25374 – Limitierungen

Ich habe Euch schon sehr lange nichts mehr von meinen Zeichenübungen gezeigt. Das hat verschiedene Gründe, einer der wichtigsten ist, dass Fotos selbst von subjektiv gelungenen Sachen gnadenlos alle Fehler aufdecken (obwohl ich noch nicht ganz verstehe, warum das so ist). Ich mag das dann nicht mehr zeigen. Zum anderen kommt es mir gerade so vor, als ob ich keine Fortschritte mehr mache. Diesem Gefühl, auf einem Fähigkeitsplateau festzustecken, begegnen Künstler und Kunstlehrer damit, harte Limitierungen einzusetzen. Diese Limitierungen können alles betreffen, Technik, Palette, Material, Zeit, You-name-it. Mich erinnert das sehr an paradoxe Interventionen oder Symptomverschreibungen in der Therapie, es geht darum absichtlich „schlechte“ Kunst zu produzieren.

Ich habe mich heute mit einer Zeitvorgabe limitiert, außerdem mit ungeeignetem Material (Vokabelheft und dicker Filzer, so wie ganz zu Beginn meiner Übungen). Meine selbstgestellte Aufgabe: Vier Motive von Otto Mueller „schnellkopieren“, bedeutet: zu schauen, wie weit ich innerhalb von zwei Minuten mit einer Skizze der Vorlage käme.

Das sieht dann so aus:

Mensch sieht, schlechte Kunst kann ich gut! Nein, quatsch, mensch sieht, dass in jeder der Skizzen das Potenzial steckt, etwas halbwegs Überzeugendes zu machen. Was zu beweisen wäre, gerade die letzte Skizze des Liebespaares war so unfertig, dass ich es nicht dabei belassen konnte. Eine geschätzte halbe Stunde später sah die Schnellkopie dann so aus:

Das ist nicht richtig gut, aber auch nicht wirklich schlecht. Ich bin zufrieden.

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