Gibt es buddhistische Software?

2008-04-20-tux-buddha

Zugegeben, die Frage weckt falsche Vorstellungen, es soll in diesem Artikel nicht um Programme zur Herstellung meditativer Zustände gehen. Auch die elektronische Entsprechung von Gebetsmühlen ist nicht gemeint. Wie wir in der Bürosoftware unserer Wahl das Wort Gott gegen Buddha austauschen fiele unter Tipps und Tricks und wäre außerdem semantischer Blödsinn.

Wenn wir „buddhistisch“ mit „den Lehren Buddhas entsprechend“ übersetzen wollen, dann frage ich nach Software, die ich assoziativ mit Teilen von Buddhas Lehre verknüpfen kann. Weitergehend auch, ob es Software gibt, die buddhistischer ist als andere? Die Antworten: ja und ja.

In meiner Linie sprechen wir oft von den Wesen, „die Buddhas sind, ob sie es wissen oder nicht“. Da fallen mir gerne all die Programmierer ein, die dafür sorgen, dass ich ein funktionierendes Betriebssystem mit sicheren und komfortablen Anwendungsprogrammen kostenfrei nutzen kann. Und all die Kulturschaffenden, die ihre Werke unter der CC-Lizenz der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Oder die Wikipädianer, die mich an ihrem Wissen Teil haben lassen. All diese Menschen helfen mir, weil sie Spaß daran haben oder es anderweitig für nützlich, wünschenswert und sinnvoll halten.

Buddha, „der Befreite“, hat uns die sechs befreienden Handlungen genannt, vier davon – mindestens -darf man den selbstlosen Codern, Künstlern und Kennern unterstellen: Großzügigkeit, sinnvolles Verhalten, Geduld und freudige Anstrengung (für die Freunde der Vollständigkeit: die letzten zwei Paramitas sind Meditation und Weisheit ). Deswegen schaue ich sie als Buddhas an, ob sie es wollen oder nicht.

Und: unbekannterweise helfen auch diese „Freunde auf dem Weg“ mir, der Buddhaschaft etwas näher zu kommen, einfach deswegen, weil sie mein Leben etwas sorgenfreier machen. Eine Sorge, zwei Sorgen, drei Sorgen weniger betreffs schlechter Eindrücke im Geist. Ich halte das für wichtig. Das Vorhandensein von Sorge oder Unruhe verträgt sich nicht mit dem Streben nach Erleuchtung. Auch dann nicht, wenn es nur eine kleine Sorge ist, zum Beispiel die, ob mein Betriebssystem nachhause telefoniert oder mein Provider erst speichert und dann petzt, das ich die neueste aber unbezahlbare Version von Was-auch-immer-Soft beim Warezlieferanten meines Vertrauens heruntergeladen habe. Oder ich mir Gedanken machen muss, ob der Urheber dieses Bildes, dieses Icons, dieses Jingle, dieses Zitates stolz oder kostenintensiv ärgerlich wird, wenn ich es in meiner Website verwende. Das muss ich nicht haben, wenn ich das nicht haben muss, weil es Alternativen gibt.

Also: es gibt Programme und Inhalte, die von den Machern der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden. Das Verwenden dieser Programme und Inhalte ist unter Erleuchtungsaspekten anzuraten.

Ein letzter Hinweis: Es gibt Lizenzen, die dafür sorgen, dass diese Programme und Inhalte auch der Allgemeinheit bleiben und nicht von weniger selbstlosen Zeitgenossen per Patent oder Urheberanspruch angeeignet werden. Diese Lizenzen können zur Orientierung auf der Suche nach buddhistischer Software nützlich sein. Gelegentlich werde ich an dieser Stelle noch einige Links einfügen.

Über die Nicht-Anwendung der Mittel

Heute morgen bin ich auf ein Zitat von Drukpa Künleg gestoßen, das immer noch nachwirkt. Ohne den genauen Wortlaut zu erinnern kann ich nur schreiben, dass es darum ging, die Mittel zu kennen und sie dennoch nicht anzuwenden. So handelnd ist man wie der, der vorm vollen Kühlschrank verhungert. Obwohl es zu Drukpas Zeiten noch keine Kühlschränke gab und sie in Tibet und Bhutan auch nicht wirklich fehlten.

Die Mittel anzuwenden ist dem widerständigen Ego, wie sich zum essen zu zwingen, wenn man nicht essen möchte. Nun ist es ganz und gar nicht mein Problem, nicht essen zu wollen. Aber ich habe beruflich und privat mehrfach mit magersüchtigen Frauen zu tun gehabt und weiss, wie schwer es ihnen fällt. Mein Lieblingslama hat einmal, von einer magersüchtigen Frau um Hilfe gebeten, gefragt, ob sie denn den Buddha mögen würde. Als diese das bejahte riet er ihr, sich den Buddha in ihrem Magen vorzustellen und ihn an ihrer Stelle zu füttern.

Wenn wir etwas – was auch immer – nicht für uns selbst tun können, so scheint es eine gute Idee zu sein, es für den Buddha in uns zu tun. Ich möchte mich in Zukunft öfter an den Buddha in mir erinnern, denn es ist an der Zeit, einiges für ihn zu tun.

Unglaublich, ich bin nicht allein

Da beginne ich den Buddha-Blog, weil ich glaube, dass vermutlich nicht allzu viele Menschen Buddhismus von dieser Seite aus angehen. Was geschieht? Am dritten Tag meiner Bemühung (und, ja, auch meiner freudvollen Anstrengung) stoße ich auf einen ganzen Ring blogender Buddhisten. 71 Seiten, alle in Amiland, Webring, kommerzielle Sache irgendwie, viel Reklame und so. Can´t believe it? Look there .

Die wenigen Seiten, die ich mir angeschaut habe waren textbetont und humorvoll. Gutes Anschauungsmaterial für einen Blog-Neuling wie mich. Und viel zu lesen. Wenn ich etwas wirklich Bereichendes (oder auch nur Spannendes, Unterhaltsames, Kurioses) finde, werde ich es hier natürlich vorstellen.

„Amiland“, ist das PC (ihr wißt schon, pii-sii, political correct)? Da hat sich bei mir, und nicht nur bei mir, ein Sprachgebrauch eingestellt, der den abwertenden Klang klammheimlich in Kauf nimmt. PCness (pii-sii-ness) ist mir eigentlich schnuppe, falls ich wirklich mal über einen Witz lachen kann, ist der in vier von fünf Fällen nicht PC. Aber „Amiland“? Das wertet nicht das Land ab, auch nicht die politische Führung dieses Landes, an deren Adresse ich die Abwertung gerichtet wissen möchte, sondern nur die Menschen in diesem Land, die „Amis“ eben. Und diese Menschen stecken mit Bush und Konsorten vermutlich ebensowenig unter einer Decke wie ich mit Merkel und Koch.

Konklusion: Ab heute will ich bii-sii (Buddha-Speak) sprechen und den Menschen nicht unrecht tun durch unachtsame Rede! Die rechte Rede soll mein Ziel sein! Also schon die linke, aber recht halt. Sonst bin ich am Ende doch wieder allein.

Mehr oder weniger – verfrüht

Dafür, dass es gestern sehr spät war, als ich von der Maschine loskam, bin ich erstaunlich früh auf. Es ist so viel tun für diese Seite. Konnte kaum einschlafen gestern Abend (eigentlich heute früh), viel zu viele Ideen. Die Wichtigste zuerst, ich möchte auf irgendeine Weise Beiträge kennzeichnen, die inhaltlich mit dem Diamantweg übereinstimmen oder aus Diamantwegs-Medien übernommen sind. Sozusagen das große Diamondway-Proof-Siegel. Als Anspruch groß genug, vielleicht sogar zu groß. Andererseits, wenn´s doch für den Mehrwert ist.

Zunächst dachte ich an das Diamantwegs-Logo, wie es auf den offiziellen Diamantweg-Seiten benutzt wird. Bei näherem Nachdenken ist das vermutlich keine so tolle Idee, zumindest nicht zu diesem frühen Zeitpunkt. Vielleicht finde ich irgendwann mal einen der vereinsinternen Schriftgelehrten, der mir Absolution erteilt für die Beiträge, die ich für „diamantweg-mäßig“ halte. Und bis dahin soll die Kennzeichnung durch die Kategorie genügen.

Nur wo Diamantweg – mehr oder weniger draufsteht, ist auch Diamantweg – mehr oder weniger drin.

Update vom 13.1.2009: Habe die besprochene Kategorie heute aus dem Blog genommen und die verschiedenen Beiträge anderen Kategorien zugeordnet. Ich möchte die Seite mehr für Gedanken anderer Linien öffnen. Lesern, die etwas Einblick in die buddhistische Szene haben, wird meine Nähe zum Diamantweg ohnehin deutlich sein, alle anderen sollen einfach nur ihren Spass haben (und langfristig an ihrem Unterscheidungsvermögen arbeiten). Der Anlass für diesen Schritt ist eine ziemlich bewegte Zeit, die ich gerade hinter mir habe und während der ich einen Teil meiner ZEN-Literatur nochmals gelesen habe. Dort fand ich die Gedanken und Anregungen, die mir die Diamantwegs-Literatur zu diesem Zeitpunkt nicht bieten konnten.

Der historische erste Blog-Eintrag von g., damals noch im Buddha-Blog

Buddha-Blog – Von der Schwierigkeit, sich wie ein Buddha zu benehmen, bis man einer geworden ist

Diese Seite heißt Buddha-Blog weil´s gut klingt, erstens. Zweitens, weil es hier um meinen Umgang mit buddhistischer Praxis und Lehre gehen soll, „Buddha-Blog“ gibt dafür einen deutlichen Hinweis. Oder?

Zur Zeit verbringe ich viel Zeit im Netz und nicht immer auf die sinnvollste Weise. Ich hoffe mit dem Buddha-Blog meiner Netzzeit einen Mehrwert für andere hinzuzufügen. Nicht jeder hat soviel Zeit, Bandbreite oder Geduld, seinen buddhistisch inspirierten Fragestellungen im Netz nachzugehen. Und Manches lässt sich nicht suchen, sondern nur finden, zufällig, oft auf der Suche nach Anderem. Diese Funde möchte ich teilen.

Teilen möchte ich auch meine Erfahrungen auf dem Weg. Zur Zeit praktiziere ich den Diamantweg (eine Schule innerhalb der Karma-Kagyü-Linie, die wiederum eine der vier Hauptlinien des tibetischen Buddhismus ist) und mein Blick auf andere buddhistische Schulen im Allgemeinen und meine Praxis im Speziellen ist dadurch unvermeidlich gefärbt. Zurückliegende und gegenwärtige Begegnungen mit anderen buddhistischen Schulen helfen hoffentlich, einen weiten Blick zu behalten – und dort zu fokussieren, wo es notwendig ist.
Wikipedia, Eintrag Diamantweg, gut für einen ersten, auch kritischen Überblick

Ein weiterer Schwerpunkt soll die Darstellung buddhistischer Themen in der zeitgenössischen visuellen Kunst sein. Ich bin auf der Suche nach Menschen und Künstlern, die mit zeitgemäßen Visualisierungen buddhistischer Weisheit experimentiernen.
Vielleicht wird der Eine oder die Andere die Möglichkeit vermissen Kommentare anzufügen oder direkt eine Diskussion zu eröffnen, wie andere internet-gestützte Tagebücher (=Weblogs, =Blogs) dies zulassen. Das ist Absicht. Ich möchte damit sicherstellen, dass die Inhalte dieser Seite übersichtlich, unterhaltsam und erfreulich bleiben. Anregungen, Ergänzungen, Fragen und Diskussionsangebote soll das nicht verhindern, sondern über meine editoriale Bearbeitung umleiten. Hinweis für Ungeübte: Unterhalb dieses Artikels auf den Autor klicken, Euer Browser sollte es dann anbieten, mir eine Email zu senden. Ich freu´ mich drauf.

Update (13.12.2009): Der oben verlinkte Artikel hat sich verändert, vor allem enthält er keinerlei Hinweise mehr auf die immer wieder geäußerte Kritik  an Lama Ole Nydahl oder dem Diamantweg in seiner Gesamtheit. Da diese Kritikpunkte ebenso regelmäßig wie nachvollziehbar geäußert werden (und damit möchte ich ausdrücklich kein Urteil über ihre Berechtigung abgeben), gehören sie meines Erachtens in eine Darstellung des Diamantweges. Macht Euch selbst schlau, Google sollte helfen. Und dann glaubt nur die Hälfte. Oder fragt mich.