Warum ich nicht über den Krieg schreibe

Über den Krieg schreibe ich im Wesentlichen aus den Gründen nicht, aus denen ich auch über den großen Konflikt in meinem Wohnprojekt oder meine verschiedenen Beziehungsauflösungen nicht geschrieben habe: Es lässt sich kaum zuverlässig Richtiges darüber sagen. Immer ist man Partei, immer besteht die Möglichkeit, dass der Konfliktgegner entgegen aller Wahrscheinlichkeit doch Recht hat. Die subjektive Gewißheit, Recht zu haben, kann ein Irrglaube sein.

Kommt hinzu: Alles Urteilen beruht auf Information, die stimmen kann oder auch nicht. In der Beziehung die Fehlwahrnehmung, im Gruppenkonflikt die Übernahme der (Fehl-)Einschätzungen anderer, im Krieg die gezielte Desinformation, immer besteht die Möglichkeit, dass wir aufgrund von „Fakten“ urteilen, die das nicht sind, Fakten.

Nun bin jemand, der im Gespräch fast reflexartig eine Gegenposition sucht, wenn ihm eine Überzeugung allzu überzeugt entgegenkommt. Dabei wünsche ich mir – zumeist vergebens – Gesprächspartner, die das als Einladung verstehen, gemeinsam die Wahrheit herauszudenken. Je nach Gesprächspartner mag man mich für einen Putin- oder Biden-Versteher halten, am ehesten ist wohl richtig, dass ich beide Konfliktparteien ganz umfassend nicht verstehe.

Folglich fehlt mir auch jedes Verständis für Menschen, die gerade ganz genau wissen, was zu tun oder zu lassen ist. Eine schwer zu benennende Anzahl Akteure mit vielschichtigen Motivationen machen alle irgendwas. Das ergibt eine komplexe Situation, die im Ergebnis kaum vorherzubestimmen ist. Kommt klar damit.

Was bleibt sind schwer einzuschätzende Wahrscheinlichkeiten. Darüber könnten wir reden und schreiben, im besten Fall hätten wir informiertes Raten. Oder wir schreiben über unsere subjektiven Befindlichkeiten, wovor wir Angst haben und was uns Hoffnung macht, über das, was in uns brummt nach tage- und wochenlangem medialen Dauerbeschuss. Könnten wir, werden wir, aber im persönlichen Gespräch, nicht hier im Blog.

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