
21.6.26, Sonntag
Nach mehr als zehn Stunden Fahrt mit dem Bus und zwanzig Minuten U-Bahn bin ich kurz nach eins in meiner Unterkunft, die auf sympathische Weise anders ist. Manche Airbnbs sehen aus als seien eigens zum Zweck des Vermietens bei einem großen und billigen Möbelhaus zusammengestellt, dieses hier wirkt, als hätten dir Freunde für die Zeit ihres Urlaubs die Wohnung überlassen. Alles ist da. Und noch viel mehr. Ich kann mir meinen Kaffee auf vier verschiedene Weisen zubereiten und meine bevorzugte ist dabei, ich weiß das zu schätzen. Ich mag die Kunst an den Wänden und was in den Bücherregalen steht, das verstärkt den Bei-Freunden-Touch. Im ersten Ansatz fühle ich mich wohl.
Über eine Wendeltreppe lässt sich sogar eine kleine Dachterasse erreichen. Also eigentlich eine große Dachterasse, die aber aus verschiedenen Wohnungen über jeweils eigene Aufgänge zu erreichen ist und mittels Sichtschutzzäunen (vermutlich aus einem großen und billigen Baumarkt) unterteilt wurde. Die Pflanzen daran und davor machen es so freundlich, wie es bei einem solchen Arrangement eben geht. Ich will nicht klagen, es ist eine Terasse!
Schon sehr bald nach der Ankunft sitze ich bei Internet und Tee vorm Tablet um diese ersten Zeilen einzutippen. Aber …, ich bin doch sehr müde von der Fahrt und lege mich erstmal für eine halbe Stunde ins Bett.
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Ich versuche mal maximal abzukürzen, es ist 21 Uhr und ich bin sehr, sehr müde. Zwei Gründe dafür, erstens bin ich viel gelaufen und zweitens war es sehr heiß dabei.
Meine Mittagsruhe hat sich bis 16 Uhr hingezogen, danach machte ich mich zum Schloss Schönbrunn auf. Das ist von meiner Unterkunft aus fußläufig gut zu erreichen und für einen angebrochenen Tag Aktion genug. Nicht die Besichtigung der verschiedenen Ausstellungen im Inneren, mir war danach, einfach den Park etwas zu erkunden. Nebenbei bin ich drei Caches abgelaufen, alle auch unter Sightseeing-Gesichtspunkten suchenswert.
Nach zweieinhalb Stunden trödligem Gelaufe habe ich den entferntesten Punkt von der Unterkunft erreicht, zugleich bekomme ich Hunger und Durst. Der Rückweg dauert dann bis zu einem Inder nahe der Unterkunft nur noch eine Stunde. Dort kurz etwas gegessen und „nachhause“. Zum runterkommen den täglichen Medienkonsum nachgeholt und dabei schnell gemerkt, dass ich mehr als nur ein bisschen absacken möchte.
Vor allem möchte ich nicht mehr ausführlich berichten, auch keine Fotos sichten/hochladen und was sonst noch so Chronistenpflicht wäre. Weswegen ich das für heute und im ersten Ansatz lasse. Ich werde nachliefern, nur nicht mehr heute.
22.6.26, Montag
Ich schlafe cirka zwölf Stunden mit zwei Unterbrechungen, als ich aufwache ist es zehn vor elf. Das ist für einen Aktivurlaub doch etwas spät, vor allem, weil noch ein erster Gang zum Lebensmitteldiscounter ansteht. Denn noch fehlt alles, was zu einem angenehmen Tagesbeginn beiträgt, allem voran Kaffee und Müsli. Glücklicherweise gibt es alles in der Nähe, ich gehe also einkaufen und frühstücke zur Mittagszeit. Gegen eins beginnen dann die ersten Planungen für den Tag und eine dreivirtel Stunde später starte ich auch.
Mein Ziel ist das Hundertwasser-Haus. Ich mag Hundertwasser, wer hier mitliest weiß, dass ich mich im Mai länger mit ihm beschäftigt habe. Von daher überrascht mich nicht, was ich sehe. Eher bin ich erstaunt darüber, wie gut das Haus sich einfügt. Besonders aus der Ferne ist einzig die üppige Fassadenbegrünung auffällig. Ich denke, das liegt daran, dass über Jahre die Farben etwas verblasst sind und in all den Bildbänden knalliger wirken, als in der Realität. Gerne mehr davon.
Das nächste Bild ist etwas persönlicher, kein schönes Foto, eher ein dokumentarisches.
Auf dem Kopfsteinhügel in der Bildmitte sitze ich eine ganze Weile und zeichne die Säulen bzw. die Szene neben mir. Das ist eine Premiere, ein echtes „erstes Mal“. Zum ersten Mal in diesem Urlaub gelingt es mir, so zu sein, wie ich gerne wäre. In diesem Fall gebe ich eine gute Imitation von einem Urban Sketcher. Ich zeichne eine Viertelstunde, dann mache ich zwei Referenzfotos, eines für den Bodenbelag und eines für Farben und Hintergrund. All das werde ich in einem ruhigen Moment zuhause einfügen.
„Urban Sketching“, das Vor-Ort-Zeichnen von Stadtlandschaften ist etwas, das ich mir beibringen möchte. Ich kann mittlerweile (fast) jede Form von 2D-Vorlage so abzeichnen, das sie meinen Ansprüchen gerecht wird und etwas „eigenes“ hat. Mit Freihandzeichnungen von realen Gegenständen oder Szenen gelingt mir das noch nicht ausreichend gut. Meine bisherigen Versuche fanden im geschützten Umfeld, meinem Wohnort, statt. Heute also das erste Mal ungeschützt.
A
nschließend wandere ich drei Blocks weiter zum KunstHausWien, dem Hundertwasser-Museum. Bei Eintritt habe ich noch zwei Stunden Zeit, bis das Museum schließt. Ein Zeitfenster das gerade so reichen wird, um alles gesehen zu haben. Um alles gewürdigt zu haben, bräuchte mensch sicher länger. Ich genieße vor allem die großen Formate (von denen ich die meisten von deutlich kleineren Abbildungen her kenne) und die Möglichkeit, ganz Nahe heranzugehen.
Neben all den Hundertwasser-Werken ist auch das Haus selbst einen Blick wert. Es setzt innen fort, was in der Fassadengestaltung begonnen wurde.
Wenige Minuten vor sechs verlasse ich das Museum und begebe mich auf den Heimweg. Genug Eindrücke gesammelt für einen Tag. Und auch genug gelaufen.
Ich bemerke, dass ich mit meinem späten Start in den Tag nichts falsch gemacht habe. Sehr viel mehr als vier Stunden Laufen-am-Stück bekomme ich ohnehin nicht mehr hin. Bei allem darüberhinaus verliere ich schnell den Spass. Und so betrachtet, laufe ich heimzus schon am Limit.
Wichtiger aber: ich erkenne, dass ich auf diese Weise auch einen Abend vor mir habe, wie ich ihn mir wünsche. In Ruhe die Fotos durchgehen, in Ruhe noch etwas essen, in Ruhe bloggen. Vielleicht den Sketch fertig machen, vielleicht aber auch einfach abhängen.
Und so kommt es, dass ich am Abend mehr als eine Stunde auf der Dachterasse verbringe und Fotos anschaue. Schon jetzt bieten sich Nachschlagsbeiträge an, sei es zu Hundertwasser oder Streetart (nix versprochen, ich sag’s nur). Es ist ein kleiner Balanceakt, das ganze Zeug, von dem ich glaube, das ich es brauchen werde, die enge Wendeltreppe hinauf zu bringen. Lohnt sich aber sehr. Vor allem am Abend, wenn es abkühlt. Denn, nur mal nebenbei, Wien hält sich gerade stabil bei 33°. Selten zuvor habe ich die Straßenseite gewechselt, nur um im Schatten zu gehen, in diesem Urlaub wird das zur Gewohnheit.
23.6.26, Dienstag
Ich bin für meine Verhältnisse früh wach und vorm Gerät, es ist halb neun. Viertel nach neun habe ich gefrühstückt und eine Dokumentation über die Herstellung von gealterten Papierrequisiten gesehen. Die Sammlung unnützen Wissens wächst. Ich nehme das als Erfolg und beginne den Tag.
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Heute wird es die ALBERTINA modern sein. Die stand eigentlich weiter hinten auf der Liste, aber ein Plakat, an dem ich gestern vorbei kam, hat sie etwas aufrücken lassen. Erfreuliches Ergebnis der Recherche, es gibt aktuell noch sehr viel mehr als KAWS dort und einen Nachlass für Ü65-Menschen.
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Heute ist, sofern die Vorhersagen nur halbwegs stimmen, der kühlste Tag der Woche. Meint: so um die 30° Grad durchgehend, gefühlt mehr. Das Schöne an den Museen und Ausstellungen, sie sind klimatisiert.


KAWS – Art & Comix ist überwältigend, der Input-overflow ist vorprogrammiert. Mit den Bildern habe ich mich auf ihn und seine „Companions“ beschränkt, aber der eigentliche Mehrwert der Ausstellung entsteht dadurch, wie er den vielen, vielen anderen Künstlern gegenübergestellt wird. Was zumeist großformatig geschieht. Genug Kunst-Talk, ich mag Kunst am liebsten, wenn ich nicht darüber reden muss.
Wie zu erwarten bleibt nach der Ausstellung noch viel vom Tag übrig. Und diesen Rest werde ich verbummeln und schauen, was ich so finde am Wegesrand. Nicht weiter verwunderlich: am Karlsplatz die Karlskirche. Und die „Hills Arches“ von Henry Moore. Der eingepackte Turm ist leider nicht von Christo & Jeanne-Claude. Das haben andere für uns nachgestellt.
Mein weiterer Weg führt mich an der Secession vorbei (Besuch für Freitag vorgemerkt, dann ist dort Familientag) und über den Naschmarkt. Weiter über die Rechte Wienzeile, an einem Cache vorbei und im Bogen zurück zu meiner bevorzugten U-Bahn-Linie. Ende der heutigen Wien-Erkundung.
Habe ich schon erwähnt, dass ich auf alles gnadenlos die Kamera richte, was mir nur halbwegs bemerkenswert scheint? Isso.
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Der Abend vergeht unspektakulär auf der Terasse mit kühlschrankkaltem Kaffee, dem Anschauen der Fotos und bloggenderweise.
24.6.26, Mittwoch
Kurz nach sechs, ich bin zu gleichen Teilen müde und wach und stehe auf. Kaffee und Internet. Eine Stunde später sind die nächsten drei Tage grob geplant, heute wird es Egon Schiele im Leopold Museum geben.
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Frühstück, gegen neun ist der Sketch vom Montag coloriert, nochmal ’ne Stunde schlafen, Aufbruch gegen elf.
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Es ist, wie es immer ist. Im Leopold Museum gibt es sehr viel mehr als nur Schiele. Es gibt die Secession mit allen Beteiligten und vieles davor und danach. Bis ich in die Schiele-Sammlung komme, habe ich schon (fast) meinen Fokus verloren. Denn es gibt eine Frage, die ich mir in der Ausstellung beantworten will: Warum zum Teufel war Hundertwasser ein großer Verehrer von Schiele? Spoiler, mit den Stadtlandschaften finde ich Bilder die das erklären. Aber bis dahin, no way.
Nach der Kultur gibt’s Apfelstrudel im Museums-Café Und ein laaaanger Spaziergang durch unglaublich bemerkenswerte Architur bis zum Stephansdom. Ohne es zu wollen darf ich ein paar Musst-Du-gesehen-haben abhaken. Auf dem Weg mache ich mehrfach lange Pausen, in denen ich irgendwo im Schatten sitze und einfach nur den Menschen zuschaue. Die Hitze fordert das und mir geht es gut damit.
Weil Kirchen so schön schattig sind gehe ich in eine längs des Wegs. Und überrasche mich selbst mit dem Wunsch, eine Kerze für Helen (langjährige Partnerin und Mutter meiner Kinder) anzuzünden. Ich bin nicht religiös, aber ihr hätte das gefallen.
Ich: „Ist das jetzt ein Fort- oder ein Rückschritt? Sie: „Vielleicht ein Schritt zur Mitte?
Ich betrete den Stephansdom genau um sechs und die Orgel beginnt die Messe. Ich bleibe drinnen und höre zu, erkenne einiges auch aus dem Kommunionsunterricht wieder. Dennoch, mit mir und dem Christentum wird das nichts mehr. Wieder draußen sitze ich noch einige Zeit in der Nähe des Domes und würdige, wie geschickt die Bauarbeiten an der Fassade verborgen werden, indem die Gerüste mit einer Plane abgehängt werden, die ein fotorealistisches Abbild der dahinter in Renovierung befindlichen Fassade zeigen.
Ich mache mich auf den Rückweg, nicht nachhause, sondern wieder ins Museumsquartier. Dort spielt Duolio, ein Singer-Songwriter-Duo (zwei junge Frauen, Gitarre, Geige und Kleinkram), das Set dauert 80 Minuten und macht Spass.
Entsprechend spät komme ich in meiner Unterkunft an, „normalerweise“ (also nach zweitägiger Gewohnheitsbildung) komme ich um diese Zeit gerade von der Dachterasse herunter in die Wohnung. Dann sind die Bilder schon angeschaut und dem Blog fehlt nur noch der Text.
Heute ist alles anders. Ich habe Hunger und während dem Essen „muss“ ich die Kritiken des heute angelaufenen Supergirl-Films anschauen, denn eventuell werde ich den morgen anschauen. Die Kritiker sind uneins, also am besten nicht zuviel erwarten und einfach Spass haben.
Ich beginne spät und müde die Einträge des heutigen Tages. Und wie immer, wenn das so ist, bleibt nur eins zum Abschluß: Den Feinschliff und die Bilder liefere ich nach. [✓]
25.6.26, Donnerstag
Grob geschätzt elf Stunden mit nur einer Unterbrechung geschlafen. Das zeigt ganz gut, wie fordernd die Hitze und meine Stadtspaziergänge sind. Ich denke über einen Pausentag nach, aber was gilt unter solchen Umständen als Pause. Ein Tag in der abgeschatteten Dachwohnung oder auf der überhitzten Dachterasse sicher nicht.
Letztlich komme ich dabei heraus, dass ich in den letzten Tagen alles richtig gemacht habe. Museen sind klimatisiert, unterwegs gibt es genug öffentliche Bänke und Trinkwasserstellen (das wäre in den mir bekannten deutschen Städten anders) und meine Pausen sind lang genug. Fallout 4 und Jack Reacher (die Bücher) haben mich auf das Leben vorbereitet: Trinke und ruhe aus bei jeder sich bietetenden Gelegenheit, jeder!
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Heute sind „die Großen“ dran, Monet bis Picasso, so heißt auch die Daueraustellung in der Albertina. Die ich – und ich wage, das schon jetzt zu sagen – als eines der Highlights dieses Wienbesuchs in Erinnerung behalten werde. Und falls nicht, kann ich im Ausstellungskatalog die Erinnerung auffrischen, denn den nehme ich mit.
Die Ausstellung ist ein gelungenes Gesamtpaket, bei dem mir nichts gefehlt hat. Sie wird präsentiert in einer Abfolge kleinerer Ausstellungsräume, die sich, grob chronologisch geordnet, jeweils einem Thema widmen. Fast immer gibt es in der Mitte des Raumes eine Sitzbank, von der mensch aus auf alle gezeigten Werke blicken kann. Menschen mit besseren Augen, als es meine sind, könnten sogar die Namen der Künstler auf den Begleittexten lesen. Schnell entwickle ich die Gewohnheit, zunächst von der Bank aus mir sitzend einen Überblick zu verschaffen. Und wenn ich dann lange genug gesessen habe stehe ich auf und lese die Begleittexte. Schaue genauer hin, setze mich vielleicht nochmal, diesmal aber genau vor dem betreffenden Bild. Ich mag die Texte, die nicht zu sehr nach Kunstbetrieb klingen. Sie lehren ohne belehrend zu sein. Diese Sprache findet sich auch im Katalog wieder und mit ist ein Grund, warum ich ihn gekauft habe.
Auf diese Weise verbringe ich zweieinhalb bis drei Stunden. Mir bleibt etwas mehr als eine Stunde um durch die drei anderen Abteilungen der Albertina zu streifen. Ich gebe meiner Aufmerksamkeit frei, selten wird gelesen, meistens nur geschaut, vieles auch einfach nur überflogen, es ist okay so. So, wie wenn ich vor dem Schlafengehen noch eine Folge „Bobs Burgers“ schaue um runterzukommen.
Um sechs verlasse ich die Albertina, um sieben sitze ich in einer Pizzeria und um acht in einem leeren Kino. Also wirklich leer! Ich bin der einzige Gast und schaue „Supergirl“. Der Film ist unterhaltend und besser, als die Kritiken erwarten ließen. Er hat das nicht verdient.
Zuhause um elf, mit diesem Text fertig um zwölf. Ab dafür.
26.6.26, Freitag
Die Nacht ist zu heiß und besteht aus zwei kurzen Schlafphasen, unterbrochen von einer langen Lesepause. Entsprechend früh bin ich auf den Beinen und trödele mich in den Tag. Es soll noch heißer werden als an den letzten Tagen, eigentlich möchte mensch nicht die abgeschattete Wohnung verlassen. Folglich mache ich ein ganz kleines Program. Es soll die Secession werden und dort auch nur Klimts Beethoven-Fries. Dank des eintrittsfreien Familientags ist solche Rosinenpickerei auch ökonomisch vertretbar.
Ein Bild wie das obere bekommt mensch in Bildbänden oft besser zu sehen. Und ist von daher eigentlich verzichtbar. Was seltener zu sehen ist, sind Aufnahmen der Details (nebenstehend), und die mache ich immer wieder und gerne. Ich schaue sie mir gerne an und versuche, daraus zu lernen. Oder einfach nur Spass daran zu haben.
Es kommt, wie es immer kommt, ich schaue mir auch die beiden anderen aktuell gezeigten Künstlerinnen an. Und – wie oft bei zeitgenössischer Kunst – verstehe sie nicht. Leider sind hitzebedingt nichteinmal Kapazitäten für eine angemessene Verstehensbemühung frei. Kann ich mit leben.
Der Prater, denke ich mir, sollte von jeder Verstehenforderung frei sein. Und drumherum sind mir grüne Freiflächen versprochen. Um es vorwegzunehmen, diese Flächen erreiche ich nicht, der Prater ist zu groß. Und überhaupt ist Prater nur eine eingeschränkt gute Idee. Vor allem ist er im Gegensatz zu den Museen nicht klimatisiert. Das Phone zeigt 35° Grad in Wien, ich glaub’s. Und es ist sehr leer, andere scheinen da, im Gegensatz zu mir, mitgedacht zu haben. Wenn mensch in einem Vergnügungspark nichtmal den anderen beim Sich-vergnügen zuschauen kann, ist das nicht vergnüglich. Und gibt auch fotografisch kaum was her. 
Kurz, ich bin vom Prater unterwältigt und früh auf dem Weg nachhause. Dabei komme ich am Meiselmarkt vorbei, einer Kleinmarkthalle, in der ich dann tatsächlich noch ein wenig – und mit Vergnügen – bummele.
Gegen sechs zuhause hole ich erstmal eine Stunde Schlaf nach. Anschließend vergeht viel Zeit damit, die gesammelten Eintrittskarten einer Woche auf einem Blatt Papier zu arrangieren und festzukleben. Und Bilder anzuschauen. Und zu bloggen. Und einfach Ruhe zu halten.
27.6.26, Samstag
Heute ist Pausentag, ich beschließe das noch im Bett liegend. Müsste ich das begründen …, nun, die letzten Tage gab es immer wieder Dinge, die ich aufgeschoben habe. Kleinigkeiten nur, die Fotos heraussuchen und aufbereiten, einen Sketch colorieren, den Monatsabschluss vorbereiten, etwas Recherche für die letzten Tage. Alles Zeug, von dem ich einerseits nicht sicher bin, ob ich wirklich einen Wientag damit vertrödeln will, und andererseits denke, dass auch das ein vollwertiger Wientag ist.
Und dann gibt es da den berechtigten Nebengedanken, ich könnte mich rein input-mäßig etwas überlastet haben. Auf mich allein gestellt fällt mir außer Kultur erstmal wenig ein und mangels Reisebegleitung fehlt der Ausgleich an dieser Stelle. Irgendjemand, der/lieber-die mir sagt, dass Kultur gerade mal genug ist und stattdessen die Füße still in die Donau gehalten werden. Und das Abendessen nicht nur dem Sattwerden dient, sondern auch der gemeinsamen Verarbeitung des Erlebten.
Und so verbringe ich den Tag in der Wohnung und beschäftige mich mit all dem, womit ich mir und der Welt erkläre, wer ich bin. Oder gerne wäre. Die Übergänge sind fließend.
Erst gegen halb acht habe ich mich durch alles durchgetrödelt und bin soweit „normalisiert“, dass ich beginne, mich zu fragen, womit ich mich davon ablenken könnte, ich zu sein. Zum ersten mal in diesem Urlaub schaue ich die aktuelle Episode einer von mir verfolgten Serie.
Ab morgen dann wieder Wien. Und wenn die Zeit reicht, kommen die Füße in die Donau
28.6.26, Sonntag
Tja, mit der Hochkultur wird das nichts mehr in diesem Wienaufenthalt. Die Idee war, im Belvedere die Dauerausstellung, vor allem aber Klimt zu sehen. Dort angekommen ist der nächste Time Slot in eineinhalb Stunden frei, dauert auch genau so lange und kostet ermäßigt fünfundzwanzig Euro. Das sind mindestens zweieinhalb Gründe, auf den Besuch zu verzichten.
Stattdessen setze ich mich in der Nähe des [Ticket Shops, Ticketshops, Ticket-Shops, also des] Kartenladens in den Schatten eines Baumes und sketche.
Kleine Geschichte dazu: als ich beginnen möchte, bemerke ich, dass ich Brille und Schreibgerät vergessen habe. Erstere verzichtbar, letzteres nicht. Interessant, denke ich mir, dass ich immer dann ans Sketchen denke, wenn es nicht geht. In kurzer Zeit reift der Entschluss, dass ich mich dieses Mal nicht so einfach davonkommen lasse. Also zurück und in den Gift Sh…, den Museumsladen und einen Bleistift gekauft. Kurze Irritation, weil die unangespitzt verkauft werden, aber das Verkaufspersonal ist hilfreich und spitzt ihn mir an. So komme ich trotz etlichem Widerstand zu meinem dritten Sketch in diesem Urlaub.
Danach spaziere ich noch ein wenig auf dem Gelände herum. Wenn mensch es denn so nennen möchte. Denn eigentlich gehe ich von einem Schatten zum nächsten, das Phone zeigt 38° Grad in Wien und meldet – als ich versuche, es in der Sonne zu benutzen – kurz an, es möchte abkühlen. Nun ja, es hat einen schwarzen Pelz. Wir können das alles nicht mehr so richtig genießen, wir zwei.
Ortswechsel mit Straßen- und U-Bahn, es geht zur Donauinsel. „Insel“ weil überall drumrum Wasser ist, aber eigentlich ist ein 21 km langer schmaler Streifen Land, der rechts und links von der Donau umflossen wird. Da die Donau anscheinend sauber genug ist, um darin zu baden, wird das auch ausgiebig getan. Es gibt Büdchen, Trinkwassersäulen und Toiletten, es wirkt wie eine Mischung aus Freibad und Badesee. Und ist an einem Tag wie diesem mehr als gut besucht. Denoch wirkt es nicht überlaufen. Alles sehr angenehm und mit großstädtischer Kulisse am gegenüberliegenden Ufer.
Am frühen Nachmittag habe dann auch ich ein lauschiges Plätzchen gefunden, an dem ich beschattet sitzen und die Füße ins Wasser halten kann. Was ich dann auch längere Zeit mache.
Irgendwann habe ich lange genug gesessen und schließe mit den Füßen in der Donau den Wienbesuch innerlich ab. Ab jetzt, so sage ich mir, bin ich auf dem Heimweg. Klar, ich muss noch eine Nacht in der Unterkunft verbringen und morgen nach dem Check-out auch noch einige Stunden in Wien, aber so richtig wird das alles nicht mehr zählen. Gerade morgen ist Wien betreffend nur schwer planbar, da alles davon abhängen wird, ob ich am Bahnhof irgendwie mein Gepäck loswerde. Meine Erfahrungen mit den Möglichkeiten der Gepäckaufbewahrung sind eher schwierig. Ihr werdet davon lesen.
29.6.26, Montag
Zehn Uhr, um zwölf ist Check-out. Ich klappe das Tablet zu und beginne zu packen und aufzuräumen. Vermutlich werde ich mehr als 24 Stunden nicht zum Schreiben kommen und ebenso vermutlich werde ich den Tag hier – also nicht im Eintrag von morgen – zu Ende erzählen. Bis dann.
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Um eins ist die Reisetasche im Gepäckschließfach, der Reiseproviant eingekauft und die Haltestelle des Busses gechekt. Gegenüber ist ein Café, nur für den Fall, dass ich viel zu viel Zeit übrig habe.
Der Plan ist, den Tag in der Nähe des Bahnhofs zu verbringen, irgendetwas Interessantes wird es doch zu sehen geben. Gibt es immer, mensch darf halt nicht zu wählerisch sein. Zeigt sich: heute bin ich’s. Viel laufen will ich bei kuscheligen 37° Grad im Schatten auch nicht, da wird’s sightseeingtechnisch eng um den Bahnhof herum.
Blöderweise falle ich auf Städteplaner-Sprech herein. Der nahe Park mit Spielplatz, Gastronomie, Wasserstelle und öffentlichen Toilette (also allem, was ein Plan-C-Tag dann doch noch bieten sollte) wird sein volles Potential frühestens in einem Jahrzehnt entfalten können. 
Fünfundzwanzig Fußminuten sind es bis zum Schloss Belvedere. Dort gibt es ein lauschiges Plätzchen, ich weiß das, weil ich gestern dort war. Laufen blöd, Hitze blöd, schon dort gewesen blöd. Trotzdem. Wenn schon blöd, dann wenigstens im Schatten und mit halbwegs netter Aussicht.
Und da bin ich jetzt.
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Der Nachmittag und frühe Abend vergeht an diesem und anderen schattigen Orten auf unspektakuläre Weise. Kurz „aufregend“ wird es erst, als sich der Bus zwanzig Minuten verspätet. Aber eigentlich kein Ding, selbst mit ’ner Stunde Verspätung würde der nächste Umstieg noch klappen.
Gehen wir also davon aus. dass die beiden Umstiege funktionieren und ich morgen gegen zwölf in Gießen ankomme. Und um eins wieder zuhause bin.
Wien Ende.