25433 – Wien Anreisetag

Heute ist der Tag, an dem ich abends nach Wien starte, gestern war der Tag, an dem ich gepackt habe, ganztägig. Wer hier schon länger mitliest weiß, dass bei solchen Gelegenheiten ersteinmal alles Mitzunehmende auf dem Bett landet und im zweiten Schritt in der Reisetasche. Diesen Prozess habe ich etwas verändert, es sind nun vier Plätze, an denen sich verschiedene „Themen“ sammeln. Klamotten sind immer noch auf dem Bett, Elektronik liegt auf der Kommode (Ladekabel bis Steckdosenadapter), Kreativzubehör auf dem runden Glastisch (Stifte bis Klebeband) und letztlich eine kleine Liste der Dinge, die innerhalb der letzten Stunde in den Rucksack oder die Reisetasche finden müssen (Notizbuch bis Hausschuhe). Diese neue Aufteilung begründet sich darin, dass – mit Ausnahme der Klamotten – alles erst heute in die Tasche kommt, weil es zumindest über Nacht, noch gebraucht wird.

Was auch zu dieser Vorbereitung gehört ist, das Ersatzfahrrad hinter drei bis vier anderen Ersatzfahrrädern aus unserem Fahrradschuppen zu zerren und auf Funktion zu überprüfen. Seit den letzten zwei Reisen benutze ich das Ersatzfahrrad für den Weg zum Bus hin und rückzus nachhause. Damit erspare ich mir die Öffis und Minimum dreißig Minuten Fußweg. Für das Fahrrad bedeutet das, dass das Fahrrad eine Woche bis zehn Tage irgendwo in Bahnhofsnähe herumsteht. Deswegen Ersatzfahrrad, eigentlich eine beschönigende Bezeichnung für Wegwerf-Fahrrad, niemals könnte es mein E-Bike länger als einen Notfall lang ersetzen. Von den ehemals drei Gängen geht noch einer und jedes Teil daran ist veraltet-alt und nicht nostalgisch-alt. Kurz, wer es klaut, braucht es wirklich. Ich hoffe, es ist dringend.

[Nachtrag und Spoiler: Nach dem Urlaub komme ich zum Fahrrad und der Sattel ist gestohlen. Ich befestige die Reisetasche auf den Gepäckträger, kann darauf auch sitzen und fahre so nachhause. Unbequem, aber besser als schieben.]

Heute also ist jede Kategorie von Reisezubehör schnell um tagesaktuelle Gegenstände ergänzt und eingepackt. Ich checke nocheinmal das Vorhandensein der Tickets in der App und weil ich ein Boomer bin (genauer ein Jones, anderes Thema) drucke ich sie auch aus. Wer sein erstes Phone in den frühen 50ern erhielt macht so etwas. Unnötig, aber unglaublich beruhigend.

Die meisten von euch werden diesen Text zu einem Zeitpunkt lesen, an dem ich hoffentlich schon in Wien bin. Die frühesten dürfen mich gedanklich im Bus begleiten, schlafend oder lesend. Wer unmittelbar nach Erscheinen liest trifft mich vielleicht in Karlsruhe, wo ich eineinhalb Stunden Aufenthalt habe. Wie-auch-immer, der nächste Beitrag kommt aus Wien.

25432 – #hdnazt Juni 2026

Die monatliche Fallout-4-Berichterstattung.Ich habe es letzten Monat schon angedeutet, das Spiel wird dem echten Leben immer ähnlicher. Nicht auf der Ebene der Geschehnisse, noch immer neige ich im Konfliktfall eher dazu, Menschen zuzuhören, als auf irgendeine Weise ihren Tod zu verursachen. Aber auf der Ebene dessen, wie ich diese Geschehnisse erlebe, wird es ähnlich. Es langweilt mich.

Das ist in den „todesverursachenden“ Aufgaben schwächer ausgeprägt, bisweilen kann es da auch mal richtig spannend werden, aber Fallout 4 ist weitaus mehr als „Gegner umballern“. Der Spielcharakter will ernährt werden, braucht Schlaf und allerlei Rohstoffe für den Siedlungsbau, nicht zuletzt Bottlecaps (Geld) um zu kaufen, was fehlt. Kurz, es ist der Alltag, der langweilt.

Beispiel: Mensch kommt nach einer riesigen Ballerei in der XY-Fabrik nachhause, im Gepäck Rüstungsteile und Waffen der Gegner, vielleicht auch ein paar interessante Kleidungsstücke, die mehr Glück, Ausdauer oder Beweglichkeit versprechen (was – Gegensatz zum echten Leben – tatsächlich funktioniert), darüberhinaus noch jede Menge Rohstoffe und, falls es wirklich gut gelaufen ist, auch ein paar Sammlerstücke, seien es alte Comics oder Robotermodelle. All das will jetzt abgelegt sein und wer auch nur einen Hauch von Ordnungssinn besitzt, hat schon lange vielzuviele Behältnisse und Rüstungsständer gebaut, in denen er die verschiedensten Kategorien von Dingen zum späteren Gebrauch sammelt. Allein die Aufgabe, das Mitgebrachte einzusortieren, dauert nun unangemessen lange, vom Spass-per-Zeiteinheit-Faktor her betrachtet. Außerdem müssen Entscheidungen getroffen werden. Was werde ich behalten, was werde ich verkaufen. Das ist nicht immer einfach. Wer in seinem Hauptquartier keinen Händler hat, muss jetzt nochmal los, das überfüssige Zeug verticken. Manchmal hat mensch soviel Zeug zum Verkauf, dass die Händler zuwenig Bottlecaps haben, also muss mensch zu einem zweiten oder dritten. Kurz: die Routineaufgaben verbrauchen viel Zeit und wer sich temperamentsbedingt nicht in diese hinein entspannen kann (ich hörte von Menschen, die es genießen zu spülen oder staubzusaugen) oder wenig Befriedigung aus dem Entwerfen von Ordnungssystemen oder Entscheidungsbäumen zieht, wird beginnen, sich zu langweilen.

Und dieses Beispiel zeigt in sich schon, was es zugleich beschreibt. Es ist viel länger als erwartet. Fast bin ich von der Beschreibung gelangweilt.

Und weil ich Langeweile gerade nicht so gut ertrage, weiche ich aus. Ich spiele weniger und breche auch einen Text mal eher unvermittelt ab.

25429 – Wo „bitte“ geht’s zum „lass“?

Sonntag Abend habe ich Euch von einer lange vergangenen Kunstaktion erzählt, in deren Verlauf die Worte „liebe“, „wunderbar“ und „ja“ im Gießener Stadtbild auftauchten. Hier nochmal das Bild von Sonntag, ich habe dieser Aktion etwas hinterher recherchiert.Die Information es hätte ein „hätte“ gegeben ist falsch, auch die „begierde“ in einer der Werkstätten des Stadttheaters gehörte nicht zur Aktion (worauf ich hätte kommen können, der Schrifttyp ist ähnlich, aber nicht gleich).

Jahre zurück habe ich schon eimal versucht, etwas über die Aktion in Erfahrung zu bringen. Damals ist mir das nicht gelungen. Heute ist mir mit Hilfe der KI meines Vertrauens gelungen, doch noch etwas herauszufinden. Die Worte wurden von der Künstlerin Roswitha Berger-Gentsch im Rahmen der Hessiale 2002, einer Landeskunstausstellung, angebracht. Insgesamt gab es fünf Wort-Bilder:

· „liebe“ (rot auf gelb) am Samen-Hahn-Haus
· „bitte“ an einer Garage in der Wetzsteinstraße
· „lass“ an einer Hinterhofwand an der Südanlage
· „ja“ in einem Hinterhof an der Rittergasse
· „wunderbar“ an der Bleichstraße

Die Serie hatte den Namen „Wunden sprechen“. Ziel war es nicht, diese Orte zu verschönern, sondern ihnen eine Stimme zu geben. Der Schriftzug „liebe“ wurde zum inoffiziellen Wahrzeichen der Stadt Gießen.

Eine der Quellen, ein Artikel in der Gießener Allgemeinen, beschreibt, „wie die ‚liebe‘ nach Gießen kam“ und noch etwas mehr drum herum. Wenn’s euch interessiert hier lang.

Von mir gibt’s nichts mehr, ich versuche jetzt, Bilder von „bitte“ oder „lass“ zufinden.

<O>

Und als Bonus das „hätte“, das es nie gegeben hat: