Der Prachtband meines Lebens

Vor wenigen Tagen habe ich ein kleines Projekt abgeschlossen, mit dem ich mich mehr als einen Abend beschäftigt gehalten habe. Ziel war eines meiner Tagebücher komplett in die Texterkennung einzusprechen und – leider immer noch unvermeidlich – zu korrigieren. Dass ich dabei die eine oder andere Zeile zur Wiederverwertung hier im Blog  finden könnte, war ein erwartbarer Nebeneffekt. Der Beitrag zu den Rangoli ist ein schönes Beispiel dafür.

Dennoch, es ist ein ambivalentes Vergnügen, in alten Tagebüchern zu blättern, ähnlich dem Achterbahnfahren oder dem Anschauen von Horrorfilmen. Was zur Vorstellung einer aufgebohrten Geisterbahn führt.

Und fast immer lässt mich diese Geisterbahn etwas benommen und ratlos zurück. Was ich gezeigt bekomme, ist eine Mischung aus jugendlicher/erwachsener Unwissenheit direkt neben erstaunlicherweise schon Gewusstem. Peinliche Naivität neben gedanklicher Klarheit. Gültige Selbsterkenntnis bei gleichzeitiger Verkennung der umgebenden Welt. Das Bemühen um Lösungen für unlösbare Konflikte. Hoffnung und Vergeblichkeit. Ich weiss nicht, was ich davon halten soll. Leben halt, es macht benommen und ratlos.

Aber ich schweife ab bevor ich begonnen habe. Worum es ursprünglich in diesem Beitrag gehen sollte, war ein Eintrag, der direkt darauf verweist, warum ich bloge. Oder besser, dass ich bloge, die Frage nach dem Warum ist mir heute – und war mir damals schon, so vor rund 40 Jahren – zu grüblerisch. Ich bloge, weil ich es schon immer wollte. Nur dass bloggen damals nicht vorstellbar war, so ohne Internet. Geschriebenes war nur in der Form von Zeitungen und Büchern vorstellbar.

Was dazu führte, dass ich gelegentlich (also zu Gelegenheiten wie Geburtstagen oder Trennungen) postkartengroße Bändchen zusammenstellte und verschenkte. Mit der Verwendung von Kopien war ich schon damals auf der Höhe der vervielfäftigungstechnischen Entwicklung, wir Hobby-Publizisten hatten gerade die Spiritusdrucke hinter uns gelassen.

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Einbruch des Lebens in die Kunst. Da wollte ich gerade einen Abschweif in den späteren 3-D-Druck beginnen, greife dafür ins Bücherregal an die Stelle mit den Büchern, die mich zu irgendeinem Zeitpunkt meines Lebens wirklich und wirksam beeinflusst haben, und entdecke einen Wassereinbruch, der ernsthaften, schimmligen Schaden angerichtet hat. Nach Leben und Wasser bricht mir auch die Laune ein.

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Um schnellstmöglich abzuschließen (Tl;dr): Ich wollte schon immer bloggen, habe es damals mangels Internet nur so nicht nennen können. Am besten Ihr lest selbst, heute käme dieser Text auf die Über-mich-Seite, die Über-diesen-Blog-Seite oder was Blogger ihren Lesern sonst so zum ersten Geleit anbieten. Damals noch: Zum Kennenlernen. Ach ja, die Überschrift erklärt sich dort auch.

Der Selbstbau-PC

Manchmal sagt man so Dinge vor sich hin, z. B. „Wir könnten Dir auch einen neuen PC selbst zusammenbauen“, nur weil man gerade so im bevorzugten Computerheftchen rumbättert (ct 24/2019) und der Lieblingsmensch seit einiger Zeit einen neuen PC auf der ToBuy-Liste hat. Noch manchmaler wird man gänzlich unerwartet ernst genommen. Weil die Headline greift, „Für alles parat: Bauvorschlag für einen leisen Allround-PC mit Sechskerner und schneller SSD“, weil voll im Budget und weil wir´s können. Letzteres bis dahin nur  eine halbwegs begründete Vermutung.

Aber der Liebingsmensch traut sich was, ein paar Tage später kommt bei mir die Message rein:

Getan es ist, der Großteil für den neuen PC ist bestellt! Morgen kaufe ich noch zwei Teile direkt im Laden, dann fehlt nur noch der Speicher.

Und abermals ein paar Tage später:

Die letzten Komponenten sind eingetroffen …

… ist ein wenig wie Weihnachten 🙂

Gestern und heute hatten wir dann – endlich und neben anderem – die Zeit, das Teil zusammenzustecken. Wer wissen will, wie so etwas aussieht, kann für einen Eindruck im unten eingebundene Video herumklicken (Gesamtlänge knapp zweieinhalb Stunden, das wollt ihr nicht). Die Jungs verbauen da zumindest teilweise die gleichen Teile wie wir. Und wie die Jungs hatten auch wir Glück und das Teil lief nach dem Zusammenstecken ohne zu mucken an. Geht so in neun von zehn Fällen, schätzt einer der Profi-Zusammenstecker.

Der eine von zehn Fällen ist das Risiko, das wir mit dieser Aktion eingegangen sind. Hätte das Teil aus uns unbekannten Gründen nicht wie vorgesehen gestartet, wären wir zu einer Fehlersuche gezwungen gewesen, die uns möglicherweise überfordert hätte. Aber wie sagte der Lieblingsmensch: „Wenn gar nichts geht, trag ich die Teil zu [mittelständischer PC-Dealer der Vertrauens] und der soll´s zusammenschrauben.“ Es ist immer gut, einen Plan B zu haben.

Soweit, so gut. Und alles zu eurer Ermutigung. Es ist auch ohne tieferes technisches Verständnis möglich, elektronische Bauteile so zu kombinieren, dass sie einen funktionsfähigen PC ergeben. Nicht umsonst hat das Computerheftchen vor ein paar Jahren mit diesem Slogan geworben: Auch wenn Sie nichts verstehen, können Sie immer noch damit angeben.

Stellt es euch wie den Zusammenbau von IKEA-Möbeln vor, nur mit weniger Bildern, mehr englisch, weniger Fehlertoleranz und mehr Konzentration. Der Vergleich hinkt nur an einer einzigen Stelle, an der wir in eine kleine Schwierigkeit hineingelaufen sind. Verantwortlich war einer der üblichen Verdächtigen, eine Maßungenauigkeit „eigentlich“ standardisierter Bauteile; IKEA wäre das nicht passiert, da ist alles aus einer Hand.

Mainboard- und Gehäusehersteller waren sich also um cirka einen entscheidenden Millimeter uneins. Seien es zu kurze Abstandshalter oder zu große Fertigungstoleranzen beim Blech für die Buchsenabdeckung, das Mainboard musste Höhe gewinnen. Kein großes Ding, aber eines, das den Prozess stoppen kann, weil Bauteile benötigt werden, die nicht da sind. Die Profi-Lösung heißt „höhere Abstandhalter“, der Bastler legt Scheiben unter. Ihr kennt das vom letzten Teppichkauf, ganz unerwartet schleift die Tür. Man kann die Tür unten abhobeln, aber wer nach oben Luft hat, packt lieber eine Scheibe ins Scharnier.

Erfreulicherweise hatte ich in einem Anfall weiser Voraussicht die Rappelbox mit den kleinsten Kleinsteilen zum Tatort mitgebracht. Darin eine genau ausreichende Anzahl fummeliger Federringe und Scheibchen, die es erlaubten, das Mainboard hinter der Abdeckung von viel-zu-tief auf ein-wenig-zu-hoch anzuheben. Seht selbst:

 

Mehr Probleme gab es hardware-seitig nicht. Damit können wir zufrieden sein. Demnächst mehr von der Software.

Und zum Abschluss das versprochene Video:

Update (30.11.2019):
Tja, so einfach war und ist es dann doch nicht. Die neueste Firmware auf das Bios zu bringen (wir Profis sagen „flashen“) war noch einfach. Zumindest im Vergleich zur letzten Flash-Aktion, die geschätzt 15 Jahre zurückliegt. Also zu Zeiten stattfand, als das Bios mit bescheidenem Funktionsumfang noch blau und pixelig daherkam. Details erspare ich euch und mir, nur soviel: Früher war doch nicht alles besser.

Die empfohlenen Einstellungen der Profi-Zusammenstecker ins Bios zu übernehmen war dann auch noch einfach. Schwierig wurde es allerding an der Stelle …

Nein, ich breche hier mal ab und vertröste euch auf demnächst. Und ende hier so kurz wie möglich: Der PC friert nach cirka 7 (+/-2) Minuten ein, manchmal startet er auch neu, ich vermute einen Hitzefehler, werde mich aber erst in ein paar Tagen wieder damit befassen können. Die Fehlersuche – möglicherweise übefordernd, siehe oben – hat begonnen. Das Leben ist spannend.

Update (08.12.2019):
Geschafft! Nach mehr als einem Tag intensiver Beschäftigung mit dem Maschinchen läuft es jetzt fehlerfrei

 

Nachdem der Hitzefehler ausgeschlossen war – Nervkram auf einem System, das alle paar Minuten abstürzt – kam irgendwann bei einem der Abstürze eine Fehlermeldung, die auf ein Problem mit Windows hinwies. Überprüft durch Start mit einem Ubuntu-Live-System, das dann problemlos lief und endgültig alle Hardware-Fehler ausschloß.

Windows via MediaCreationTool und USB-Stick neu aufgesetzt, funzt.

Kreisschneideschablone

Eigentlich brauche ich schon mein halbes Bastlerleben kreisförmige Holzscheiben, egal ob als Räder, Topfdeckel, Aussteifungen, Verzierung oder Dingsbums. Und immer war es schwierig, sie in angemessenem Verhältnis von Aufwand zu Ergebnis herzustellen.

Gerade bin ich mal wieder an einem ambitionierten Projekt, für das ich eine große Anzahl von (zumindest teilweise) kreisförmigen Brettchen benötige (siehe oben).  Nun, große Not führt zu langem Nachdenken und in diesem Fall auch zu einer Lösung, die erstmals auch gute, reproduzierbare Ergebnisse mit wenig Aufwand bringt. Ich denke die Bilder sind selbsterklärend.

Ach ja, fast vergessen: Liebe Kinder, macht das bitte nicht zu Hause nach. Der Erklärbär hat  – um bessere Fotos machen zu können – die Sägeblattabdeckung der Kreissäge abgenommen. Nicht tun! Niemals! Außer ihr wisst, was ihr tut!

Update (21.11.2019):

Die fertigen Werrkstücke

Mandalorianischer Helm

30.9.2019
Auf dem Science Fiction Treffen in Speyer haben mich die Rüstungen der Mandalorianer am meisten angesprochen. Vielleicht weil ich durch den Trailer der demnächst startenden Serie schon etwas angefixt war, vielleicht aber auch, weil ich es gut fand, auf wie vielfältige Art das Mandalorianer-Schema variiert wurde.

Gemeinsam mit dem Lieblingsmenschen hatte ich im Vorfeld der Veranstaltung überlegt, mich zu verkleiden (freier Eintritt für kostümierte Menschen) und war – eigentlich wie immer, wenn ich über Kostüme nachdenke – dabei herausgekommen, das es irgendwie in Richtung Cyberpunk gehen müsste. Ebenfalls wie immer habe ich die Idee dann nicht weiterverfolgt.

Vor Ort haben mich die Kostüme geflasht und mich in dem Gedanken bestärkt, dass ich mal irgendetwas in diese Richtung machen möchte. Mir schwebt vage eine Mischung aus Cyberpunk ala Mad Max und einem Mandalorianer vor. Wieder zuhause hat sich dann sehr spontan eine Bastelei ergeben, einfach weil ich im Internet (wo sonst – muss man das noch schreiben, „im Internet“?) auf einen „Bastelbogen“ für eine mandalorianischen Helm gestoßen bin. Zwischen dem Fund und dem Dokufoto liegen etliche Stunden, aber am Ende des Tages war ich stolzer Besitzer eines Papierhelms mit mandalorianischen Geschmacksmuster.

Wie so oft, war die Geschichte schwieriger als anfangs erwartet und es lies sich für folgende Projekte viel lernen. Am wichtigsten sind zwei Dinge, die mit meiner physischen Erscheinung zu tun haben. Erstens ist der Höhenunterschied zwischen Augenlinie und Scheitelpunkt bei mir vermutlich etwas größer, als im Durchschnitt. Zumindest konnte ich die Kuppel des Helmes in der vorgegebenen Form nicht aufsetzen und musste auf Stirnhöhe einen Streifen einsetzen. Zweitens ragt meine Nase zu weit nach vorne, was beim Papierhelm kein Problem ist, da er kein Visier hat. Ein „richtiger“ mandalorianischer Helm hätte aber in dem T-förmigen Ausschnitt  eine spiegelnde Folie, an der meine Nase anstoßen würde.

Beides ist interessanter, als man auf den ersten Blick erwarten würde. Die Sache mit der Nase, will – wenn ich den jemals einen „richtigen“ Helm in Angriff nehme – beim Entwurf bedacht werden und wird ihn auf die eine oder andere Weise beeinflussen. Bedenkenswert, aber nicht weiter schwierig.

Die hohe Kuppel meines Schädels dagegen ist ein Problem des Geschmackmusters oder der Wiedererkennbarkeit. Mittlerweile habe ich mir bestimmt mehrere Dutzend mandalorianische Helme angeschaut, nur um ein Gefühl dafür zu bekommen, was sie bei aller Verschiedenheit gemeinsam haben. Eine dieser Gemeinsamkeiten mag das Verhältnis von Höhe zu Breite sein. Ein mandalorianischer Helm hat eine vergleichsweise flache Kuppel. Was bedeutet, dass mein Helm so dicht wie möglich über meinem höchsten Punkt sitzen muss. Das ist bedenkenswert und – unter funktionalen Gesichtspunkten betrachtet – schwierig.

Update (3.10.2019):
Ein zweiter Anlauf, im nachhinein (zu)viel Arbeit, …

…, dafür, dass die Nase noch immer herausschaut.

 

Update (24.2.2020):
Heute ist der deutsche Trailer für die Serie herausgekommen. Für die, die einen solchen Helm mal in schön sehen wollen.

Update (4.6.2020):
Das Helmprojekt ist noch nicht tot. Es ruht, zugegebenweise nun schon eine ganze Weile. Ich habe für die Nase nochmals etwas Abstand geschaffen und nun braucht es ein neues Visier. Die Pappschablone dafür ist schon fertig. Für den endgültigen Zuschnitt warte ich darauf, dass mir irgendein alter Plastikeimer in die Hände fällt.

Verbastelt

Im Moment versuche ich an verschiedenen Stellen, die Smartphone-Fotografie zu verbessern. Das kann gelingen, so geschehen mit der ins Küchenfenster montierten Halterung, die es erlaubt, den Garten aus der immergleichen Position heraus zu fotografieren. Vielleicht ergeben die Bilder einen schönen Tages mal ein Timelapse-Filmchen.

Und manchmal gelingt es auch nicht. So geschehen heute. Ich hatte von der Beobachtung des Blutmondes noch eine improvisierte Anbringung des Smartphones am Teleskop, die ich nun für ein ebenfalls improvisiertes Gimbal (eine kardanische Aufhängung) zweitnutzen wollte. So etwas verwendet der engagierte Videokünstler um das Bild zu stabiliseren. Nach einem freudvoll improvisierten Nachmittag hatte ich dann auch ein Ergebnis in der gewohnten Quick´n´dirty-Optik.

Leider hat ein erster Versuch gezeigt, dass das Gerät nicht träge genug ist. Es schaukelt, wenn man es bewegt, was der gegenteilige des erhofften Effekts ist. Im Moment bin ich unsicher, ob es sich lohnt, damit zu experimentieren, dem Teil unten nochmal mehr Masse zu geben, um es träger zu machen.

(Edit: Einen Tag später hat das Teil mehr Masse und eine Fahrradhalterung, ist aber noch nicht erprobt. Wofür das alles? Später!)

Und weil Blogbeiträge wenigstens gelegentlich einen Mehrwert mitbringen sollten, gibt es hier den Tipp für besonders leichtgängige Gelenke in der allgemeinen Bastelei; ich verwende dazu gerne kleine Glasperlen und Stecknadeln/Silberdraht.

Ich denke die Bilder sind selbsterklärend.