25205 – Nervös

Morgen geht’s für sechs Tage ins Krankenhaus, entsprechend ist heute der letzte Tag der Vorbereitung darauf. Nachmittags besorge ich bei der Hausärztin die Einweisung und gehe Lebensmittel einkaufen, die ich ins Krankenhaus mitnehmen möchte. Beides zugegebenermaßen zum letztmöglichen Termin, was nicht an einem Mangel an Planung liegt. Gerade über die Lebensmittel habe ich lange nachgesonnen, frisches Obst, Nüsse, Müsli, Vollkornknäcke und ein paar andere Kleinigkeiten werde ich morgen in einer sehr, sehr vollen alten Schultasche dabeihaben. Ich habe große Bedenken in Bezug auf die Qualität des Essens dort und möchte die Freiheit haben, manche Mahlzeiten einfach stehen lassen zu können, ohne danach vom Hunger geplagt zu sein. Die Schultasche, nebenbei bemerkt, ist noch nicht gepackt.

Es ist Abend, ich bin müde vom Gang in die Stadt, aber mehr vermutlich davon, dem morgigen Tag entgegenzuwarten. Ich bin unruhig und von einer unklaren Sorge erfüllt, die nicht weiß, wem oder was sie gilt. Und auch wenn’s noch nie geholfen hat, ich leg‘ mich jetzt erstmal ins Bett, lese, vermutlich werde ich kurz schlafen, irgendwann wieder aufstehen und mein Zeug packen, auch das also zum letztmöglichen Zeitpunkt. Sei’s drum! Die Nacht wird kurz und unruhig werden, aufstehen gegen sieben, eine Stunde später holt mich A. für die Fahrt zum Krankenhaus ab. Ich melde mich von dort.

25204 – Gewerkel

Der Tag vergeht mit Dingen, die ich gestern schon begonnen habe. Da sind zum einen die Vorbereitungen für Krankenhausaufenthalt, Krankenhaustasche überprüfen, Nüsse und Müsli in ZIP-Beuteln vorportionieren, die Ear-Buds laden, so Zeug halt.

Zum anderen habe ich Wellpappe zugeschnitten, die den Bücherturm deutlich verändern soll. Im Bild seht Ihr oben, wie die Pappe genau in die viel zu dunklen Felder des Turms passt und diese abdeckt. Aber bei der Abdeckung soll es nicht bleiben, in einem nächsten Schritt werde ich die Pappen verändern. Bemalen, bekleben, besprayen, mit Stoff bespannen, vermutlich fällt mir noch mehr ein, wenn ich nur lange genug hinschaue. Es soll bunt werden.

25202 – Akte

Weil ich gestern die Thumbnails erwähnte und im Bild auch zeigte, will ich heute einmal das Original, meine Kopie davon und das dazugehörige Thumbnail nebeneinander stellen.

Rechts im Bild seht Ihr „Zwei hockende weibliche Akte“ von Otto Müller, links meine Kopie und von unten eingeschoben das Thumbnail. Die Original-Abbildung stammt aus einem Bildband zur Künstlergruppe „Die Brücke“, der auf meinem Esstisch liegt und in dem ich morgens gerade regelmäßig blättere. Und manchmal etwas daraus kopiere.

Seitdem ich versuche, mir näherungsweise naturalistisches Zeichnen beizubringen (verstanden als: man erkennt, was es ist, und es ist kein Icon, keine Karikatur, kein Comic und auch keine Abstraktion), schaue ich Bilder anders an, gelegentlich auch kritischer oder so, als hätte ich sie gezeichnet. Ich frage mich, was es ist, das das Bild zum „funktionieren“ bringt. Eine Frage, die ich nicht immer beantworten kann. Was ich aber festgestellt habe, immer wenn ich ein Bild mit meinen Mitteln kopiere, bekomme ich zumindest eine Teilantwort auf meine Frage.

Ein kleines Beispiel: Wenn Ihr meine Kopie mit dem Original vergleicht, könnt Ihr bemerken, das ich die umgebende Vegetation nicht bis ganz an die Figuren herangeführt habe. Das war keine Absicht, ich habe mich – ohne es zu bemerken – nicht getraut. Ich traue mich auch jetzt noch nicht, obwohl ich sehe, dass das Original besser funktioniert. Solche Bemerknisse führen mich dann oft zu einem weiteren Arbeitsschritt, ich kopiere meine Kopie auf dem Laserdrucker (das Gegenteil von „Vermeide Wiederholungen!) und teste auf den Kopien dann mögliche Veränderungen. Jugend forscht!

Die Geschichte mit den Thumbnails ist zufällig entstanden und ich behalte sie bei, weil auch hier ein Lerneffekt zu bemerken ist. Der Transfer in eine andere Größe erfordert immer mal wieder weitere Transfer-Leistungen, andere Strichstärken sind zu berücksichtigen, das Format ist anzupassen, manchmal passt es auch einfach nicht, manchmal kommt Farbe dazu, wo vorher keine war. Manche Erklärbären bezeichnen den künstlerischen Prozess als eine Reihe von künstlerischen Entscheidungen. Bedeutet: beim Transfer von der Kopie zum Thumbnail sind nocheinmal vollkommen andere Entscheidungen zu treffen. Die auch falsch sein können! Auch hier ein kleines Beispiel, die drei Akt-Thumbnails im Kreativkalender vom Oktober sind eine solche Fehlentscheidung, die Ausführung mit Filzstift lässt sie naiv errscheinen und bringt sie in die Nähe von Toilettenkritzeleien. Das Bleistift-Thumbnail von heute vermeidet diesen Eindruck und wirkt gekonnter (ich hoffe, das wird so bleiben, ich möchte noch ein paat vorsichtige Veränderungen daran vornehmen).

25201 – #widgtsm Oktober 2025

Dies ist der letzte Beitrag, der unter dem Tag #tagtäglich erscheint, denn heute ist das Jahr zuende, das ich jeden Tag einen Blogbeitrag schreiben wollte. Das ist gelungen und war als Experiment wertvoll. Die Artikel sind mit der Zeit kürzer und auch laxer geworden, manches war einfach nur Füllstoff, anderes Füllstoff, der für mich dann interessanter wurde, als ich ursprünglich dachte. Eine Erwartung hat sich nicht bestätigt, ich dachte über die Regelmäßigkeit würden sich mehr Dauerleser einstellen. Das war nicht so, mein Publikum ist seit Jahren im niedrigen zweistelligen Bereich und auch dort geblieben. Es sind wohl überwiegend Menschen, die mich persönlich kennen (Danke für Euer Interesse).

Wie’s weitergeht ist noch unklar, vermutlich ähnlich wie bisher, vielleicht fällt tageweise mal ein Artikel aus, vielleicht wechsele ich auf regelmäßige wöchentliche Artikel, die dann die ganze Woche abdecken, aufgelockert durch gelegentliche Themenbeiträge. Solange ich noch nicht weiß, wo die Reise hingeht, werde ich aber hier wie gewohnt weitermachen, erstmal also mehr oder weniger täglich.

<O>

Diesen Monat begann die „endgültige“ Besiedlung des Domes. Gerne hätte ich den Boden besser gehabt, aber es war abzusehen, dass sich damit der Einzug noch viel länger hinausziehen würde, weshalb ich beschloss, weniger perfekt und mehr im Dome zu sein. Wenn ich mich so umschaue, ist in den vier Wochen erstaunlich wenig passiert. Manche der wenigen Dinge, die ich eingeräumt habe, musste ich mehrfach verschieben, bis sie langsam ihren Platz fanden. Alles ist noch sehr provisorisch und wird es auch die nächsten zwei Wochen noch bleiben, danach – so sagt es der Monatsplan – wird das Bett gebaut und der Keiderschrank in den Dome geholt.

Dass es einen Plan gibt, ist Symptom einer zurückkehrenden depressiv gefärbten Stimmungslage. In einzelnen Beiträgen habe ich es schon erwähnt, mein wirklich, wirklich guter und aktiver Sommer hat sich spätestens Anfang Oktober verabschiedet und einer sehr bekannten Begeisterungslosigkeit Platz gemacht. In solchen Zeiten funktioniere ich am besten mit Plan. Kurz, ich arbeite mit gebremstem Schaum und die Dinge entwickeln sich nur sehr langsam.

Möglicherweise bekommt Ihr ein Gefühl für die Veränderung, wenn Ihr Euch den Kreativ-Kalender für Oktober (das Bid) anschaut und ihn mit denen der Vormonate vergleicht. Ich versuche darin, für jeden Tag ein Thumbnail anzufertigen, das entweder eine Verkleinerung einer größeren Arbeit ist oder zumindest eine Erinnerungshilfe womit ich mich mich im weitesten Sinn kreativ beschäftigt habe. Es gibt deutlich mehr Leerstellen und die Farbe geht mir metaphorisch aus. Gefällt mir nicht, ist aber so.

Zwei erwähnenswerte Ereignise gab es dennoch, eines der weniger schönen Sorte, eine Herzkatheder-Untersuchung, die letztlich mit bestmöglichen Ergebnis endete, und eine erfreuliche Vater-Sohn-Tour nach Dublin. Beides ausführlich genug schon beschrieben.

Wie immer, wer’s tagesgenau braucht, darf hier

25201 – #widgtsm Oktober 2025 weiterlesen