Bananenfinsternis

Bei Temponaut lässt sich genauer anschauen wie das mit der Vergänglichkeit unterhalb unserer Wahrnehmungsschwelle so funktioniert. Zeitrafferaufnahmen lassen Vergänglichkeit … äh, …, auch schon vergangen, der Gedanke. Mein Lieblingsbeispiel ist die Bananenfinsternis, Alter, Krankheit und Tod zum …, ach schaut es euch einfach an.

Nicht so mein Tag heute, formulierungstechnisch alles Banane.

Update (24.11.2019):
Der Temponaut hat sich professionalisiert und mir bei der Gelegenheit den damaligen Link zerschossen. Aber es gibt einen neuen, leider mit Musik unterlegt, die das längst nicht so morbide rüberkommen lässt, wie ich mir das wünsche.

Update (16.7.2023): Tja, alles ist vergänglich, ganz besonders Links zu besonderen Inhalten. Die gibt’s an den angegebenen Stellen nur noch gegen Lizenz, meint Geld. Was ihr hättet sehen können: Bananen im Zeitraffer, von reif bis sehr, sehr schwarz und schrumpelig.

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Dies ist der letzte Beitrag im Buddha-Blog.

Drei Arten Leid

1. Leid des Leides (von A bis Z)

Leid des Leides tut weh, entweder gleich und richtig oder langsam und auszehrend. Kennt jeder, wird von jedem erkannt („Autsch, …“), muss kaum erklärt werden. Einige willkürliche Beispiele:

Armut, Blindheit, Camping, Durchfall, Fußpilz, Groll, HIV, Impotenz, Jungfräulichkeit, Konkurs, Leberhaken, Mundgeruch, Nikotinsucht, Orangenhaut, Paranoia, Quasselei, Reizüberflutung, Schlaflosigkeit, Treue, Untreue, Verbitterung, Witzigkeit (bemühte), Xenophobie, Y-Chromosom, Zahnschmerz

2. Leid der Vergänglichkeit (von A bis A)

Phänomene sind zusammengesetzt aus Bedingungen, die vergehen. Vergehen die Bedingungen, vergehen die Phänomene. Deswegen dauert nichts ewig, die Liebe nicht und nicht der Tod. Das gilt so sehr für alles, dass wir es groß schreiben müssen:

Alles

3. Leid der Bedingtheit (von A bis Z)

Wird auch beschrieben als Leid an der Fremdbestimmtheit, wir leiden daran, dass wir weder unsere Umwelt noch unseren Körper oder unseren Geist kontrollieren können. Auch hier einige Beispiele:

Anwesenheitspflicht, Beziehungsabbruch, Copyrights, Dunkelheit, Einstellungsstop, Formalismus, Gewalt, Hierachiebildung, Indiskretion, Jurisdiktion, Klimawandel, Lauschangriff, Minimalkonsens, Nullsummenspiel, Ozonloch, Prinzipienreiterei, Quacksalberei, Routine, Sparkurs, Treue, Untreue, Verleumdung, Wetter, Xenophobie, Yankees, Zensur

Drei Arten Mitgefühl

 

Der tibetische Lama an sich ist systematisch. Wenn es drei Arten Leid gibt, kann man diesem Leid selbstverständlich mit drei Arten Mitgefühl begegnen. Wir haben also

Mitgefühl

  1. mit leidenden Wesen,
  2. mit vergänglichen Wesen und
  3. mit bedingten (oder“leeren“) Wesen.

Wobei mir noch unklar ist, ob das Mitgefühl den Wesen gilt weil sie leiden, vergänglich und bedingt sind oder weil sie unter diesen Zuständen leiden.

Die Frau, bei der ich Kind war

Als ich die Redewendung aus der Überschrift zum ersten Mal hörte (André Heller verwendet sie in einem seiner Live-Auftritte) wußte ich, dass damit auch die Beziehung zwischen mir und meiner Mutter gültig beschrieben ist. Sie wendet eine Beziehung, die wir uns gerne als eine liebende vorstellen, ins Formale. Eine hat geboren, eines wurde geboren, mehr wissen wir nicht, aber wir ahnen, dass es keine herzerwärmende Geschichte wird.

Ich erinnere  keinen Moment mit meiner Mutter, in dem ich mich geliebt gefühlt oder für sie Liebe empfunden hätte. Auf den Bildern aus den Wochen nach meiner Geburt ist ihr Gesichtsausdruck neutral, ich spekuliere eine Wochenbettdepression hinein, es würde passen, ist aber nicht überliefert. Was überliefert ist, ist die vergleichsweise kurze Stillzeit von drei Wochen. Ich glaube, ich war sehr verärgert, damals.

Das Gute an formalen Beziehungen ist, dass alle Beteiligten wissen, welche Rolle sie zu spielen haben. Mutteriell war ich gut versorgt, Flaschennahrung und Babybrei machten es möglich, später gab es Fleisch mit Konservengemüse. Gekleidet wurde ich mit Hilfe des Otto-Versands, der meinen modischen Ansprüchen lange genügte. Kurz, gemessen an den damaligen Umständen fehlte es mir an nichts und ich dankte es mit Wohlverhalten.

Zumindest bis zur Vorpubertät, die – wenn wundert’s – viele Veränderungen mit sich brachte. Vielleicht am Wichtigsten für den Zweck dieses Textes, etwa ab der Vorpubertät habe ich zusammenhängende Erinnerungen, die Zeit davor bleibt bruchstückhaft – und es sind wenige Bruchstücke. Je weiter zurück, umso weniger. Weswegen meine Kindheit in der Regel nicht auserzählt wird, es bedarf besonderer Bemühung, in sie einzudringen; hier und heute, also hier und morgen und vermutlich  auch hier und an etlichen Tagen mehr, will ich es anders machen und den wenigen Erinnerungen den Raum geben, den sie verdienen. Was war los zwischen Zu-früh-abgestillt und Das-müssen-Lewis-sein?

<O>

Wird fortgesetzt,
irgendwann mal,
oder auch nicht,
weil’s irgendwie auch egal ist,
Ihr wisst schon.