25375 – Rahmen und Farbe

Mit meinen „2-Minuten-Schnellkopien“ habe ich anscheinend einen Punkt bei mir getroffen. Sie machen mir Spass und ich bin mit den Ergebnissen zufrieden. Heute so:Zugegebenermaßen keine große Kunst, nichtmal kleine, aber der bisherige Sieger im Zeit-Leistungs-Test, viel gutes Gefühl für wenig Einsatz. Und sagen wir als handgemalte Geburtstagskarte für einen befreundeten Menschen …, der würde sich doch freuen.

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Der Künstler, den ich da aus einem Bildband kopiere, heißt Otto Müller. Über den gibt es bei Wikipedia einen Artikel, der auch Kritik mehr als andeutet:

Eine kritische Aussage in der Ausstellung stellt fest, dass Muellers nackte Frauenkörper als „sexualisierend und objektifizierend“ aufgefasst werden könnten. Nach einer anderen Aussage seien Muellers Bilder von Sinti und Roma eine Fortführung herkömmlicher Stereotype über diese Volksgruppe.[8]

Letzteres ja, ersteres nein, solange ich auch draufschaue. Im Gegenteil, was mich an seinen Bildern fasziniert, ist die Beiläufigkeit der gezeigten Nacktheit. Es ist die Nacktheit der – gelegentlich als prüde beschimpften – FKK-Strände, nicht der Spelunken und Bordelle. Wikiart zeigt viel von seinem Werk, am besten, Ihr macht Euch selbst ein Bild.

Eigentlich zeigt Wikiart sogar zuviel von seinem Werk. Otto Mueller hat durch seine Frau Maschka sein gesamtes Frühwerk (überwiegend Ölbilder) verbrennen lassen. Erhalten sind nur gelegentliche Fotografien und was sich nicht mehr in seinem Besitz befand. Er hat sich mit diesen frühen Bildern, trotz technisch überzeugender Ausführung, nicht mehr identifiziert. Dass durch die chronologische Anordnung seiner Bilder auf wikiart, die wenigen erhaltenen Frühwerke den Rest des gezeigten „framen“ kommt mir falsch vor.

Wenn Euch also an den von mir gezeigten Skizzen irgendwas „sexualisierend und objektifizierend“ vorkommt, dann bin ich das, nicht Otto. Sorry, ist nicht so gedacht, aber im Zweifel nehme das mit Bedauern auf mich.

2 Kommentare zu „25375 – Rahmen und Farbe“

  1. Oha. Nach heutigem Bewusstsein (oder konkret meinem) ist das tatsächlich, wenn auch ästhetisch durchaus ansprechend, ziemlich grenzwertig. Aus gleich mehreren Gründen. Nichts spricht gegen FKK oder die Aktmalerei, da hab ich nichts gegen. Schwierig sind hier, jedenfalls für mich, teilweise die Bildtitel. „Tänzerin mit Schleier“ geht soweit klar, warum die nackt sein muss, kann man sich schon fragen an der Stelle – aber der Nachsatz „von einem Mann beobachtet“ stellt halt ganz klar einen sexuellen Kontext her, eine männliche Perspektive, die weder mit Tanz noch mit Identität oder sonstigen Kernthemen, die dem Mann so unterstellt werden, etwas zu tun hat. Ist okay, wenn man das als erotische Malerei kennzeichnet, sonst eher nicht.
    Mädchenakt finde ich auch schwierig, man sollte keine Aktzeichnungen von Mädchen (oder „Knaben“) machen, allenfalls von Frauen und Männern – und auch die nur, wenn die Frau nicht jung und der Maler nicht rein zufällig ein vergleichsweise alter Mann ist. Da ist die Gewichtung im Gesamtwerk allerdings ganz klar. Und beiläufig ist Nacktsein auch nicht mehr, wenn es gefühlt dreiviertel des Gesamtwerkes prägt – das ist schon fast eine Fixierung, egal wie man das dann ästhetisch umsetzt.
    Also ja, ich empfinde manche dieser Bilder auch als durchaus sexualisierend und objektifizierend, störe mich allerdings daran etwas weniger als daran, dass es in aller Regel Mädchen und keine Frauen sind, die diesen Menschen so faszinieren. Das hinterlässt ein ganz ungutes Gefühl, was möglicherweise individuell anders ist.
    Fazit: Schön, dass du diesen Gedankengang, der ziemlich wichtig ist für die Rezeption, aufgegriffen hast. Finde ich gut. Und: Die Kopien sind wirklich ansprechend, ganz unabhängig von den Gedanken, die mensch sich jetzt so drumherum vertiefend gemacht hat.

  2. Hi, jetzt bin ich doch sehr froh, dass der Kommentar von Dir kommt und nicht von jemandem, den ich nicht kenne. Denn natürlich war mir klar, dass ich mit meinen wenigen Zeilen einen ganzen Strauß von schwierigen Themen berühre. Themen, die, will mensch eine konstruktive Diskussion darum führen, nur mit maximalem gegenseitigen Wohlwollen zu bewältigen sind. Meint: weder schriftlich noch im Internet. Dich kann ich auf eine persönliche Begegnung vertrösten, ohne dass Du das als Ausweichen betrachtest (hoffe ich zumindest).

    Bis dahin gilt, dass ich meinen Beitrag als Hinweis auf eine Thematik und mein Bewusstsein dieser Thematik verstanden haben will. Es geht mir nicht um Klärung, daran haben sich schon andere vor uns erfolglos versucht. Es geht mir um Empfindung. Ich möchte sagen: “Es gibt da diese Kritik XY, die ich nicht nachvollziehen* nachempfinden kann. Ich sehe stattdessen etwas anderes. Ich empfinde das anders.” Und sofern ich mich in einem (Gesprächs-)Raum befände, der Zwischentöne und Vertrauen zuließe, würde ich diese Empfindung auch verteidigen. Aber mehr wie ein Angebot.

    Also, wenn’s Dich bei unserem nächsten Treffen noch interessiert, gerne. Oder auch am Telefon. LG g.

    *Schönes Beispiel wie bei schwierigen Themen oft kleine Ungenauigkeiten große Unterschiede machen. Denn natürlich kann ich die Kritik nachvollziehen (ich weiß, worauf die Kritiker sich beziehen, käme in Bezug auf andere Künstler vielleicht zu einem ähnlichen Schluß, finde den Schluß sogar halbwegs plausibel), allein ich fühl’s nicht, ich kann es nicht nachempfinden.

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