Mal wieder der 19., was so gar nichts bedeutet, da ich den 12. ausgelassen habe und auch der 5 …, ich weiß schon gar nicht mehr. Egal, der 19. ist für die Fallout-Sachstandsmeldung reserviert.

Mittlerweile weiß ich sehr zu schätzen, wie sehr mensch sich mit der Computerspielerei aus der Welt nehmen kann, und finde daran eigentlich nur eines bedenklich: wie sehr mensch sich damit aus der Welt nehmen kann.
Geschätzt spiele ich jeden dritten Abend (etwas mehr, als ich auf der systematischen Jagd nach den Wackelpuppen war) und halte das für vertretbar. Zumal mich die Beschäftigungen an den anderen Abenden ja nicht weniger, sondern nur anders, aus der Welt nehmen.
Ich tappere also regelmäßig durch diese andere Welt und bemerke so langsam, dass ich sie mir letztendlich einrichte wie die Welt, die ich kenne. Ich habe zuviel Zeug an zu vielen Stellen, aufräumen ist angedacht, aber letztlich gehe ich lieber leichteren Vergnügungen nach. Positiv formuliert habe ich große, ungenutzte Reserven.
Oder die Sache mit den Power-Rüstungen. Mittlerweile habe ich bestimmt zehn davon herumstehen, alle in Topzustand, einmal die gesamte Entwicklungslinie (okay, nur fast) und ein paar Sondereditionen. Power-Rüstungen sind in Bits gegossene Allmachtsphantasien, sie geben im Kampf einen entscheidenden Vorteil und manche Gegner werden dadurch, nun, vernachlässigbar. Der Träger einer Power-Rüstung ist in vielen Fällen „overpowered“, übermächtig. Bei mir stehen die Teile im virtuellen Zuhause herum und ich überlege, wie eine virtuelle Ausstellungshalle dafür aussehen könnte.
Ich bin an einen Kurs während meines Studiums erinnert, ich nenne ihn mal „Einführung in die Musik für Unmusikalische und alle, die sich dafür halten“. Nach einer Improvisationsübung, für die sich alle ein Instrument im großen Angebot des Musikraums heraussuchen durften, nahm mich die Musiklehrerin zur Seite. Sie halte es für bemerkenswert, sagte sie, dass ich mir das mächtigste Instrument im Raum heraussuchen würde – ich hatte die Tubular Bells ausgewählt -, um dann nur leise Töne damit zu spielen. Und ja, es ist wohl so. Ich mag es nicht zu dominieren, selbst wenn ich es könnte. Was zugleich bedeutet, dass ich hinter meinen Möglichkeiten zurückbleibe.
Das Spiel hat mich dafür bis jetzt nicht bestraft. Ich komme auch so mit den meisten Gegnern zurecht. Dort, wo nicht, bleibt es „spannend“. Im Spiel! Im wahren Leben bedeutet spannend ja gerne auch „die Nummer würde ich mir jetzt gerne ersparen, aber hey, so ist das Leben“. Um ehrlich zu sein, ich mag „spannend“ nicht.
Aber ich wollte ja die Übereinstimmungen mit dem wahren Leben beleuchten, nicht die Abweichungen. Dazu eine letzte und zugleich die aktuellste Beobachtung. Gestern Abend habe ich die letzte Voraussetzung dafür freigeschaltet, mir eine Power-Rüstung mit einem Jet-Pack auszustatten. Der Traum vom Fliegen könnte wahr werden. Okay, vielleicht nicht fliegen, aber sehr weit und hoch springen. Es kommt mir vor, als könnte das eine angemessene Verwendung für all die angesammelte Power sein. Mal rumkommen, an Orte springen, die sonst unzugänglich sind. Und sei es nur der Neugier wegen. Die Umgebung von einem höher gelegenen Standpunkt aus sehen. Distanzen leichter überwinden, neue Positionen einfacher einnehmen. Das alles kann doch Grund zur (Vor-)Freude sein.
Und kaum werden mir diese vorfreudigen Erwartungen bewusst, denke ich: „Naja, vermutlich wird Fliegen überbewertet!“ Scheiß Depression.
