Wir hatten ja nichts

Lochkarte

Selten genug verweise ich auf Blogbeiträge anderer. Heute möchte ich das tun, denn da wird – zumindest im ersten und einleitendem Teil – ein Gedanke vertieft, den ich in ähnlicher Form hatte, als ich vor einigen Tagen meinen Blogbeitrag zu den Rangoli schrieb. Vielleicht erinnert ihr euch:

Heute [2019] lässt sich auch bei oberflächlichster Recherche über Wikipedia oder die Suchmaschine Deines Vertrauens mehr über Rangoli erfahren, als ich damals [1998] hoffen durfte, bei meiner Rückkehr in der Stadtbücherei darüber zu erfahren.

In diesem Satz nur angedeutet und im verlinkten Beitrag ausführlicher dargestellt ist das fassungslose Erstaunen darüber, was heute dank des Internets möglich ist und vor zwanzig Jahren kaum auszudenken oder zu erhoffen war.

Bühne frei für Wortvogels „Wofür zahle ich eigentlich nicht?!“

Der Selbstbau-PC

Manchmal sagt man so Dinge vor sich hin, z. B. „Wir könnten Dir auch einen neuen PC selbst zusammenbauen“, nur weil man gerade so im bevorzugten Computerheftchen rumbättert (ct 24/2019) und der Lieblingsmensch seit einiger Zeit einen neuen PC auf der ToBuy-Liste hat. Noch manchmaler wird man gänzlich unerwartet ernst genommen. Weil die Headline greift, „Für alles parat: Bauvorschlag für einen leisen Allround-PC mit Sechskerner und schneller SSD“, weil voll im Budget und weil wir´s können. Letzteres bis dahin nur  eine halbwegs begründete Vermutung.

Aber der Liebingsmensch traut sich was, ein paar Tage später kommt bei mir die Message rein:

Getan es ist, der Großteil für den neuen PC ist bestellt! Morgen kaufe ich noch zwei Teile direkt im Laden, dann fehlt nur noch der Speicher.

Und abermals ein paar Tage später:

Die letzten Komponenten sind eingetroffen …

… ist ein wenig wie Weihnachten 🙂

Gestern und heute hatten wir dann – endlich und neben anderem – die Zeit, das Teil zusammenzustecken. Wer wissen will, wie so etwas aussieht, kann für einen Eindruck im unten eingebundene Video herumklicken (Gesamtlänge knapp zweieinhalb Stunden, das wollt ihr nicht). Die Jungs verbauen da zumindest teilweise die gleichen Teile wie wir. Und wie die Jungs hatten auch wir Glück und das Teil lief nach dem Zusammenstecken ohne zu mucken an. Geht so in neun von zehn Fällen, schätzt einer der Profi-Zusammenstecker.

Der eine von zehn Fällen ist das Risiko, das wir mit dieser Aktion eingegangen sind. Hätte das Teil aus uns unbekannten Gründen nicht wie vorgesehen gestartet, wären wir zu einer Fehlersuche gezwungen gewesen, die uns möglicherweise überfordert hätte. Aber wie sagte der Lieblingsmensch: „Wenn gar nichts geht, trag ich die Teil zu [mittelständischer PC-Dealer der Vertrauens] und der soll´s zusammenschrauben.“ Es ist immer gut, einen Plan B zu haben.

Soweit, so gut. Und alles zu eurer Ermutigung. Es ist auch ohne tieferes technisches Verständnis möglich, elektronische Bauteile so zu kombinieren, dass sie einen funktionsfähigen PC ergeben. Nicht umsonst hat das Computerheftchen vor ein paar Jahren mit diesem Slogan geworben: Auch wenn Sie nichts verstehen, können Sie immer noch damit angeben.

Stellt es euch wie den Zusammenbau von IKEA-Möbeln vor, nur mit weniger Bildern, mehr englisch, weniger Fehlertoleranz und mehr Konzentration. Der Vergleich hinkt nur an einer einzigen Stelle, an der wir in eine kleine Schwierigkeit hineingelaufen sind. Verantwortlich war einer der üblichen Verdächtigen, eine Maßungenauigkeit „eigentlich“ standardisierter Bauteile; IKEA wäre das nicht passiert, da ist alles aus einer Hand.

Mainboard- und Gehäusehersteller waren sich also um cirka einen entscheidenden Millimeter uneins. Seien es zu kurze Abstandshalter oder zu große Fertigungstoleranzen beim Blech für die Buchsenabdeckung, das Mainboard musste Höhe gewinnen. Kein großes Ding, aber eines, das den Prozess stoppen kann, weil Bauteile benötigt werden, die nicht da sind. Die Profi-Lösung heißt „höhere Abstandhalter“, der Bastler legt Scheiben unter. Ihr kennt das vom letzten Teppichkauf, ganz unerwartet schleift die Tür. Man kann die Tür unten abhobeln, aber wer nach oben Luft hat, packt lieber eine Schebe ins Scharnier.

Erfreulicherweise hatte ich in einem Anfall weiser Voraussicht die Rappelbox mit den kleinsten Kleinsteilen zum Tatort mitgebracht. Darin eine genau ausreichende Anzahl fummeliger Federringe und Scheibchen, die es erlaubten, das Mainboard hinter der Abdeckung von viel-zu-tief auf ein-wenig-zu-hoch anzuheben. Seht selbst:

 

Mehr Probleme gab es hardware-seitig nicht. Damit können wir zufrieden sein. Demnächst mehr von der Software.

Und zum Abschluss das versprochene Video:

Update (30.11.2019):
Tja, so einfach war und ist es dann doch nicht. Die neueste Firmware auf das Bios zu bringen (wir Profis sagen „flashen“) war noch einfach. Zumindest im Vergleich zur letzten Flash-Aktion, die geschätzt 15 Jahre zurückliegt. Also zu Zeiten stattfand, als das Bios mit bescheidenem Funktionsumfang noch blau und pixelig daherkam. Details erspare ich euch und mir, nur soviel: Früher war doch nicht alles besser.

Die empfohlenen Einstellungen der Profi-Zusammenstecker ins Bios zu übernehmen war dann auch noch einfach. Schwierig wurde es allerding an der Stelle …

Nein, ich breche hier mal ab und vertröste euch auf demnächst. Und ende hier so kurz wie möglich: Der PC friert nach cirka 7 (+/-2) Minuten ein, manchmal startet er auch neu, ich vermute einen Hitzefehler, werde mich aber erst in ein paar Tagen wieder damit befassen können. Die Fehlersuche – möglicherweise übefordernd, siehe oben – hat begonnen. Das Leben ist spannend.

Mit den Jahren …

… wird es ja immer schwieriger, den Zustand aufrecht zu erhalten, der erreicht ist und ach so gerne erhalten bleiben würde. Dem Blog geht es da wie mir, weswegen ich (mit Anlass) gerade mal geschaut habe, welche meiner Video- oder Musikverlinkungen noch funzen. Zeigt sich, es scheint da eine Korelation zu meinem allgemeinen Gesundheitszustand zu bestehen. Wenig Totalausfälle, aber manchmal braucht es andere Lösungen. Die schönste Brille, Plombe oder Verlinkung hält nicht ewig. Und erfreulicherweise ist Vieles auch einfach noch okay.

Ab heute gibt es nun auf meinem PC einen Ordner, in dem alle verlinkten Videos zur Sicherheit nochmal liegen. Nicht, dass ich die jemals direkt verlinken würde, da ist das Urheberrecht ´vor, aber sollte es wirklich mal zu einem Totalausfall eines Links kommen, dann sind diese Kopien so etwas wie eine lebhafte Erinnerung an Fähigkeiten, die ich einst hatte.

Und damit das hier nicht zu trübe endet gibt es noch etwas be- und anschaulich Mathematisches von Christóbal Vila:

Und wo das herkommt gibt´s noch mehr, bei mir oder bei ihm.

Rangoli

Rangoli? Warum Rangoli? Weil ich gerade mit der Spracherkennungsfunktion von Google herumexperimentiere und deswegen versuchsweise Teile aus meinem indischen Reisetagebuch von 1998 einlese. Das geht, nun, gerade so „gut genug“. Vielleicht werdet ihr hier im Blog noch mehr daraus zu lesen bekommen.

Heute lässt sich auch bei oberflächlichster Recherche über Wikipedia oder die Suchmaschine Deines Vertrauens mehr über Rangoli erfahren, als ich damals hoffen durfte, bei meiner Rückkehr in der Stadtbücherei darüber zu erfahren. Also habe ich mit Blei- oder Filzstift Rangoli ins Tagebuch kopiert. Nicht die großen, farbigen (die bekam ich gar nicht zu sehen), sondern die kleinen, unspektakulären vor den Haustüren in den Dörfern und Kleinstädten: „dot rangolis„.

14.11.1998, 40. Tag, samstags

[…] Die Muster auf dieser Seite sind traditionelle Zeichnungen, die vor der Türschwelle auf den Boden gezeichnet werden. Nur in ein Haus mit solchen Zeichen werden die Götter eintreten. Früher wurden sie mit Reismehl ausgestreut und die kleinen Ameisen ernährten sich davon, was den zusätzlichen Nutzen brachte, dass sie nicht in das Haus eindrangen. Die Götter betreten nur ein reines Haus. So also die wirkliche Bedeutung. Heute wird mit Kreide gezeichnet und die hygienische Bedeutung ist verloren gegangen.

18.11.98, 44. Tag, Mittwoch

Habe heute Morgen versucht, das nebenstehende [Rangoli ]zu kopieren und bin dabei gescheitert. Mungai – die Frau, die es gestreut  hat – hat das beobachtet und mir später gezeigt, wie es gemacht wird.

Für all diese Muster wird zunächst ein Netz aus Punkten gezeichnet, je nach Grundform als Rechteck, Quadrat oder Sechseck. Für das Sechseck werden die Punkte in der Mittelreihe und der oberen Reihe angegeben, im untenstehenden also 11/6. und dann wird das Motiv um diese Punkte herum entwickelt. Wie fast überall gibt es zwei verschiedene Richtungen. Die eher abstrakten und überaus kompliziert entworfenen Muster und die naturalistischen Darstellungen. Und natürlich gibt es auch Mischungen aus allem.

Rangoli

Als meine Begeisterung für die Rangoli mal deutlich war, wurde Papier und Bleistift geholt um mir ein paar Muster zu machen und zu schenken.

Kurz drauf wurde das Musterbuch geholt und demonstriert, wie einfach das alles ist, selbst die Oma kann es. Nebenbei: sie malt die Rangoli jeden Morgen neu und jeden Morgen ein anderes. Das Musterbuch war ein alter Kalender, in dem einige Vorlagen aus Zeitungen eingeklebt waren, zum Teil ziemlich komplizierte Sachen, dann aber auch mal wieder sehr einfache naturalistische Darstellungen. Und wie das hier so ist, weil ich so viel Freude daran habe, bekomme ich morgen früh (6:30 Uhr) demonstriert, wie das gemacht wird, wenn es richtig toll sein soll, nämlich farbig. Bin gespannt und freue mich drauf, aber manchmal finde ich es unheimlich, wie bemüht die Menschen hier um uns sind.

19.11.1998, 45. Tag

Heute morgen die Demonstration, mit Orginalzutaten, also Reismehl aus der Kokosnussschale. Das Mehl zu streuen erfordert einige Übung, wie ich beim anschließenden Selbstprobieren merkte. Eine einzelne Linie geht noch, aber die Doppellinie, bei der das Pulver rechts und links der streuenden Fingerspitzen herunterfällt, ist mir nicht oder nicht ausreichend gut gelungen. Leider gab es keine Farben, weil das farbige Pulver feucht und klumpig geworden war. Später hat die Oma mit gefärbtem Wasser einige der Doppellinien ausgemalt, aber ich glaube, das war nicht ganz das, was es hätte sein können.

Auf der nächsten Seite habe ich einige Rangoli aus Mungais Musterbuch kopiert, die Anzahl beweist erstens mein Interesse (die Nähe zu meinen Mandalas ist offensichtlich) und zweitens, dass es hier im Moment mit der Arbeit schlecht aussieht.

[…]

Das Rangoli nebenstehend [oben in rot] ist von Mungais Mutter, die auch hier lebt. Mr. Krishna Kurma versucht das ganze hier mehr als Familie zu begreifen und dazu gehört nun mal auch die Mutter der Buchhalterin, wenn sie ansonsten unversorgt bliebe. Oder, anderes Beispiel, da muss die Mutter des Fahrers ins Krankenhaus. Er fährt mit und managed das, versucht es zumindest, auch wenn dafür seine eigentliche Arbeit liegen bleibt.

Der letzte Absatz ist Teaser für weitere, mögliche indische Themen. Gebt mir mal in den Kommentaren Bescheid, ob ihr mehr davon lesen wollt.

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Als Hobby-Völkerkundler versucht man sich natürlich auch an einer Kategorisierung:

Oder der Rekonstuktion ansonsten verlorener Artefakte:

Kreisschneideschablone

Eigentlich brauche ich schon mein halbes Bastlerleben kreisförmige Holzscheiben, egal ob als Räder, Topfdeckel, Aussteifungen, Verzierung oder Dingsbums. Und immer war es schwierig, sie in angemessenem Verhältnis von Aufwand zu Ergebnis herzustellen.

Gerade bin ich mal wieder an einem ambitionierten Projekt, für das ich eine große Anzahl von (zumindest teilweise) kreisförmigen Brettchen benötige (siehe oben).  Nun, große Not führt zu langem Nachdenken und in diesem Fall auch zu einer Lösung, die erstmals auch gute, reproduzierbare Ergebnisse mit wenig Aufwand bringt. Ich denke die Bilder sind selbsterklärend.

Ach ja, fast vergessen: Liebe Kinder, macht das bitte nicht zu Hause nach. Der Erklärbär hat  – um bessere Fotos machen zu können – die Sägeblattabdeckung der Kreissäge abgenommen. Nicht tun! Niemals! Außer ihr wisst, was ihr tut!

Update (21.11.2019):

Die fertigen Werrkstücke