25209 – Wellness

Meine gute Stimmung hält sich erfreulich lange. Zugegeben, die Umstände dafür sind auch günstig. Heute morgen wache ich gegen zwanzig vor acht von alleine auf, gerechnet hatte ich damit, gegen sechs mit irgendwelchem Krankenhaus-Gedöns geweckt zu werden. Ausgeschlafen fühle ich mich wie auf der Wellness-Station, bis gegen elf klebe ich Zeug ins Journal und versuche Thumbnails von der künstlichen Herzklappe zu zeichnen. Das Teil sieht aus wie ein kleines Krönchen, hoffen wir, das kein Zacken rausbricht.

Das Personal freut sich über meine Anmerkung, die Station käme mir wie die Wellnessstation vor, drei Mahlzeiten am Tag und kaum Anforderungen. In Bezug auf die Pflege geschieht hier wirklich nicht viel, dreimal am Tag wird Blutdruck, Puls, Sauerstoffgehalt des Blutes und die Temperatur gemessen. Ich bin hier, weil die meisten Komplikationen nach dem Eingriff innerhalb der ersten drei Tage danach auftreten. Und wenn sie auftreten, dann sollen sie Krankenhaus auftreten. Ich wage an dieser Stelle die Vorhersage, dass ich Montag ohne Komplikation entlassen werde.

Gegen elf werde ich gebeten, meine Sachen zusammenzupacken, weil mein Zimmer benötigt würde. Sehr schade, ich habe gehofft, das Wochenende alleine im Zimmer zu bleiben, nun beziehe ich ein Doppelzimmer. Ich plaudere etwas mit meinem (mittlerweile dritten) Bettnachbarn, wir springen von einem Thema zum nächsten, einfach um ein Gefühl füreinander zu bekommen. Er ist der bisher seltsamste Vogel, mit dem ich zusammenliege, aber nicht unsympathisch.

Und schon ist Mittagszeit. Danach ziehe ich mich hinter das Tablet zurück, den kleine Aufenthaltsraum habe ich für mich, heute also dient er dazu, sich zu entziehen. Und bequemer ist es auch, an einem Tisch zu sitzen.

Zwischendrin dusche ich, der Ablauf der Dusche ist verstopft, als ich es bemerke habe ich schon eine Überschwemmung im Bad verursacht. Das Personal ist hilfreich. Es wirkt so, als sei ich der Erste, dem das passiert ist. Obwohl ich eher darauf tippen würde, dass das schon mehrmals passiert ist und nur nicht an die entsprechende Stelle weitergegeben wurde. Das Personal scheint eher darauf zu tippen, dass ich mit offener Glastür geduscht habe. Ich betone deutlich, dass sich die Überschwemmung wiederholen wird, wenn die Verstopfung nicht beseitigt wird. Und entlasse mich aus der Verantwortung.

<O>

Nachmittags beginne ich zum ersten Mal, mich zu langeweilen. YouTube kann da helfen, manchmal, heute nicht. Schließlich lande ich auf meinem Bett und lese. Tochter H. hat sich angemeldet, sie wird ein verlängertes Wochenende in Gießen sein, und mich besuchen. Unmittelbar nachdem sie mit der Bahn angekommen ist, verbringen wir eine Stunde zusammen. Ich bin froh um die Ablenkung und erstmals ergeben auch meine unsinnig großen Lebensmittelvorräte Sinn, die lange Zugfahrt hat sie hungrig gemacht.

Der Rest des Abends vergeht mit lesen, Serien schauen und bloggen.

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