25312 – #hdnazt Februar 2026

Jeden Fünften gibt es hier #wmdsdgt, jeden Zwölten #12von12 und am Monatsende den Rückblick, #widgtsm. Der Mensch braucht Struktur.

Der Fünfte, der Zwölfte, was liegt näher, als am Neunzehnten etwas zu starten, von dem ich mir erhoffe, dass es regelmäßig erscheinen könnte. Ladies and Gentleman, ich präsentiere: #hdnazt, hast du nichts anderes zu tun?

Um die Frage zu beantworten, doch! Aber …

Mein erneuter Einstieg in Fallout 4 hat als Nebenprodukt ein „Fallout-Tagebuch“ hervorgebracht, das sich in Teilen liest wie das, was auch sonst hier so steht, nur interessanter und aufregender, trotzdem gelegentlich auch langweiliger. Die Gewaltspitzen habe ich bis jetzt aus meinem Vorrat an Euphemismen kaschieren können, obwohl eine etwas unverblümtere Ausdrucksweise vieles einfacher machen würde, z.B. „Raider wegballert!“, manchmal ist genau das der treffende Ausdruck.

Begonnen habe ich die Einträge, weil ich von meinen ersten Spielversuchen weiß, dass es manchmal schwierig ist, den Überblick über den eigenen Lebensweg zu behalten, es geschieht so viel, manches nur zufällig, anderes geht vergessen (im Spiel, geh‘ mir weg mit schiefen Lebensweg-Metaphern …, obwohl …).

Meine Stammleser wird das mit einer einzigen Ausnahme nicht abholen, hier das virtuelle Tagebuch eines nicht einmal von mir geschaffenen fiktiven Charakters zu finden. Andererseits, wer hier Stammleser ist, hat schon Schlimmeres lesen müssen oder wollen.

Wenn Ihr vor nichts zurückschreckt, dann dürft Ihr hier 25312 – #hdnazt Februar 2026 weiterlesen

Abenteuer im Ödland (Fallout 3)

Kronkorken sind Ödland-Währung

18.4.2024
Morgens, angeregt durch die Serie, Fallout 3 installiert. Ich erstelle einen Charakter, der mir ähnlich sehen und sein soll, beides gelingt nicht (letzteres aufgrund eines Mangels an Selbsterkenntnis).

Erste mühsame Schritte, ich muss Konzepte entdecken, die jedem Zwölfjährigen selbstverständlich sind (Ein voller Rucksack macht schnell müde! Die Waffe muss zum Feind passen!). Oder der Eso-Tante von nebenan (Es gibt Karmapunkte!). Oder dem Philosophie-Student von gegenüber (Mein Wissen über die Welt ist zwingend unvollständig!). Und: Jede einzelne dieser Erkenntnisse lässt sich mit Zwölf wesentlich besser ignorieren.

Tagsüber Tagewerk, abends nochmal dran. Gegen zwei Uhr nachts bin ich endlich „in der Welt“, meint: Moudubi – mein Alterego im Spiel – verlässt den unterirdischen Atomschutzbunker, in dem er geboren wurde und betritt zum ersten Mal die Erdoberfläche. Wir beide, Moudubi und ich, haben einiges richtig und anderes falsch gemacht. Soviel Zeug wie möglich aus dem Bunker herausgeschleppt (ich will damit handeln), im Ergebnis aber total außer Kräften (und keine Ahnung, wie ich sie regeneriere). Angeschlagenes Karma wegen eines gebrochenen Versprechens.

Moudubi ist draußen, ich gehe schlafen.

19.4.2024
Noch im Bett lese ich den Wikipedia-Artikel zum Spiel, ich brauche mehr Infos. Jetzt habe ich mehr, als ich brauche. Moudubi und ich werden einiges auszuprobieren haben.

Aber erstmal alles (nein, eigentlich nur ein wenig) aufschreiben. Für Euch.

<O>

Es schließt sich ein Spiel-Marathon an, den ich noch gestern aus rein körperlichen Gründen für unmöglich gehalten hätte. Mit Ausnahme der Mahlzeiten sitze ich  näherungsweise zwanzig Stunden vorm Bildschirm. Moudubi schlägt sich tapfer unter ungewohnten Umständen. Wer hätte gedacht, dass man Supermutanten am Besten mit einem Stachelschlagring beikommt. Vor den Mirelurks, mutierten Pfeilschschwanzkrebsen,  läuft er regelmäßig weg, Konfliktvermeider, der er ist. Obwohl da auch mit Splittergranaten was geht.

Ähnlich verstrahlt, wie die Welt, in der er lebt, sitze ich vorm Bildschirm und lerne in kleinsten Schritten, wie ich sein Tun von außen anleite. Dabei stirbt er tausend Tode. Sorry, das muss so.

Wie im wahren Leben fange ich etwas anderes an, wenn ich an einer Stelle nicht weiterkomme. Dicke Bretter werden erst in der Wiedervorlage gebohrt. Im Ergebnis ist Moudubis In-der-Welt-sein recht unfokussiert. Er verspricht jedem und jeder Hilfe und verliert sich in ausufernden Nebenhandlungen (frühere Spieler mussten die als Erweiterungen kaufen, heute werden die einfach zum Angebot dazugepackt). Glücklicherweise unterstützt ein am Unterarm getragener mobiler Computer ihn (und mich) in der Verfolgung seiner verschiedenen Aufgaben, auch hier wie im wahren Leben, ohne ToDo-Liste ginge die Hälfte vergessen und was gerade dran ist, bestimmt die Tageform.

20.4.2024
Die heutige Tagesform ist nach einer durchgespielten Nacht recht durchwachsen, das war vorherzusehen. Ich gehe jetzt mal meine Skills in Holzbearbeitung hochleveln. Grobzeug heute, das gibt Stärkepunkte.

Daneben beschäftige ich mich natürlich (?) weiter mit Fallout. Ich weiß zu wenig über alles, im allgemeinen und im speziellen. Das Internet hilft, es gibt ein Wiki und selbst der künstliche Sprachverarbeiter gibt Tipps, wenn man ihn fragt. Ich erprobe diese Tipps aus dem gleichen Grund, warum ich „ihm“ das männliche Geschlecht zuteile, nämlich weil „er“ gelegentlich großen Unsinn mit noch größerer Überzeugung äußert. Zumindest in Bezug auf meine Frage ist „seine“ Antwort anscheinend richtig beantwortet (oder zumindest nicht offensichtlich falsch) und Moudubi kommt ansehnlich voran.

22.4.2024
Moudubi hat jetzt eine eigene Wohnung in Megaton und ist sehr froh. Wir sind uns da sehr ähnlich, mit den Jahren ist es lästig, wenn man nicht im eigenen Bett schlafen kann oder das Trinkwasser immer bei Freunden holen muss (lange genug erlebt auf dem Wagenplatz im Schlangenzahl). Jetzt ist mit der notwendigen Regeneration alles fein und die vielen Dinge werden alle einen definierten Platz haben (und ich möchte aus Erfahrung anmerken: zumindest anfangs).

25.4.2024
Ich Reise gerne, wenn auch selten. Moudubi oft und nicht so gerne, es ist scheißgefährlich draußen im Ödland. Seine Waffe kann gar nicht so groß sein, dass nicht einer mit einer noch größeren daherkäme. Kein Skill groß genug, um nicht doch an der nächsten Aufgabe zu scheitern. Ich bedenke meine handwerklichen Skills und nicke bedächtig.

<O>

Stichwort Reisen, ab morgen bin ich für vier Tage unterwegs. Das ist eine gute Gelegenheit, diesen Artikel abzuschließen und Euch schon jetzt zu verraten, dass es vermutlich keine weiteren zu diesem Thema geben wird.

Ich werde mit Sicherheit weiterspielen, Fallout zu spielen macht sehr viel Spass. Obwohl das Wort Spass es nicht richtig trifft, vielleicht wäre es besser zu sagen, es nimmt sehr ein. Heute Nacht habe ich davon, besser: darin, geträumt. Aber irgendwann ist die Dort-wie-hier-Metapher ausgelutscht.

Und, wichtiger noch, ich beschreibe hier ja auch meinen Serien- und sonstigen Medienkonsum nicht. Das ist einfach, was ich tue, wenn die beschreibenwerten Dinge gerade nicht stattfinden. Zu all diesen Ersatzbefriedigungen kommt jetzt  Fallout dazu. Es ist wie einst im Mai auf Monkey Island.

<O>

Wer wissen möchte, wie es mit mir im Ödland weiterging, schaut hier. Fast Forward nach 2026.