen bekommt Ihr das schon hin.

Fertig, schon habt Ihr Euer erstes Altered Book, in dem Ihr nun vollkommen unbefangen Eure mehrlagigen Mixed-Media-Experimente beginnen könnt. Und weil Ihr (hoffentlich) ein altes Buch benutzt habt, könnt Ihr doppelt unbefangen sein. Manchmal entsteht dann aus altem Abklebeband noch etwas, das möglicherweise netter anzusehen ist, als das Werk, zu dessen Entstehung es ursprünglich diente.