Gestern während des Thekendienstes auf die Veranstaltung in der Bonifatius-Kirche aufmerksam geworden, die auf der Seite der Gemeinde folgendermaßen beworben wird:
Gemeinsames Beten und Singen, meditative Texte und Stille wechseln sich ab. Für alle, die sich eine spirituelle Atempause gönnen wollen, ist dieser Gottesdienst genau das Richtige.
Nun bin ich von Gott und Religion so weit weg, wie mensch als nichtpraktizierender Buddhist, also fast schon Atheist, sein kann. Aber, soviel wusste ich, ich würde dort weinen können. Viele Jahre zurück, bei einem Kurzbesuch in Taizé, war ich schon einmal zu Tränen gerührt von den Gesängen, ohne dass ich damals hätte sagen können, worüber ich weinte.
Das ist diesmal anders, ich weine und es tut gut, ist befreiend, nimmt Druck. Ich bin dankbar.
Ein wichtiger Zwischenschritt auf meinem Weg zum selbstgewebten Teppich ist gemacht, die Kettfäden sind gespannt.
Ich vermute, Ihr werdet zeitnah nichts von diesem Projekt hören. Es muss aus verschiedenen Gründen ruhen, der wichtigste davon, dass meine Energie wieder in den Dome gehen muss.
Der Rahmen ist selbstgebaut, wer mehr darüber wissen möchte schaut bei Der Rundwebrahmen.
Es scheint ein sehr altes Phänomen zu sein, dass junge Männer Gedichte schreiben. Und es sind keineswegs nur die Weicheier, die das tun. Jeder semi- oder ganzgängsterige Rapper ist nichts anderes, ein junger Mann, der Gedichte schreibt.
So auch ich, als junger und als mittelalter Mann. Worte im Versmaß haben mich aber nie lange halten können, sie waren immer nur eine vorübergehende Knobelei. Die Ergebnisse sahen ungefähr so aus:
Einfach nur Stille
ist mein Schweigen – glaube mir, ich verschweige nichts.
Denkt Ihr beim Versmaß von 5-7-5 Silben auch als erstes an ein Haiku? Ich zumindest habe jahrelang geglaubt, dass ich Haikus schreibe. Solange jedenfalls, bis ich irgendwo las, dass Haikus sich vorwiegend mit Naturphänomenen beschäftigen, während es zugleich eine eigene Bezeichnung für Verse im gleichen Maß gibt, die sich eher mit menschlichen Erfahrungen, Emotionen und sozialen Situationen beschäftigen: Senryū.
Ich schrieb Senryūs – Oh! Plural und Aussprache sind mir unbekannt
Damals konnte ich mir den Namen nicht merken, heute habe ich ihn recherchiert und bei dieser Gelegenheit andere spannende Reimereien aus Japan entdeckt, die in ferner Zukunft vielleicht mal hier besprochen werden. Als einen kleine Ausblick darauf gibt es zum Abschluss ein Ketten-Senryū, eine Gedichtform, die ich gerade erfinden musste, weil die Japaner für ihre Kettengedichte ein anderes Versmaß verwenden.
Im Zug
Mein Blick ruht auf Dir im Zugabteil – und ich denke Wie schön Du doch bist
Mein Blick ruht auf Dir im Zugabteil – und Du fragst Gibt es jetzt eine Note
Ich könnte kotzen bei soviel Mißverstehen wenn Du es nicht wärst
Diesen Beitrag mehrfach verschoben, aus Gründen. Heute kommt er raus, auch wenn der Ton nicht zur Stimmung passt. Und danke der Nachfrage, nichts ist gut, aber alles richtig.
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Ein erster Versuch mit dem Rundwebrahmen, vor-vor-vorgestern Nacht „fertig“ geworden. Habe mit verschiedenen Materialien und Bindungen experimentiert. Die Experimente werden weitergehen müssen.
Habe lange auf das obige Bild geschaut und denke, es ist noch nicht fertig. Das, hmm …, Objekt wird noch einen schmalen blauen Rand bekommen. Und natürlich bleibt es nicht im Rahmen. Und wenn es nicht im Rahmen bleibt, muss ich erst darüber lesen, wie mensch die Kettfäden „schön macht“. Ohne lesen würde ich versuchen, einen umlaufenden Zopf daraus zu flechten, aber vielleicht geht das ja besser.
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Ein Tag später: Der blaue Rand ist dran.
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Und noch einen Tag später: Fertig-fertig. Meint: so, dass ich erstmal nichts mehr dran verändere und das Teil auf Lager lege. Der Rand ist jetzt nach Lehrbuch mit Weberknoten abgeschlossen, aber schön ist das nicht. Zusätzlich haben sich die elastischen Stoffstreifen, die ich als Schussfäden verwendet habe, etwas zusammengezogen und das Web-Dings hat nun eine deutliche Wölbung.
Ich mag gar nicht überkritisch werden. Es ist ein Erstling (eigentlich ein Zweitling, vor vielen, vielen Jahren habe ich schon einmal einen Flickenteppich gewebt) und es ist ein Probestück. Ich weiss nun, welche Bindungen ich mag und dass ich diese sehr gut zu verarbeitenden Stretch-Streifen nicht verwenden darf. Allein dafür hat der Aufwand sich gelohnt.
Im Vergleich der beiden Bilder fällt mir auf, dass ich das Teil straff und gerahmt lieber mag. Vielleicht mache ich ein weiteres Web-Dings, diesmal bewusst zur Dekoration, und lasse es im Rahmen. Ich könnte versuchen, alle gemachten Fehler zu vermeiden und dabei vollkommen neue produzieren. Wie im Leben.
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Ach ja, fast vergessen, die Überschrift hat nichts zu bedeuten und ist rein assoziativ entstanden. Ich musste halt an die Schriftart Webdings denken, als ich Web-Dings schrieb.