25313 – Meet Piper

Heute kann ich ein Thema aufnehmen, über das ich schon lange einmal sprechen wollte, Null- beziehungsweise Positivsummenspiele. Obwohl „Spiel “ im Namen vorkommt haben die einen mathematischen Hintergrund und sind im wahren Leben durchaus eine ernste Sache.

Ich will hier weder zu ernst werden, noch zu reale Bezüge herstellen, weswegen ich euch Piper vorstellen möchte. Piper ist nicht real, sie lebt im Ödland und hat sich mir dort in meinem unermüdlichen Kampf für das Gute angeschlossen. Sie bleibt in meiner Nähe und wenn ich mal wieder in eine Ballerei gerate ballert sie an meiner Seite mit. Es ist immer schön, gemeinsame Interessen zu haben.

Zu Beginn unserer Beziehung – die, das nur nebenbei, gänzlich frei von romantischen Anteilen ist – war sie für unser gemeinsames Hobby schlecht ausgestattet. also habe ich ihr meine zweitbeste Schutzkleidung und eine meiner dicksten Wummen gegeben. Zeigt sich bei erster Gelegenheit, dass sie sehr viel ökonomischer damit umgeht als ich. Sie hört auf zu schießen, wenn der Gegner tot ist, während ich oft triggerhappy weiter Munition verballere, weil ich in der Hitze des Gefechts nichts mitbekomme.

Wir geraten also in eine schwierige Situation, die Dank ihrer tatkräftigen Hilfe unerwartet schnell beendet ist. Gewohnheitsmäßig nehmen wir mit, was mitzunehmen ist und verticken das Zeug bei der nächsten Händlerin. Zeigt sich, die hat in ihrem Lager genau die Schutzkleidung (naja, sogar mit einem schickeren Aufdruck), die ich an Piper abgegeben habe. Am Ende des Tages stehe ich also mit einer superguten Montur mehr da, als ich zu Beginn  hatte. Und habe jede Menge Zeit und Aufwand gespart. Ich könnte zufriedener nicht sein.

Hätte ich Piper fragen können, ob sie weiß, was ein Nullsummenspiel ist, hätte sie vermutlich „nein“ geantwortet und sich dann verhalten, als ob sie es wüßte (und stattdessen Win-Win gespielt! Dank an Jule, die mich in den Kommentaren darauf hingewiesen hat, dass ich an dieser Stelle leicht mißzuverstehen bin.). Im wahren Leben ist das oft genau anders herum, deswegen hier mein Anliegen, mal die Begriffe zu klären.

Als Nullsummenspiel bezeichne ich – in Übereinstimmung mit mathematisch deutlich begabteren Spieltheoretikern – jede Situation, in der mein Gewinn dein Verlust ist. Oder umgekehrt. Nullsummenspiel heißt das, weil die Summe aller Verluste und Gewinne der Beteiligten immer Null ist. Wenn ich den Schutzanzug an Piper abgebe, habe ich einen weniger und sie einen mehr. Mathematisch ausgedrückt: (-1)+(+1)=0. Erinnert Ihr Euch, die Sache mit den ungleichen Vorzeichen, die immer Minus ergeben? Egal, wenn mein Gewinn gleich Deinem Verlust ist, kommt da immer Null raus. Und das will niemand.

Nullsummenspiele in Partnerschaften sind Beziehungsgift. Wo der eine sich durchsetzt, hat die andere verloren. Wenn ihre Bedürfnisse zu Lasten seiner gehen, ist das Ende vorprogrammiert. Wo freie Zeit gegen gemeinsame Zeit aufgerechnet wird, ist Nullsummendenken im Spiel. Bei der Frage, ob es im Urlaub ans Meer oder in die Berge gehen soll, sind wir bei einem Nullsummenspiel und meinen Eltern. Schlechtes Beispiel, die waren nämlich umständehalber bis zu ihrem Lebensende zusammen. Aber mit Piper wäre das nicht zu machen.

Was wir also wollen ist das Positivsummenspiel, jede und jeder soll gewinnen, Win-Win ist das Ziel. Vorläufig aber stecken wir fest, selbst wenn wir den Zeit- Bedürfnis- oder Durchsetzungskuchen sauber halbe-halbe aufteilen, vermeiden wir nur Verlust oder Gewinn, sind also immer noch im gleichen Nullsummenspiel, der gleichen Denke, der gleichen Geisteshaltung. Gewonnen hat da noch niemand, nicht einer, zwei schon gar nicht. Zugleich auch nicht verloren, mensch kann so leben. Wenn das zuwenig ist, hilft nur eines, die Situation zu verlassen. Denn eines sollte deutlich geworden sein, innerhalb des Spiels ist der beste Zug, es nicht zu spielen. Zu spielen bedeutet Gewinn und Verlust zu erleben.

Wie also die Nullsummendenke verlassen und zur Win-Win-Denke kommen, (-1)+(+1)=0 lässt sich ja nicht zu (+1)+(+1=(+2) umstellen. Es ist offensichtlich: wir müssen etwas hinzufügen. Die Nicht-mathematische Welt hat für dieses Etwas verschiedene Namen, nicht zuletzt, weil es eher Etwase sind, also bei näherer Betrachtung verschiedene Dinge, die da hinzukommen. Um nur ein paar davon zu nennen: Kooperation (vor Konkurrenz), Vertrauen(svorschuss), Kommunikation (die sich nicht in die Position verrennt, sondern das dahinterliegende Interesse erkennen und befriedigen will), Synergien, langfristiges Denken.

Kurz: das Positivsummendenken geht davon aus, das die Summe des Ganzen (z.B. eines Paares) größer ist, als die Summe seiner Teile. Anders ausgedrückt: die Kombination der Talente einen höheren Wert schafft, als wenn beide für sich allein mit ihren begrenzten Ressourcen kämpfen. Durch diese gemeinsame Wertschöpfung kann es auch gelingen, von einem Mangeldenken weg- und zu einem Fülledenken hinzukommen.

Stichwort „hinzukommen“, wie mensch seine Nullsummen-Geisteshaltung gegen eine Positivsummen-Denke austauscht, ist ein größeres Faß, dass heute nicht aufgemacht wird. Ich vermute, Ihr habt genug zum Nachdenken und -recherchieren, falls Euch das Thema irgendwie anspricht.

Was Piper und mich betrifft, wir ballern weiter.

 

25219

Mit jedem Tag nimmt das Umzugschaos um mich herum zu. Heute den Apothekerschrank in der Wagenküche ausgeräumt und in den Dome gebracht. Alles, was darin war, hat noch keinen neuen Platz. Und kann kurzdristig auch keinen haben, weil die Kücheninsel erst gebaut werden muss. Irgendeine Übergangslösung wird sich finden, aber es zeichnet sich schon jetzt ab, dass die Zubereitung der Mahlzeiten vorläufig etwas unbequemer sein wird.

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Jahrestag, nichts vergessen, alles vergeben.

25174 – Mandalas mal wieder

Das mit dem Aufschreiben ist ja so eine Sache. Kaum ist eine Aufgabe aufgeschrieben will sie auch erledigt sein. Als ich letzte Wochen die Mandala-Skizzenbücher in den Dome räumte, war mir aufgefallen, das eines, das letzte, bis heute nicht fertiggestellt ist. Ich setzte das auf meine Mach-ich-mal-wenn-mir-sonst-nichts-einfällt-Liste. Und vergaß es bis heute.

Eines der Deckblätter ist noch nicht in das dazugehörige Umschlagpapier eingeschlagen und, ich erinnerte mich langsam wieder, aus irgendeinem Grund fehlte damals schon die Spirale des Spiralblocks. Es gab die Idee, sie mit Kupferdraht nachzubilden, fällt mir ein. Irgendwann ist dann wohl miteinander vergessen gegangen.

Die Mandalas dieses Buches sind mit wenigen Ausnahmen aus den Jahren 2000 bis 2003 und decken thematisch genau eines ab, die Beziehung zu D.. Der passende Umschlag dazu sollte aus einem braun-grünen Geschenkpapierbogen im aufgedrucktem Pepita entstehen, ein Vorhaben, das über zwanzig Jahre später noch immer nur zur Hälfte umgesetzt war. Aber – soviel Ordnung muss sein – alles sauber beieinander in einem Pappumschlag bei den anderen Mandalas.

Dieses pepitagemusterte Geschenkpapier hat eine kleine Geschichte, es wanderte wie ein Running Gag mehrfach zwischen mir und D. hin und her. Wer auch immer von uns gerade im Besitz dieses mehrfach gebrauchten Bogens war (der aber beständig an Größe verlor), verwendete ihn beim nächsten Anlass wieder. Und irgendwann zog ich ihn dann endgültig ein, gerade noch groß genug für den Zweck des Umschlagseins.

Heute hat dieser Bogen dann nach zwanzigjähriger Wartezeit seine Erfüllung gefunden. Mit einer kleinen Improvisation, denn die Idee mit der Kupferdrahtspirale wollte ich nicht mehr umsetzen, das Skizzenbuch ist nun mit drei Gardinenröllchen „gebunden“.  Bei Gelegenheit werde ich diese durch passend-große Schlüsselringe ersetzen, zugegeben das könnte auch bedeuten: in zwanzig Jahren oder nie.

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Fast vergessen, nach dem ich meine kleine Bastelarbeit beendet hatte, habe ich noch etwas „gebuchhaltert“. Zu den Skizzen-Blocks gehören zwei Kladden, in denen ich zu jedem Mandala das Datum und anderes, was mir gerade bemerkenswert dazu erscheint, vermerke. Das ist manchmal fast nichts und manchmal eine kleine Legende, oft genug wenigstens eine Assoziation. Zu den letzten elf Mandalas fehlten diese Einträge und nach so langer Zeit ist da auch nichts mehr zu erinnern. Dennoch, auch „buchhalterisch“ bin ich jetzt aktuell, sogar die ganz aktuellen Mandalas – in diesem Sommer sind drei hinzugekommen – haben jetzt ihren Eintrag.

Fun Fact: Einst hielt ich es für eine realistische Idee, 1000 dieser Mandalas zu zeichnen oder sonstwie im Format 18 x 24 cm abzubilden. Stand heute bin ich bei 321.

25159 – Heute besteht der Teufel auf Brot

Entwurf für die Doppelseite eines Copy-Druckdings, das wir heute als Perzine (Personal Zine) bezeichnen würden. Wurde nie fertiggestellt, gut so, wäre mir im nachhinein vermutlich nur unangenehm.


Wir waren damals™ – der Entwurf ist von 1981 – jung, dumm, unempathisch und geil. Alles sehr unfreie Zustände. Wir spürten das und wollten nicht so sein.

25120 – Als ob …

Ein Montag, wie ich mir den gestrigen Sonntag gewünscht hätte. Es ist sonnig, ich sitze auf der Terrasse, lasse den Tag langsam beginnen. Ein C-Falter kommt vorbei und lädt mich zu einer Foto-Session ein, „C-Falter auf Zeh“.

Ich lese etwas, aber im Hinterkopf habe ich noch den Traum letzter Nacht. Ich träumte von Tine, mit der ich Mitte der 70er Jahre und auch im Traum zusammen war. Wir küssten uns; ich erwachte nur sehr widerwillig.

Ich habe selten Träume, die ich mir merken kann, noch seltener solche, die etwas bedeuten. Aber aus den seltenen und bedeutsamen Träumen habe ich gelernt, wie ich Themen oder Personen variiere, wenn ich aus unbekannten Gründen nicht Klartext träumen kann. Heute allerdings versagt meine Hobby-Traumdeuterei. Die Nähe von Tine und Tini ist offensichtlich genug und ein Blick auf das Datum zeigt, dass wir ziemlich genau vor einem Jahr für eine kurzen Spätsommer zusammenkamen. Darüber hinaus gibt es wenig Ideen, denn auch im Traum ist wenig geschehen. Wir sind auf einer WG-Party im 70er-Jahre-Setting und küssen uns. Es ist ein Kuss, der für sich steht, der weder auf eine vergangene noch eine zukünftige Beziehung hinweist, der lustvoll ist ohne zu drängen, der im Moment verweilt.

Und während ich dies schreibe, überlege ich, ob es nicht ein sehr „abstrakter“ Kuss ist, einer, der nicht auf eine Person oder ein konkretes Wünschen bezogen ist, sondern in allgemeinster Form auf libidinöse Wünsche verweist. „Libidinöse Wünsche“ klingt schonmal abstrakt genug.

Konkret: Die Geschichte mit Tini ist überwunden, auch wenn es ein ähnlich zäher und widerwilliger Prozess war, wie das Erwachen aus dem Traum heute morgen. Ich werfe ihr nichts vor und hoffe, dass das umgekehrt genauso ist. Soweit ich mich in ihre Perspektive versetzen kann, hat sie alles richtig gemacht (Stimme aus dem Off: „Naja, fast!).

Meint: ich erlebe mich – wieder – als zugänglich für Akte freundlicher Zuwendung und entwickle darüber mal einen ernsthaften Crush, mal eine kurzlebige Phantasie. Nichts davon verfolge ich ernsthaft, auch deswegen, weil zu den bereits vorhandenen roten Flaggen ein paar neue hinzugekommen sind. Obwohl es für den Moment die alten durchaus tun: keine Frauen in bestehenden Beziehungen und keine zu zu jungen Frauen.

Ein für mich neuer und bemerkenswerter Standpunkt dazu kommt von meiner Therapeutin. Während sie einerseits die roten Flaggen als solche nicht in Frage stellt, rät sie andererseits „im Gefühl zu bleiben“, den Zustand des Bereit-seins als Wert anzunehmen und auch, mit besonderer Betonung, als Lebens-Zeichen.

Und so übe ich mich darin „im Gefühl zu bleiben“ und pflege eine kleine Als-ob-Verliebtheit, als könne sie sinnvollerweise irgendwohin führen. Erstaunlicherweise geht es mir trotz vorausgesetzter Vergeblichkeit gut damit. Ich kann zugewandt sein (bis hin zum Ausschluss Dritter), ohne bei mir oder dem Gegenüber Erwartungsdruck auszulösen. Ich kann meine Unsicherheiten wahrnehmen, ohne sie ernstzunehmen (sie können nicht verhindern, was ohnehin schon ausgeschlossen ist). Ich kann mir Mühe geben, ohne bemüht zu sein. Vielleicht, sehr vielleicht, nehme ich etwas mehr von der Gegenüberin „wahr“, weil die rosarote Brille über den Als-ob-Schalter stufenlos regelbar ist. „Im Gefühl zu bleiben“ erlaubt spielerisch und ernst zugleich zu sein. Ich bin sehr fein damit.

Ein Thema für einen anderen Tag wäre, ob und wie diese Haltung des spielerischen Ernstes auf andere Begegnungssituationen abfärbt. Mir kommt es so vor.

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So steht’s unter dem heutigen Datum im Tagebuch. Dann hatte ich die Idee, den Eintrag mit Euch zu teilen, und mein Nachdenken wurde viel zu bemüht. Statt nachzudenken bin ich einkaufen gegangen. Gute Entscheidung, mit einem halben Tag Abstand bin ich bereit, den Traum einfach als Befindlichkeitsanzeiger anzusehen, „Ich bin wieder da“, will er sagen, zuerst mir, dann Euch und wenn Ihr wollt, dürft Ihr es gerne weitersagen.