HeyPal – we donate elsewhwere | CC BY-NC-SA: Anna Biselli, Netzpolitik.org

Wer selbst nicht schreibt, kann wenigstens großzügig übernehmen. Hier geht’s um PayPal, vielleicht ist Euch schon einmal das „HeyPal – we donate elsewhere“ in der Seitenleiste aufgefallen, der folgende Artikel beschreibt PayPals neuesten Unfug. Und verlinkt auf älteren Unfug. Lest selbst:

Wikileaks, iPredator und jetzt Rock aus Rügen – PayPal sperrt Crowdfunding-Konto

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PayPal fiel schon öfters durch die Sperrung von Transaktionen auf. Bisher mussten dran glauben: Der crowdfinanzierte Maildienst Mailpile, der VPN-Anbieter iPredator, die Vereinigung Courage to resist, die Bradley Manning unterstützt, Wikileaks und Online-Händler, die Rum verkaufen wollen. Jetzt hat PayPal auch erklärt, keine Transaktionen mehr für die Rügener Trashrock-Band COR abzuwickeln. Die Musiker haben auf startnext.de eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Damit wollen sie eine Tour durch Kuba finanzieren, die kostenlos und von einem Filmteam begleitet sein wird. Ziel ist es, die kubanische Punk- und Metalszene zu unterstützen – mit öffentlicher Aufmerksamkeit wie auch mit Sachspenden in Form von Instrumenten und anderem Equipment.

 Startnext musste den Musikern nun mitteilen, dass PayPal für das Projekt deaktiviert wurde. Grund dafür ist das US-Handelsembargo gegen Kuba, dass amerikanischen Unternehmen (wie PayPal eines ist) die Finanzierung kubanischer Bürger, Marken oder Produkte verbietet. Jetzt müssen die Musiker nachweisen, dass von den Crowdfunding-Geldern nur das Projekt direkt unterstützt wird und nichts davon in die kubanische Wirtschaft fließt.

Knapp 3.800 Euro wurden via PayPal bereits gespendet, berichtete der Bassist der Band in einem Interview mit der taz. Das ist bei einem Gesamtspendenziel von 8.307 Euro ein gewaltiger Anteil. Die Musiker lassen sich dadurch nicht entmutigen und wollen das Projekt fortführen, vorzugsweise mit Spenden aus anderen Bezahlmodellen wie Vorkasse oder Sofortüberweisung.

Im Moment beträgt die Gesamtspendensumme bereits 8.848 Euro, was mehr als die angestrebte Summe darstellt. Der Überschuss soll in weitere Unterstützung für Kubas Musikszene gesteckt werden. Es bleibt zu wünschen, dass den Musikern durch die Aufmerksamkeit, die durch die PayPal-Sperre entstanden ist, mehr Nutzen als Schaden zuteil wird.

Außerdem zeigt der Fall, dass es notwendig ist, alternative und sichere Bezahlmodelle zu entwickeln bzw. zu etablieren. Wenn auch eine der neuesten Ideen, Zahlen per E-Mail, durch Sicherheitsbedenken eher wie eine riskante Schnapsidee daherkommt.

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#incommunicado – die Entstehungsgeschichte

Wenn ich beim Sachbuch scheitere ist ein Roman zu dem Thema sicher leichter, dachte ich. Die Idee war simpel: Eine Rockband wird von einem Musikkonzern wegen einer obskuren Copyright-Verletzung geklagt und wehrt sich dagegen, indem sie an die Öffentlichkeit geht und ihre Konzerte in Proteste verwandelt. Ein Bandmitglied bloggt und erklärt in diesem Blog die Geschichte des Copyrights und warum das politisch wichtig für uns alle ist. Straight und einfach. Arbeitstitel: Incommunicado.

Michel Reimon

Über Michel Reimon, seinen Roman „#incommunicado“ und meinen winzigen Beitrag zur freudvollen Rezeption habe ich schon geschrieben. Heute bin ich durch Zufall bei CARTA.info auf einen Gastbeitrag von ihm gestoßen, in dem er die u.a. Entstehungsgeschichte des Buches beschreibt. Wer neugierig geworden ist, kann das Buch legal herunterladen:

Downloadlink
Text: CC BY-SA 3.0, Michel Reimon
Umschlagbild: Juan Osborne, www.juanosborne.com

Ich verrate ein kleines Branchen-Geheimnis: Wenn Sie vom Schreiben leben wollen, fragen Sie sich nicht, wie viele Leute Ihr Buch kaufen werden. Fragen Sie sich, welche Lesungen, Vorträge und Seminare Sie anbieten können. Aber zu allererst fragen Sie sich, ob Sie Ihren Text auch schreiben würden, wenn Sie dafür keinen Cent bekommen. Diese Chance ist nämlich sehr real.

Michel Reimon

Ich freue mich auf „Postjournalismus“, Michel Reimons neuestes Sachbuchprojekt.

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The Winner takes it all

Update (17.6.2012): Jetzt funktionieren auch die Links. War ein Test, ob ihr die auch anklickt. Vielleicht.

Als Blogger kann ich es mir leisten, Beiträge für genau drei Leser zu schreiben. In diesem Fall schreibe ich für drei Autoren, die bei uns auf dem Wagenplatz sehr regelmäßig als Gäste stehen, bzw. dort einen Gästewagen bewohnen. In Zeiten der Urheberrechtsdebatte kann es nicht ausbleiben, dass diese auch zum Thema wird. Dabei nähern wir uns dem Thema von unterschiedlichen Seiten, mir sind die Möglichkeiten wichtig, unter denen ich fremdes Urgehobenes auf meinem Blog ganz oder in Teilen verwenden darf ohne Post vom Rechtsanwalt befürchten zu müssen. An dieser Stelle wünsche ich mir Klarheit und werde nicht müde, immer wieder auf die Möglichkeiten hinzuweisen, die die Creative Commons Lizenzen bieten. Und am Rande erwähne ich auch gerne all die positiven Beispiele erfolgreicher Selbstvermarktung, die immer wieder mal im Netz erwähnt werden. Der Autorenblick auf´s Thema kommt aus einer anderen Ecke, der monetären. Und unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht wesentlich von dem, was uns zum Beispiel 51 TatortAutoren und Kampagnen-Betreiber mitzuteilen haben. Den Bereich wissenschaftlicher Veröffentlichungen, ob mit oder ohne öffentliche Förderung, oder die Notwendigkeit zensurermöglichende Infrastruktur aufzubauen (bedeutet: Bürgerrechte einzuschränken), um die Ansprüche nur eines kleinen Teils der Gesellschaft abzusichern, haben wir bis jetzt noch nicht einmal gestreift. Dies zur Einführung für alle, die sonst noch so mitlesen.

Erklärcomic CC

Was mir an unserer Diskussion auffällt ist zunächst, dass die jeweiligen Voreingenommenheiten, mit der vorwiegenden Berichterstattung in den etablierten Medien (Print und TV, urheberrechtsfreundlich) bzw. im Internet (urheberrechtskritisch) übereinzustimmen scheinen. Das muss nicht schlecht sein, wenn alle das Gleiche „wissen“ ist Austausch unnötig. Von daher scheinen unsere Gespräche abzubilden, was auch gesellchaftlich gerade abläuft. Alte und bekannte Strukturen werden von neuen technischen Möglichkeiten in Frage gestellt und wollen neu bewertet werden. Und wenn im Zuge dieser „Neubewertung“ die Taxizentralen aussterben und durch schicke Smartphone-Apps ersetzt werden, ist uns das sehr egal. Hauptsache, ein Taxi kommt, wenn ich eines rufe.

Meint: Manches in der Debatte betrifft uns mehr, anderes – vermeintlich – weniger. Betroffen bin ich von Rechtsunsicherheit und meine Autorenfreunde vom vermuteten Wegbrechen ihrer Einkünfte aufgrund raub- und mordkopierender Vielleser. Zumindest haben wir bis jetzt so diskutiert und vielleicht war das falsch. Um mit der eigenen Nase zu beginnen, solange ich für drei Leute schreibe, höchstens mal einen Absatz zitiere und dann sauber verlinke, Bilder nur mit Genehmigung oder CC-Lizenz verwende und vor allem bloß nichts tue, was irgendwie nach Gewinnstreben aussieht (und dazu könnte ein Flattr-Button schon zählen), bin ich vermutlich auf der sicheren Seite. Andererseits beträfe es mich sehr, wenn auch auf einer wesentlich abstrakteren Ebene, wenn mein Internet-Provider zukünftig in jedes meiner Datenpakete hineinschauen würde, dürfte, müsste. Das ist dystopisch. Utopisch – und in der Diskussion ebenso abstrakt-sperrig – ist die Idee alle mit öffentlichen Geldern generierten Inhalte ihren Geldgebern, den Steuer- ung Gebührenzahlern, zurückzugeben. Angesprochen sind hier Forschungsergebnisse der öffentlichen Hochschulen, Drehbücher, Konzepte und gesendetes Material der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten, Datenbestände staatlicher Stellen und etliches mehr, das mir gerade nicht einfällt. Die Durchsetzung des bestehendes Urheberrechts fordert die Dystopie und verhindert die Utopie. Und vermutlich betrifft mich das mehr, als ich ahne und (ha, das kommt immer gut) meine Kinder, die betrifft es in jeder denkbaren Zukunft noch viel mehr als mich. Und viel mehr als sie ahnen.

Meine Autorenfreunde wiederum sind vielleicht nicht gar so sehr von schrumpfenden Einkünften betroffen, wie sie das darstellen. Zuallererst weil es diese Einkünfte so nicht gibt, nicht in ihrem speziellen Fall und auch nicht im Allgemeinen. Autoren geht es schlecht. Und das nicht erst seit gestern, als sie dieses Internet aufgemacht haben, von dem wir immer noch nicht wissen, ob es sich durchsetzt.

Mein Eindruck aus all dem Gelesenen zum Thema ist, dass Autoren nur zu einem kleinen Teil ihr Leben von ihrer Schreibtätigkeit finanzieren können. Der größere Teil lebt in Armut und wenn sich daran etwas ändern soll, dann wäre es sinnvoll, den Verlegern und Verwertern gegenüber eine etwas bessere Verhandlungsposition zu bekommen. Und genau hier kommt wieder das Urheberrecht ins Spiel, hier sollte die Betroffenheit einsetzen.

Kommt hinzu, dass in unseren Diskussionen bei mir der Eindruck entstanden ist, dass meine Autorenfreunde sehr wenig über die Chancen wissen und nachdenken, die das Internet als Medium bietet. Und dass ich als Nicht-Autor, meint aufgrund fehlender Erfahrung und Betroffenheit, ihnen an dieser Stelle auch nicht viel mitteilen kann. Zumindest nicht mit dem erforderlichen Gewicht. Und als ich heute früh mal wieder auf einen Blogpost zum Thema gestoßen bin, von dem ich mir wünschte, meine schriftstellernden Freunde würden ihn zum eigenen Gewinn lesen …, ja, was eigentlich? Vielleicht hätte ich es bei einer kurzen Leseempfehlung lassen können, aber die Erfahrung zeigt, dass die gerne auch mal ignoriert werden. Deswegen braucht es eine ausführliche Besprechung.

Nur,  ausführliche Besprechungen sind nicht so mein Ding. Deswegen als Abstract:
1. Ich habe euch das so oder ähnlich schon immer gesagt.
2. Der sagt das auch, hat aber besser recherchiert.
3. Der kann sogar Bilder.
4. Gebt endlich zu, dass ich recht habe.

Also, dringende Leseempfehlung: der Blog von Leander Wattig. Was ihn antreibt beschreibt er so:

Seit ich denken kann, liebe ich Menschen, die selbstbestimmt und aus Überzeugung „ihr Ding machen“. Das Internet und die digitalen Medien ermöglichen es Kreativschaffenden nun wie nie zuvor, das zu tun. Je mehr Menschen diese Chance ergreifen, desto besser geht es uns auch als Gesellschaft. Voraussetzung dafür ist aber Geld, das ihnen Schaffenszeit kauft, und dass wir uns zudem gegenseitig dabei unterstützen, die neuen Möglichkeiten zu erkunden und zu nutzen. Ich will dazu beitragen, was ich kann, dass möglichst viele von uns ihrer Leidenschaft folgen können. Daher schreibe ich hier „über Wege, vom Kreativ-Sein leben zu können“, und versuche, mithilfe meiner Vernetzungsinitiativen das Feld voran zu bringen.

Ihr seht, der Mann hat eine Mission. Und er tut was dafür. Besonders gefallen hat mir eine Slideshow von ihm, in der einiges auftaucht, was wir in einer unserer letzten Diskussionen ebenfalls angesprochen haben (gelesen werden als Ziel, Autor-sein als Geschäftsmodel, bei einem Verlag sein wollen, Self publishing schwierig und nimmt Zeit zum Schreiben) und anschließend auf die direkte Leserbeziehung eingegangen wird. These: Wer 1000 wirkliche Fans gewinnen kann, hat´s ins Mittelfeld geschafft und musste dafür nicht einmal einen Hit produzieren. Zwischendrin gibt´s Zahlen für den Realitätsabgleich, z.B.:

Graph Einkommensverteilung Autoren

Und wer danach noch nicht genug hat, kann ja mal schauen „wie und wovon Urheber und Medienleute leben„.

Und schließlich, der Mann wohnt in der Nähe, Frankfurt, und betreibt dort einen Publishing-Stammtisch, den nächsten gibts am 30.7.2012.

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