25236 – #wmdedgt Dezember 2025

Jeden Monat am Fünften fragt Frau Brüllen ihre Blogger-KollegInnen, was sie denn eigentlich so den ganzen Tag machen. Hier geht’s zu ihr und all den anderen Bloggenden.

0.16 Uhr, den Wecker gestellt, damit ich das 5. Türchen öffnen kann. Nein, Spaß! Weihnachten und alles damit zusammenhängende Brauchtum könnte mir egaler nicht sein. Und da die Kinder schon rund zwei Jahrzehnte aus dem Haus sind, darf das auch so sein.

Ich bin also Viertel nach Zwölf noch wach, werde das vermutlich auch noch länger sein, die letzten beiden Nächte habe ich bis weit nach 2.00 Uhr gelesen. Das ist nicht schlimm, ich lebe allein und kann ungestört lange schlafen. Das sind die kleinen Freuden, die mein Leben mit sich bringt. Die Pläne für morgen sind überschaubar, irgendwann am frühen Nachmittag werde ich Lebensmittel einkaufen gehen (eigentlich fahren, mit Fahrrad und Rucksack) und abends werde ich mir im Schauspielhaus die „Addams Family“ anschauen (Premierenbesprechung im Gießener Anzeiger). Zwischendrin wird geblogt werden, alles sehr vorhersehbar. Wenn ich wollte, könnte ich hier schon mein Frühstück beschreiben und auch, was sonst so zwischen den geschilderten Eckpunkten geschehen wird. Das ist nur an der Oberfläche ein bisschen gruselig, aber mensch kann in diese Vorhersehbarkeit sehr schön hinein-entspannen. Es ist ähnlich wie die Addams Family.

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Ich lese bis vier, vorher, gegen halb zwei mache ich einen Versuch einzuschlafen, der misslingt. Also lese ich das Buch fertig (Jan Weiler: Munk), kann immer noch nicht einschlafen und sortiere in meinem E-Reader die virtuellen Regale um. Danach bin ich müde genug.

Gegen elf beginnt mein Tag mit einem Ping des Phones, etwas unnötig, wie ich finde, ich habe nur sieben Stunden geschlafen und es weckt mich der einzige abonnierte Newsletter, den ich per Email empfange. Ich bleibe noch zwanzig Minuten liegen und schaue an die Decke, entdecke im Muster der OSB-Platten ein Herz, überlege, wie ich es mit gaaanz wenig Einsatz so hervorheben könnte, dass auch andere es sehen und verwerfe den Gedanken, weil mir das dann doch zu kitschig. Aber den Tag mit einem Herz zu beginnen kann nicht verkehrt sein.

Ich koche Kaffee, setze mich damit vor das Tablet und schreibe, lese, schaue. Das Tablet hat komplett den PC abgelöst, vor dem ich im Wagen (meint bis vor rund zwei Monaten) meine Tage begann. Es ist so viel bequemer, an einem Tisch zu sitzen, neben sich den Kaffee und direkt hinter einem das eigene Frühstücksbuffett.

Es folgt eine extrem ausgedehnte Morgenroutine, Kaffee, Müsli, Internetnews, die heute zudem die neueste Episode „Pluribus“ enthält. Es ist unabwendbar, der Cliffhanger der letzten Episode überschreibt jede Impulskontrolle. Und so kommt es, dass der produktive Teil des Tages erst gegen 14.30 Uhr beginnt, immerhin frisch geduscht.

Unter der Dusche ist eine Entscheidung gefallen, ich werde nicht einkaufen gehen. Die vorhandenen Lebensmittel würden mich zur Not noch über das Wochenende bringen (unter sträflicher Vernachlässigung des Lustfaktors), es drängt also nicht (der Lustfaktor ist überschätzt). Zudem hat mir das Bild oben gezeigt, dass die fehlenden Schubladen sehr häßlich aussehen. Sie sind noch nicht in der provisorischen (!) Küchenzeile, weil ich sie vorher aufräumen und sortieren möchte. Und zumindest unter Dusche kommt mir das wie eine viel lohnendere Beschäftigung für den Nachmittag vor.

Zweieinviertel Stunden später bin ich mit der Aktion durch. Wer genau hinschaut erkennt, dass ich auf Gabeln mit langen Zinken stehe, bei Löffeln eher zur runden Form tendiere und generell zuwenig gleichermaßen gute wie moderne Messer habe (die alten im Bild bedürfen der Aufarbeitung). Ich hoffe, dass ich in Zukunft mit einem einzigen Flaschenöffner auskomme, ja, ich lebe riskant. Den nie verwendeten Käseschneider werde ich morgen vermutlich vergessen haben. Und immer wenn ich den ebenfalls nie verwendeten Nussknacker anschaue, werde ich mich fragen, ob ich die anderen beiden nicht doch hätte aufheben sollen (ist ein Kindheitsding, die sind emotional positiv besetzt, und von positiv kann mensch ja nie genug haben). Und so wird es gegen Ende der Aktion auch nocheinmal richtig spannend, als alle Schubladen eingeschoben sind und die noch auf dem Boden verteilten aussortierten Dinge nun wirklich weg müssen. Einige der Küchenutensilien bekommen eine eigene Plastiktüte spendiert, bevor sie in die Restmülltüte kommen. Ihr kennt das aus schlechten Filmen, wenn der Serienmörder die geschändeten Leichen aus Scham mit seiner Lieblingsdecke aus der Kindheit abdeckt. Niemand soll sehen, was ich getan habe.

Nach der Aktion bin ich hungrig. Es gibt Kartoffeln, Tomaten und Pesto, das ist nicht die große Küche, denn die ist es bei mir nie. Aber genug, um mich durch den Restabend zu bringen. Mal sehen, vielleich gehe ich nach der Addams Family nochmal irgendwo eine Kleinigkeit essen.

Zunächst aber eine Kleinigkeit vor dem Tablet essen, ich lasse mir von YouTube noch einmal erklären, was ich am Morgen eigentlich gesehen habe, serienmäßig. Früher haben wir das auf dem Schulhof oder in der Kneipe besprochen. Heute erfüllt diese Funktion der elektronische Erklärbär. Noch ein wenig bloggen, danach ziehe ich mich um und mache mich zum Stadttehater auf.

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Viereinhalb Stunden später bin ich wieder zuhause. Das Stück dauert mit Pause drei Stunden, eine halbe Stunde vorher gibt es eine kleine Einführung im Foyer. Auf etwas unklare Weise bleibt das Musical hinter meinen Erwartungen zurück, nach der Vorstellung bleibe ich mit dem Gedanken zurück, dass daraus mehr zu machen gewesen wäre. Dabei kann ich wenig benennen, was für diesen Eindruck verantwortlich sein könnte. Das Wenige: Wednesday scheint mir fehlbesetzt, die Addams Family wurde so oft mit den verschiedensten Schauspielern aufgeführt und immer war Wednesday eine zierliche Person. Das prägt die Erwartung und diese Erwartung wird an diesem Abend unterlaufen. Und das keineswegs absichtlich, wie ich vermute. Diese Wednesday ist groß, fast so groß wie Morticia, und das passt nicht. Auch dass Wednesdays Bruder Pugsley mit einer Frau besetzt war, fand ich schwierig, weil sich das nicht aus dem Stück ergibt und weder Maske noch Schauspiel das vergessen ließen. Es war einfach nur auf unnötige Weise irritierend. Im Kontrast dazu der großartig gespielte genderfluide Onkel Fester, von dem ich während des Stücks lange dachte, er würde von einer Frau gespielt. War nicht so, das war einfach gutes Schauspiel. Kurz, ich war für drei Stunden gut, aber nicht hervorragend unterhalten. Kein Grund sich zu beschweren, aber auch keine eindeutige Empfehlung.

Im Anschluss an das Theater etwas essen zu gehen fällt aus, weil ich mein Portemonaie vergessen habe. Bedeutet, dass ich mir unmittelbar nach dem Nachhausekommen etwas zu essen mache. Nebenbei höre ich YouTube als wäre es Radio. Ich esse, ich blogge und beende diesen Beitrag.

25206 – #wmdedgt November 2025

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Heute bekommt Ihr einen ganz besonderen Tag mit, den Aufnahmetag im Krankenhaus vor einer TAVI. TAVI (für: Transcatheter Aortic Valve Implantation) ist ein minimal-invasives Verfahren zum Ersatz der Aortenklappe, mittels dessen mir morgen eine neue Herzklappe über einen Katheter – vermutlich durch die Leistenarterie – eingesetzt wird.

Zumindest ist das der Plan, denn ich schreibe diese ersten Zeilen vor. In der Situation möchte ich dann mit dem Phone mitprotokollieren, vielleicht kann ich später auch zum Tablet wechseln. Es wird, neben anderem, davon abhängen, ob ich mich schon einrichten darf an diesem Tag. Selbstverständlich bin ich etwas aufgeregt und bloggen, das ja so Vieles sein kann, ist heute dann auch Bewältigungsstrategie. Na dann, los gehts.

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Aufstehen 6.45

Abfahrt Platz 8.05

Aufnahme, ab 9.06 auf Station 8

Dort dann erstmal Programm mit Blutdruck messen, Aufnahmefragebogen, Zugang legen, Nasenabstrich, Voransicht der zu unterzeichnenden Einwilligungen. Klingt wenig, beansprucht aber alles seine Zeit. Zu Beginn ist das echt lästig, denn eigentlich bin ich damit beschäftigt, den Internetzugang einzurichten, was im dritten Versuch dann auch gelingt. Zudem bin ich auch kommunikativ gefordert, verschiedene Menschen erinnern sich an mich beziehungsweise den Termin und geben kurz ihren Beistand kund. Das möchte ich nicht unbeantwortet lassen. Erst ab

10.40 ist alles gelesen, ausgefüllt und es herrscht soweit Ruhe, das ich mit diesen Aufzeichnungen beginnen kann. Gegen elf frage ich mich zum ersten Mal, was nun der sinnvollste Zeitvertreib sein könnte. Denn ich sollte halbwegs schnell aufbrechen können. Das Krankenzimmer, in dem ich sitze, ist nicht das endgültige, ich bin hier mehr so zwischengelagert. Ein Arztbesuch ist hier noch vorgesehen, danach geht’s gegen Mittag mit Zwischenstopp beim Anästhesisten auf die Beobachtungsstation. Auch das ist dann noch nicht das Zimmer, in dem ich die Geschichte hier aussitzen bzw. -liegen darf.

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Kaum beginne ich zu lesen, kommt schon der Aufnahmearzt. Ein sehr junger Mensch, der mich auch schon bei der Herzkatheder-Untersuchung die Einwilligungserklärungen unterschreiben lies. Er erklärt viele Dinge, die ich schon weiß, und andere, die ich gar nicht wissen will. Ich unterschreibe alles und hoffe, dass ich nicht versehentlich Herzschmerz Today abonniert habe.

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Um 12.30 kommt die Schwester für ein schnelles EKG. In der Geschichte, die ich lese, war es gerade spannend. Ich fühle mich gestört.

Irgendwann nach 13.00 Uhr bringt mich die gleiche Schwester zur Leitstelle Anästhesie, dort fülle ich zum wiederholten Mal ein Formular aus, das wirklich alles abfragt, was mensch so haben könnte an Ungemach. Es scheint, die Uniklinik legt Wert auf Redundanz. Viertel nach zwei, ich warte noch immer auf das Gespräch mit dem Anästhesisten und bin des Lesens überdrüssig, blogge ich mal wieder ein paar Zeilen.

Und kaum begonnen werde ich aufgerufen. Das Gespräch bringt wenig Neues. Ich bekomme einen Dämmerschlaf während der OP versprochen, leider auch einen weiteren Zugang für die kontinuierliche Blutdruckmessung. Ich fühle mich gut überwacht, jetzt schon, und während der OP noch mehr.

Ab 14.45 Uhr dann meine nächste Station, die Intensiv-Station. In Vorbereitung auf die Nachbetreuung zur OP werde ich heute hier schon eingefädelt. Es bleibt ein langer Tag, den ich hier wartenderweise verbringen muss. Voraussichtlich ist das Legen des zweiten Zugangs das aufregendste, was hier noch geschehen wird.

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Tja, so ein Pech, den zweiten Zugang gibt es erst morgen. Interessante Begründung: die Menschen, die das Bett von A nach B schieben, schieben nicht. Wenn so ein Zugang gelegt ist. Ich glaub’s, auch wenn ich’s nicht verstehe.

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Und hiermit beende ich den Bericht aus dem Krankenhaus. Es ist halb sieben, ich sitze am Fenster, die Füße auf der Fensterbank, lese, schreibe, denke, und mehr wird heute nicht mehr geschehen.

25175 – #wmdedgt Oktober 2025

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Der 5. beginnt für mich pünktlich um 0.00 Uhr. Um diese Zeit bin ich an den meisten Abenden ohnehin noch wach, heute habe schon einige Minuten vorher begonnen, diese Seite im Dashboard vorzubereiten, meint: den Kasten oben aus dem Beitrag des Vormonats zu kopieren und den enthaltenen Link anzupassen, die Kategorien und Schlagwörter zu setzen und den Tag morgen schon einmal in Gedanken durchzugehen. Allerdings stehen bei mir alters- und lebensstilbedingt selten Dinge an, die ich wirklich tun muss, meine ToDo-Listen sind größtenteils Co(uld)Do-Listen. Wir dürfen also gemeinsam gespannt sein, was nach einer angemessenen Schlafpause hier geschehen wird.

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Ich schlafe spät ein und bin gegen elf am Morgen wach, dennoch liege ich noch eine Viertel Stunde im Bett und hänge meinen Gedanken nach bevor ich aufstehe. Meine Küche ist noch nicht in den Dome umgezogen, um sie zu erreichen muss ich vor die Tür und in den Wagen. Es regnet. Okay, das wusste ich schon vorher, die Fensterfront ist groß genug.

In der Küche „entdecke“ ich die Linsen, die ich gestern Abend eigeweicht habe und merke sie mir für das Frühstück. Aber noch bin ich nicht hungrig, der Kaffee geht vor. Während ich den Kaffee zubereite stoße ich auf dem PC ein paar Downloads an, die nun alle Zeit der Welt haben, mir über die chronisch langsame Verbindung auf die Festplatte zu tröpfeln.

Mit dem Kaffee zurück in den Dome und vor das Tablet. Ich bleibe nacheinander an zwei Videos zu Urban Sketching hängen. Um ehrlich zu sein, ich schaue mehr Videos darüber, als ich sketche. Aber es ist unglaublich beruhigend, anderen Menschen über die Schulter zu schauen und deren Bilder entstehen zu sehen. Ich verstehe gut, wie Bob Ross zum Phänomen werden konnte.

Viertel  nach zwölf habe ich genug Hunger, beschließe ein Linsengericht zum Frühstück und tippe noch schnell diese Zeilen, bevor ich dafür in die Küche wechsele.

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Gegen Viertel nach zwei gibt es einen Plan für den Rest des Tages. Zwischendrin habe ich Linsen-Blumenkohlcurry gefrühstückt, neue, probewohnende Nachbarn begrüßt und mit altbekannten Nachbarn geplaudert.

Wichtiger aber, während ich in der Küche stand war ich mit der mich umgebenden Unordnung sehr unzufrieden und beschloss, den Umzug weiter voranzutreiben. Beginnend mit dem Rest meines Kreativarchivs und -zubehörs. Eine Umzugskiste mit gesammeltem Allerlei steht nun im Dome, will nochmals gesichtet und dann in einen Holzkoffer umgepackt werden. Ich ahne, dass ich auch den zweiten Holzkoffer werde frei machen müssen (Wohin mit dem Inhalt?) und fühle mich sofort nach Beine-hochlegen und Das-wird-nicht-funktionieren. Ersatzweise schreibe ich ins Internet.

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Zwei Stunden später brummt mir der Kopf. Noch hat nichts den Weg in den zweiten Koffer gefunden. Es gibt bei all dem Zeug, das neben den Bildern aus sechs Jahrzehnten liegt, auch einige Briefwechsel mit Freunden und Schriftverkehr mit Behörden, es gibt Gedichte und …, egal, es gibt viel zu viel Zeug, das eindrücklich beweist, dass …, oh Mann. Kurz gesagt, ich komme in diesen zwei Stunden zu einem Urteil über den jungen Mann, der ich einmal war, das ich hier nicht wiedergeben möchte. Die Vollkatastrope, der Typ.

Ich koche mir einen Teller Nudeln und setze mich vor die neueste Episode einer von mir verfolgten Serie.

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Viertel vor sechs geht’s wieder und schon eine Stunde später steht der Koffer eingeräumt an der Stelle, wo er stehen sollte. Noch kurz alles wieder aus dem Dome getragen, was dort nicht weiter schlechte Laune provozieren soll, und ich schließe den nutzenorientierten Teil des Tages ab. Ich notiere diese Zeilen im Blog, fertig.

Im Weiteren wird nicht mehr viel geschehen, etwas Internet, etwas Medienkonsum, irgendwann auch nochmal ein Kreativ-Quickie, vielleicht dadurch, vielleicht auch anders in die Entspannung kommen, „Wird schon!“ denken und ins Bett gehen.

 

25145 – #wmdedgt September 2025

Jeden Monat am Fünften fragt Frau Brüllen ihre Blogger-KollegInnen, was sie denn eigentlich den ganzen Tag machen. Hier geht’s zu ihr und all den anderen Bloggenden.

Ich stehe gegen halb zehn auf, das ist im Vergleich zu den letzten Tagen spät, vielleicht habe ich etwas Nachholbedarf. Eine Viertelstunde später ist der erste Kaffee gekocht und ich habe mich auf YouTube in einer Quarks-Sendung zur Herzgesundheit gefangen. Zweierlei ist daran neu, erstens, dass ich an Gesundheitsthemen hängebleibe und zweitens, dass ich mir noch vor dem Frühstück Inhalte von mehr als zehn Minuten antue. Dabei kommt mir eine weiterführende Idee, in letzter Zeit muss ich manchmal überlegen, was ich zeichnen oder abzeichnen möchte. Warum nicht Anatomiebilder des Herzens oder der Prostata? Einfach um erstmal ein tieferes Verständnis davon zu bekommen, im zweiten Schritt sogar die entsprechenden Begrifflichkeiten zu kennen und im dritten (vielleicht) das einzige Tatoo zu entwerfen, das ich (sehr vielleicht) jemals haben werde, ein anatomiegerechtes abstrahiertes Herz auf der linken Brust mit der Aufschrift „Nicht wiederbeleben“.

Um halb elf beginne ich, mich mit einem lange verschleppten Punkt auf meiner ToDo-Liste zu befassen, der Kündigung des Bankkontos meiner vor einem dreiviertel Jahr verstorbenen Mutter. Nehmen wir das als einen Hinweis darauf, dass auch Geld nicht zu den Dingen zählt, die mich motivieren. Nacheinander chatte ich mit dem Chat-Bot der Bank, spreche mit der Hotline der Bank und endlich mit einem der Mitarbeiter dort. Danach weiß ich, was die Bank von mir braucht, setze das entsprechende Anschreiben dazu auf, tüte es gemeinsam mit den geforderten Nachweisen ein und frankiere angemessen. Der ganze Vorgang dauert bis Punkt zwölf.

Danach bleibt mir eine dreiviertel Stunde, bis ich zur Therapie aufbrechen muss. Ich frühstücke und mache währendessen einen groben Plan, welche Stationen ich danach in der Stadt anlaufen werde. Die Stunde selbst verläuft unspektakulär, was ich im Rahmen einer Therapie als positiv ansehe. Ich verlasse die Praxis mit dem Gefühl, gerade alles richtig zu machen.

Anschließend kaufe ich im Drogeriemarkt meines Vertrauens Lebensmittel ein, leider verdichtet sich aus der Wortspielwolke heraus keines mit einem Bezug zum Preis. Die Drogerie bietet mir Lebensmittel ohne Zucker und mit deutlich weniger Zusatzstoffen, was zu der bemerkenswerten Beobachtung führt, dass Lebensmittel mit weniger drin mehr kosten. Weiter geht zur Sparkasse, ich brauche Bargeld. Dabei komme ich an meinem Zweitfahrrad vorbei, das seit immerhin zehn Tagen unbeschädigt schon am gleichen Ort steht. Ich habe es auf dem Weg in den Kurzurlaub für die Strecke von meinem Wohnort bis in die Stadt benutzt, weil ich mein Elektro-Fahrrad nicht so lange in der Stadt stehen haben wollte. Und jetzt warte ich auf eine Gelegenheit, es abzuholen.

Der Stadtgang endet bei einem Inder, der von Qualität und Ambiente her irgendwo zwischen Fastfood-Bude und Restaurant rangiert. Ich entdecke darin zwei Tische, die ganz offensichtlich mit Landsleuten besetzt sind, die dort essen. Verstanden als Gegensatz zu Landsleuten, die zur Familie gehören und dort sind, weil es mit und bei der Familie nunmal am schönsten ist. Meine Idee, dass essende und offensichtlich zufriedene Landsleute ein Qualitätsmerkmal sind, bestätigt sich zumindest bei diesem ersten Besuch.

Wieder zuhause, es ist kurz nach vier, geschieht nicht mehr viel. Lebensmittel auspacken und verstauen, fertig. Ich sehe, dass eine der derzeit verfolgten Serien mit der neuesten Episode im Stream ist, lade sie herunter und hänge erstmal damit ab.

Und weil heute der Fünfte ist, setze ich mich an diesen Text. Versprochen, falls heute noch irgendetwas Berichtenswertes geschieht, liefere ich nach. Aber wie wahrscheinlich ist das?

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Und nun gibt es doch noch etwas. Im Ferienhaus, das wir letzte Woche bewohnten, gab es an einigen sehr unwahrscheinlichen Stellen Aplikationen in Serviettentechnik, so an der Küchendecke und den Fensterrahmen. Alles mit hohem Kitschfaktor, aber sehr gut ausgeführt. Ich sah das und dachte an die Betonreklame aus vergangenen Tagen: Es kommt drauf an, was man draus macht. Und ich dachte an das Zimmer, das ich mit A. in Amsterdam gemietet hatte, sehr sehenswert und ebenfalls mit Aplikationen aus Serviettentechnik, diesmal aber solche, die Drogengebrauch in der Vergangenheit vermuten lassen. Wichtigster Gedanke aber: Ich habe noch niemals mit Serviettentechnik experimentiert, das muss ich nachholen!

Und das ist gerade geschehen. Noch nicht ergebnisorientiert, mehr um es einfach mal versucht zu haben, letztlich fehlen mir die entsprechenden Servietten. Im Bild zwei Versuche, einmal auf eines der 10×10-Holzplättchen, und einmal direkt ins Tagebuch für das Thumbnail.

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Update, zwei Tage später:

Das bleibt jetzt so.