Die letzten Tage war ich viel, viel, viel zu sehr in den (a)sozialen Medien unterwegs. Nicht genug damit, ich war unterwegs in wirklich schwierigem Terrain, dem Grönland- und Zollsumpf. Nun werde ich auch deswegen nicht beginnen, hier Weltpolitik zu kommentieren, sondern wie immer versuchen, nah bei mir zu bleiben.
Kurz gesagt: mir tut das nicht gut. In einer durch den Klimawandel ohnehin angespannten Weltlage beginnen einzelne Akteure am Rad zu drehen und das jeweilige Umfeld bekommt sie nicht eingefangen. Schwierig genug, wenn der Nachbarsjunge zündelt oder die demente Oma in Unterwäsche den Hausflur wischt, alles schon erlebt. Was bisher in meiner Welt nicht vorkam, ist ein zündelnder und dementer amerikanischer Präsident. das macht mir Angst.
Und diese Angst ist keine abstrakte, sondern eine, die bis in die aktuelle Gefühlslage hineinwirkt. Vermutlich bin ich damit nicht alleine, auch wenn mensch jeweils anders darauf reagieren mag. Bei mir verstärkt diese Angst depressive Tendenzen, andere werden vielleicht agressiver oder ziehen sich mehr zurück. Egal was die Beschäftigung mit der Weltlage mit uns macht, im Ergebnis macht sie uns alle krank (oder etwas weniger gesund).
Manche haben sich deshalb schon von allem Nachrichtenkonsum zurückgezogen, auch ich habe das schon zweimal versucht (während Zeiten, die im Rückblick als entspannt zu bezeichnen sind). Ich bin unsicher, ob Nachrichtenvermeidung wirklich eine gute Lösung ist, ganz sicher ist es keine allgemeingültige. Aber: ich glaube, mir könnte das gerade gut tun.

Vollkommen nachvollziehbare Haltung. Ich meide die Nachrichten schon eine ganze Weile, aus ähnlichen Gründen. Bin allerdings mit dem Grönland-Elend jetzt in den sozialen Medien viel konfrontiert, weil ich aus Gründen des Spracherwerbs eine ganze Reihe von dänisch-grönländischen Accounts verfolge (ist normalerweise etwas interessanter als der übliche Hausfrauen-Content auf dänisch). Da haben sich mittlerweile selbst die Menschen, die im Grunde nicht mal so genau wissen, wo das Regierungsgebäude steht, und das auch nicht wissen wollen, politisiert – da geht Panik um, vorsichtig ausgedrückt. Das ist wirklich bedrückend. Ich bringe aber das nötige Maß an Ignoranz nicht auf, um soviel Elend einfach wegzudenken… es ist schon zum Haare raufen. Also setze ich auf die Gleichzeitigkeit aller Dinge: Auch wenn dieser Typ gerade Amok läuft, scheint hier gerade ganz wunderhübsch die Sonne aufs Meer. Direkt vor meinem Arbeitsplatz. Und das ist doch auch was. Manchmal muss man bisschen länger suchen, bis man die schönen Dinge neben dem großen Elend findet.
@Frede
Wie recht Du hast! In den besseren Momenten gelingt mir das auch. Dann sitze ich vorm Tablet, aber schaue nicht hinein, sondern aus meiner großen Fensterfront hinaus. Und oft genug scheint dort die Sonne oder die Meisen veranstalten irgendetwas. Im blödesten Fall ist es draußen häßlich und ich freue mich daran, dass ich im Warmen sitze.
Und in den schlechteren Momenten fällt mir das einfach nicht ein. Danke für’s Erinnern.