Als ich mit dem Domebau begann dachte ich, die Lust an beliebig-winkligen Übergängen und deren Ausarbeitung verginge mir nie. Wenn ich einmal keine Lust darauf hätte, würde ich die Arbeit daran sein lassen, und warten, bis sie wiederkäme, die Lust. So wie andere zum Vergnügen Kreuzworträtsel lösen oder Puzzles legen würde ich Winkel schneiden, so mein Gedanke.
Naja, mensch soll nicht alles glauben, was mensch denkt. Manches ist einfach falsch, anderes stimmt nur die Hälfte der Zeit. Die Lust am Winkelschneiden zum Beispiel ist stark tagesformabhängig und verträgt sich schlecht mit irgendwelchen Ideen von Schnell-fertig-werden oder Das-soll-richtig-gut-werden. Kommt hinzu, dass der Grat zwischen Anregung und Überforderung schmal ist. Und, spätestens ab drei Winkeln, die nicht-rechtwinklig aufeinanderstoßen wird die Geschichte für mich zu komples, um sie „einfach“ abzumessen und zuzuschneiden. Da ist dann nur die schrittweise Annäherung möglich und ich laufe viel zwischen der Kreissäge und der Baustelle hin und her.
Heute war ich gegen Ende der Arbeit etwas in der Überforderung, selbst das Abmessen für die erste Annäherung fiel mir schwer, und als ich beschließe aufzuhören und endlich sitze bemerke ich auch eine leichte Erschöpfung. Das soll keine Klage sein, es ist einfach eine Zustandsbeschreibung. Alles okay mit dieser Erschöpfung, dem Tag fehlt nur das selbstzufriedene Sich-auf- die-Schulter-klopfen.
