Jahresrückblick 2022

Der letzte Jahresrückblick endete mit der Überlegung, ihn vorzuverlegen, weil dann die Jahresendzeit-Depression schon so schön lange herum ist, wenn er geschrieben wird. Nun, ich denke der beste Zeitpunkt für den Jahresrückblick 2022 ist JETZT. Wir haben Mitte Oktober …, nein haben wir nicht, es ist Mitte November und dieser Text hat unerwartet lange bis zu seiner Fertigstellung gebraucht. Also nochmal als ob es nicht so genau darauf ankäme, wir haben Mite Oktober, ein Meilenstein in meinem Dome-Projekt (das Wintergartendach) ist leicht verspätet abgeschlossen und die winterliche Zwangsentschleunigung kündigt sich tageweise schon an. Lasst uns zurückblicken, wenn’s am schönsten ist.

Und gleich schwierig einsteigen, denn anscheinend ist der Januar 2022 weitgehend ausgefallen. Zumindest gibt es kaum Bilder aus dem Zeitraum, dreizehn zu drei Motiven. Einmal war ich frühstücken im Januar, die Bilder beweisen es, und einmal habe ich mir Moos genauer angeschaut.

Aber im Februar fing das Jahr an. Oberflächlich betrachtet mit etwas Unangenehmem, der Wind wehte mir die Abdeckung von meinem Lieblingsbauprojekt und ich war gezwungen, sie zu erneuern. Zur Erinnerung, es ist der sechste Monat seit meinem Unfall, danach war ich auf keiner Leiter mehr und auch noch nicht auf dem Dach, von dem ich stürzte. Nun ging kein Weg daran vorbei. Nach ersten, vorsichtigen Versuchen war ich mir sicher, dass ich die Arbeit alleine erledigen konnte und tat das auch. Die Bilder zeigen mir, dass ich darüber hinaus mehr machte und es besser machte, als zwingend notwendig war. Letztlich hatte der Wind mir einen Gefallen getan und mich zurück ins Tätigsein gezwungen.

Im nachhinein betrachtet war das Jahr ab diesem Moment ein Selbstläufer, immer gab es etwas zu tun, immer war irgendwas los oder gab es etwas zu bedenken. Vieles davon ungeplant und der jeweiligen Tageslaune geschuldet, wenn auch selten an nur einem Tag erledigt. So bekam ich noch im Februar genügend OSB-Platten – eigentlich die auseinandergeschlagenen Transportboxen von wirklich großen Maschinen – geschenkt, um damit einen provisorischen Boden in meinem Liebligsbauprojekt zu legen. Geplant zwei Tage, gebraucht vier.

Im März beschließe ich, den Steg abzureißen, dann beschließe ich, die zum Wiederaufbau geeigneten Teile zu lassen, dann beschließe ich, ihn um die Metallteile zu ergänzen, die einen Wiederaufbau leicht machen werden, und dann beschließe ich, ihn einfach wieder aufzubauen, provisorisch. Das geschieht an Tagen, an denen es passt.

Denn manchmal ist auch anderes angesagt. Ich beginne mit meiner Tochter zusammen die Renovierung eines ehemaligen Wagenanbaus, der dann als Gästezimmer dienen soll. Die Idee beschäftigt uns, und manchmal auch nur mich, dann im Laufe der nächsten Monate zu verschiedenen Bauphasen tage-, oder auch mal wochenweise. Anfang Juni sind wir damit durch.

Ebenfalls im März beginnt auch am Wagenplatz ungeplant etwas Neues: gemeinsame Geländepflege. Angefangen hat Z. mit drei Bäumen, die schon lange gefällt gehörten, die wir dann zu dritt zerlegten und einlagerten. Gut für das Gelände und Holz für den Winter, win-win. Aus der Lust an der Aktion heraus kamen als nächstes einige zugewucherte Geländeteile dran, die von der Natur zurückerobert wurden. Wiesen wurden gemäht und es gab eine neue Gemeinschaftsfeuerstelle. Blümchen wurden gepflanzt und auf dem Parkplatz der Wiesenstreifen am Haus gepflegt. Die Lust Unkraut zu beseitigen setzte sich im Sommer im Pool fort. Durch lange und fortgesetzte Bemühungen – wirklich, das ging über Monate – gelang es uns, eine wuchernde Wasserpflanze, die andernorts ganze Gewässer zum Verlanden bringt, zurückzudrängen. Und so ging es weiter, viel Kleinkram, mal alleine, mal mit anderen zusammen. Hat jedem der Beteiligten gut getan, mal wieder ein ganz, ganz kleines „Wir“ zu spüren.

Im April fing ich dann auch wieder mit den Arbeiten rund um den Dome an. Die Einzelheiten erspare ich Euch, dafür gibt es das Bautagebuch an anderer Stelle, hier sei nur gesagt, dass im Laufe dieses Jahres Dome und Terasse fertig überdacht wurden.

Und noch etwas begann im April, eine ganz unerwartete Erfolgsgeschichte, der Start meiner WSMDEDGT-Monatsüberblicke. Der Großbuchstabentitel ist nicht von mir, andere Blogger sammeln unter diesem Titel ausführliche Tagesbeschreibungen jeweils am fünften des Monats. Gefühlt käme bei mir gar nicht viel heraus, so aus einem Tag, zu wenig, zu einseitig oder sonstwie unzulänglich. Aber dachte ich mir, vielleicht könnte ich ja mal einen Mustertag zusammenstellen, repräsentativ kombiniert aus dem Tun mehrerer Tage, sagen wir, den ersten fünf des Monats. Sozusagen die depressionsbereinigte Variante meines Lebens, in der ich die krankheitsbedingte Entschleunigung über den Zeitstrahl herausrechne. Also begann ich mit meinen Notizen zu den Tagesaktivitäten. Nach fünf Tagen war mir das immer noch nicht genug (obwohl?!), aber auch eindeutig nicht „nichts“. Den depressionsbereinigten Mustertag habe ich dann nie geschrieben, mir kam die Idee bei näherer Betrachtung unehrlich vor, ungefähr so, wie bei Instagram nur die guten Bilder zu posten. Aber die Entdeckung war gemacht, dass es mir gut tut, zwei Tage, eine Woche, einen Monat zurückzublicken und zu sehen, was ich in dieser Zeit getan habe. Deswegen habe ich weiter gemacht, bis heute.

Und weil Ihr nun wirklich jeden einzelnen Tag im letzten halben Jahr meines Lebens nachlesen könntet (selbst dran schuld, wer das wirklich will), erlaube ich mir ab hier, das strenge chronologische Konzept aufzubrechen und mehr auf die überspannenden Themen des Jahres einzugehen.

Irgendwie muss Produktivität in den letzten Jahren ein Thema für mich geworden sein. Ich zitiere mich selbst aus dem letzten Jahresrückblick: „Zum Zeitpunkt, da ich diese Zeilen schreibe, blicke ich auf diesen Sommer als einen zurück, in dem ich so produktiv und ausgeglichen wie selten zuvor einfach vor mich hin arbeitete. Die Baustelle strukturierte meine Tage, stellte Anforderungen physischer und gedankliche Art, machte mich zufrieden.“ Das könnte ich für dieses Jahr genauso schreiben und bin damit sehr einverstanden. Dennoch erinnere ich gut, wie kritisch ich Menschen gegenüberstehe, die Produktivität – oft als einzige Stütze des eigenen Selbstwertes – überbewerten. Deswegen muss an dieser Stelle kritisch vermerkt werden, dass sich mein Leben an anderen, ebenso wichtigen Stellen immer noch sehr löchrig anfühlt.

Warum mir in den letzten Jahren gelang, was in anderen Phasen meines Lebens eher schwierig war, hängt mit dem zusammen, was ich Krafteinteilung nenne. Ich bin mir meiner begrenzten Kräfte bewußt und hüte mich vor jeder Selbstüberforderung. Ich bin genau so lange aktiv, wie ich das sein möchte. Und keinen Moment länger. Notwendige Ausnahmen, z.B. weil für den folgenden Tag Regen angesagt ist und die Arbeit auch dann keinen Abschluss findet, werden streng verhandelt. Die einzelne Tagesleistung ist mir egal, solange es mir gelingt, die Arbeit immer und immer wieder aufzunehmen. Da kann sich eine Sache, die locker an einem Tag zu erledigen ist, schon einmal vier Tage hinziehen. Oder es geht unerwartet schnell und dauert bis in die Abendstunden, einfach weil ich „im Flow“ bin. Egal wie es geht, im Fordergrund steht immer die Lust an der Arbeit und niemals das angestrebte Endergebnis.

Und wenn nichts drängt kann man, also ich, auch einfach mal eine Woche aussetzen und die unfertige Hütte auf ein Fest vorbereiten. Dafür würde natürlich auch ein einziger Tag genügen, aber, siehe oben, ich will mich ja nicht verausgaben. Und so gab es auch in diesem Jahr zwei Feste in meiner „Location“, die mir viel Spass gemacht haben. Gastgeber waren einmal A. und einmal Nachbarin C., auch das ist schön, ein Fest zu haben, ohne dafür verantwortlich zu sein. Zwei sehr schöne Wochenenden für die ich mich bedanken muss.

Ein anderes Jahresthema – bisher im Blog nur angedeutet – war das Online-Dating. Dazu gibt es viel mehr zu erzählen, als im Rahmen eines Jahresrückblicks Platz hat. Zwischendrin hatte ich sogar mal eine Artikelserie geplant.

Los ging das im April, ich hatte J. gebeten, ein paar vernünftige Profilbilder von mir zu machen, die dann auch gut genug waren, um Interesse an mir zu wecken. Seitdem habe ich drei Frauen getroffen und hatte Kontakt mit etlichen mehr. Auf eine überraschende Weise erwähnenswert scheint mir, dass diese Anbahnungsversuche emotional berührend und auch anstrengend sind. Deswegen sind sie – wenn auch vom Ergebnis her betrachtet erfolgslos – keineswegs vertane Zeit. Es hat mir gut getan, mich mal wieder emotinal zu erleben und zu sehen, in welche Richtung die Phantasien so gehen. Was fehlt mir? Was fehlt dem Gegenüber? An welchen Stellen in der Kommunikation setzen – im Guten wie im Schlechten – die Projektionen ein? Womit sind wir zu locken und was ängstigt uns? Wie gehen wir mit unseren wunden Punkten um? Was interessiert uns am anderen? Jede Befragung wird auch zur Selbstbefragung. Oder kann das werden, wenn man gestrickt ist, wie ich es bin. Kurz, Online-Dating kann auch ein faszinierendes Werkzeug zur Selbsterforschung sein. Wer daran Spass hat dated nie umsonst.

Sehr interessant auch: der Blick von außen. Besser: der imaginierte Blick von außen. Was denke ich, denkst Du über mich? Sich selbst mit anderen Augen sehen, die ja doch nur wieder die eigenen sind. Kopfkino vom feinsten, jedes Genre wird bedient, von Horror bis RomCom, alles ganz von der jeweiligen Tagesform abhängig.

Oder vielleicht auch von der Monats- oder Jahreszeitenform. Der liebenswerte Blick auf mich selbst, im Frühjahr und Sommer ganz klar gegeben, fällt mir zum Jahresende schwer. Ich würde mich nicht wollen. Bei allem Spass an der Emotion und der Selbsterforschung, Online-Dating ist gerade wieder abgesagt. „Liebenswert“ kommt in der Selbstbeschreibung gerade nicht vor und dann kann das auch mit der Liebe nichts werden. Gar nicht erst probieren, gleich sein lassen.

Das ist jetzt nicht die Überleitung ins jahreszeitlich bedingte Tief, oder, ja auch, aber man muss das differenzieren …, also …, besonders „bestimmend“ im letzten Jahresquartal war die Prostatakrebs-Diagnose. Die ist nur ganz schwer mit jeder Sorte Liebelei zusammenzudenken und verschiebt die Prioritäten.

Die technische Seite dazu ist beschrieben, der dazugehörige Verarbeitungsprozeß weniger. Möglicherweise deswegen, weil er der Selbstwahrnehmung schwer zugänglich ist. Auf eine paradoxe Weise scheint er im Rückblick einfacher und trotzdem immer „vorläufig“.

Über die verschiedenen Diagnose-Schritte dauert es eine Weile, bis aus der Wahrscheinlichkeit eine Sicherheit wird. Das könnte den Impact etwas abfedern, aber mir war eigentlich vom ersten Gesichtsausdruck des CT-nachbesprechenden Arztes klar, das die Frage nicht „ob“ sondern „wie schwer“ lautete. Entsprechend früh konnte ich mit der Verarbeitung beginnen.

Anfangs war ich an manchen Tagen recht langsam und „verträumt“, später kam schlechte Laune an den Tagen hinzu, die ich mich aktiv mit dem Thema beschäftigen musste. Im Moment befinde ich mich irgendwo zwischen Abfinden und Hoffnung. Die Hoffnung scheint begründet, immerhin kommen im Befund auch Worte wie „heilbar“ vor. Abzufinden habe ich mich mit Vielem. Neben dem subjektiv deutlich näher gerücktem Lebensende vor allem und immer wieder mit den zahlreichen und Risiken und Nebenwirkungen, die jede der vorgeschlagenen Behandlungen mit sich bringt. Es ist die Wahl zwischen Pest und Cholera zu treffen, die Wahl zu verweigern ist keine Option.

Noch einmal schwieriger ist das, wenn man sich, so wie ich, gegen eine bestimmte Zusatz-Behandlung entscheidet. Da will gut abgewogen werden, vor sich selbst und auch vor anderen. Um dann, bei aller vorgeschobenen Rationalität, doch nach Gefühl entschieden zu werden. Habe ich durch, war nicht einfach, ich mach‘  das nicht.

Gegenwärtig bin ich täglich zur Bestrahlung, die Behandlung zieht sich über sechs Wochen und wird kurz vor Weihnachten beendet sein. Im neuen Jahr geht es dann noch einmal in die Reha und wenn alles gut geht ist nochmal alles gut gegangen. Ich will nicht vorgreifen aber bin vorsichtig optimistisch. Auf Wiederlesen im Neuen Jahr.

 

 

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Die Strahlentherapie

Vor die Strahlentherapie haben die Behandlungs-Leitlinien eine Testosteron-Entzugsbehandlung und zwei weitere CT’s gesetzt. Zwingend in dieser Reihenfolge.

Die Testosteron-Entzugsbehandlung wird vom niedergelassenen Urologen durchgeführt und verzögert die Strahlenbehandlung nochmal um zwei Monate. Sie wird von weniger mitfühlenden Zeitgenossen auch „chemische Kastration“ genannt. Libidoverlust und Erektionsstörungen könnte ich für eine begrenzte Zeit und mangels Partnerin noch hinnehmen. Wo ist das Problem, wenn man als Single-Mann nicht vögeln kann und glücklicherweise auch gar nicht will. Das klingt doch fast entspannt.

Schwieriger wird es bei den möglichen „depressiven Verstimmungen“, der Antriebslosigkeit, der Gewichtszunahme oder den Männerbrüsten. Will ich alles nicht haben, allem voran nicht zusätzlich zur ohnehin schon vorhandenen Depression und Antriebslosigkeit. Anders als andere Männer kann ich mir diese Nebenwirkungen sehr genau vorstellen, ich kenne sie und will sie nicht.

Ich kann meinen Urologen am Telefon davon überzeugen, dass wir die Testosteron-Entzugsbehandlung lassen. Wegen „Zugewinn von Lebensqualität in der verbleibenden Zeit“ und so. Ich finde, er sollte noch etwas an seinen Formulierungen feilen. Im Folgenden schickt er mir seine Beratung nochmals schriftlich und ich unterschreibe, dass ich wirklich keine Behandlung wünsche.

Die folgenden zwei CT’s sind schnell vereinbart und entspannt, eines davon wird mit Kontrastmittel durchgeführt, sucht nach Metastasen und findet keine. Das andere ist das „Planungs-CT“, danach habe ich Markierungen auf dem Bauch und den Hüften, mit deren Hilfe ich bei den folgenden Bestrahlungen auf dem Behandlungstisch ausgerichtet werde.

Die Behandlung beginnt am 9.11.22 und wird 28 Einzelbestrahlungen umfassen, ich muss also rund sechs Wochen lang jeden Tag in die Klinik.

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Nach den ersten sechs Bestrahlungen kann ich sagen, dass der Vorgang selbst erstaunlich schnell ist und nichts, was Sorge bereiten muss. Ich sitze zum angegebenen Termin – der selten länger als 15 Minuten überschritten wird – in der Wartezone, werde aufgerufen, ziehe in einer Kabine Schuhe und Hose aus, gehe in den Bestrahlungsraum, lege mich auf die Liege, werde vom Fachpersonal mittels Laser (wie von der Wasserwaage bekannt) und der Markierungen auf Bauch und Hüfte ausgerichtet, dann verlässt das Fachpersonal den Raum und der Rest geschieht automatisiert. Vier Aparaturen werden an beruhigend massiven Aufhängungen um die Liege herum positioniert und im Kreis um meine Hüftregion herumgeführt, meinem laienhaften Verständnis nach dienen zwei davon der Bildgebung, eines der Bestrahlung und eines Dings, nach zwei bis drei Minuten ruckelt gelegentlich die Liege,  ich vermute damit wird die Prostata ins zu bestrahlende Zentrum gerückt, dann wird es etwas lauter, das ist die eigentliche Bestrahlung, die nicht länger als eine Minute dauert.

„Der Mercedes unter den Linear-Beschleunigern.“

Fertig, das Fachpersonal kehrt zurück, gibt die eine oder andere Rückmeldung zu Blase und Darm (davon gleich mehr), fährt die Liege wieder in eine bodennahe Position und entlässt in die Kabine, Hose und Schuhe an und ab geht es nachhause. Wenn alles gut geht, bin ich eine halbe Stunde nach Betreten des Gebäudes wieder draußen. Gegenwärtig rechne ich für die Wege hin und zurück je 30 Minuten (ich fahre unangestrengt mit dem Pedelec), im Best-Case-Szenario habe ich also einen täglichen Zeitaufwand von cirka eineinhalb Stunden.

Das gilt an vier von fünf Tagen, einmal pro Woche habe ich im Anschluss noch einen Termin auf der „Pflege“, der der Abgabe der wöchentlichen Urinprobe und zum Besprechen eventueller Nebenwirkungen dient. Auch hier war bisher alles schnell, freundlich und kompetent. Die größte Sorge scheint man sich hier um die eventuell auftretenden Hautreizungen zu machen, „Patienten-Info 55 – Hautpflege Prostata / Rektum (Männer)“ wird übergeben. Alles weitere bei Bedarf, soweit, so unkompliziert.

Um Langeweile und Routine vorzubeugen bringt das wirkliche Leben sich mit der einen oder anderen Komplikation ein. Blähungen sind so eine Komplikation, weil sie einem vollen Enddarm sehr nahe kommen. Und der soll während der Bestrahlung möglichst leer sein, ganz anders als die Blase, die möglichst voll sein soll. Beide Wunschzustände halten die Belastung des die Prostata umgebenden Gewebes – und damit auch die auftretenden Nebenwirkungen – möglichst gering. Als Patient wünscht man sich das und käme dem auch gerne nach.

An dieser Stelle kann sich jeder vorstellen, wie das für ihn wäre, wenn er zu einem nicht von ihm zu bestimmenden Zeitpunkt X +/- 10 Minuten  die Blase möglichst voll und den Enddarm möglichst leer haben soll. Was die Blase angeht kann das aufgrund der „schnellen Reaktionszeit“ halbwegs gut gelingen. Drei/vier Tage definierte Wassermengen eine definierte Zeit vor Zeitpunkt X trinken und beobachten was geschieht, dann hat man ein ganz gutes Bild davon, was mit der eigenen Blase so möglich ist. Oder eben nicht, „Jugend forscht“ mal ganz praktisch.

Der leere Enddarm ist da eine schwierigere Aufgabe, Reiz und Reaktion liegen weit auseinander und der Input ist variabel. Kommt erschwerend hinzu, dass mein Lebenswandel eher unregelmäßig ist und es bisher wenig Anlass gab, meinen Stuhlgang genauer zu beobachten. Ich halte das für ein gutes Zeichen, Dinge, die gut funktionieren, verlangen selten Aufmerksamkeit. Aber irgendwelche verlässlichen Datenpunkte kommen solcherart unbeobachtet natürlich auch nicht zusammen. Meine Vermutung: Stuhlgang statistisch gehäuft am späten Vormittag. Aber darauf wetten würde ich nicht einmal einen kleinen Betrag.

Weiterhin erschwerend, Verdauung ist eine der unwillkürlichen Körperfunktionen, wir haben nicht wirklich Einfluß darauf. Auch das vermutlich ein Vorteil, nichts hat sich verbessert, seit ich versuche meinen Stuhlgang zu verstehen. Kurz, ob mein Darm zu den Bestahlungsterminen voll oder leer ist, habe ich subjektiv nicht im Griff. Bisher (8. von 28 Tagen) war es fast immer gut.

Wenn es nicht gut ist (siehe oben, Blähungen mit kleinen Masseanteilen), fällt das bei der Bildgebung auf, man muss wieder aufstehen, darf nochmal in den Wartebereich, dort mehr trinken oder auf die Toilette gehen und natürlich nochmal warten. Das Fachpersonal geht mit der solcherart zerschossenen Routine routiniert um, vermutlich kommt so etwas regelmäßig vor. Zwanzig bis dreißig Minuten später liegt man nochmal auf der Liege und hoffentlich ist alles gut.

Ich denke, was man subjektiv aus der Situation macht, ist verschieden. Bei mir ist da ein kleines, rational völlig unnötiges Versagensgefühl. Denn ich möchte ja alles richtig machen, schon aus Eigennutz, aber auch der Fachmenschen und dem ungestörten Ablauf wegen. Ich möchte gemocht werden, und sei es nur, weil ich so ein freundlicher und unkomplizierter Patient bin. Und so lange ich nicht Herr meiner Verdauung bin, wird  das nichts. Dumme Sache, das. So entsteht Stress, den niemand braucht, der aber wirkt – stimmungsmäßig neben-wirkt.

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wird fortgesetzt

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Europa Level 75

Ich mag solche Übersichten, obwohl sie in ihrer Vollständigkeit fast schon irreführend sind. Österreich ist nur drin, weil dorthin die Abschlussfahrt der Berufsfachschule ging. Ist fast fünfzig Jahre her. Aktueller, aber ebenso schwierig in der Einordnung, ist die Woche in einem Tagungshaus, das nur zufällig in Luxemburg lag.Auch die Abgrenzung zwischen „stayed here“ und „visited here“ ist für englische Muttersprachler vermutlich einfacher. Das Internet gab bei oberflächlicher Recherche nicht allzuviel dazu her. Ich habe das dann für mich in aller Unschärfe entschieden: „to stay“ ist plus/minus eine Woche.

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