Beim Abschluss meines letzten Webprojektes war ich etwas enttäuscht. Nicht über das Ergebnis – auch wenn es da deutlich Raum für Optimierungen gibt -, aber über die Zeit, die ich dafür gebraucht hatte. Nach ein paar Erholungstagen war ich bereit mich neuen Ideen zuzuwenden und die erste war, einfach etwas weniger ambitioniert zu sein. Mal schauen, was ginge, wenn ich einfach nur eine Technik verwenden würde und die stumpf abarbeite, bis der Flickenteppich fertig ist. Muster egal, Farben egal, Übergänge und Wiederholungen egal. Einfach alles egal, nur machen.
Aber heh, so bin ich nicht. Abermals ein paar Tage später erwischte ich mich, wie ich in Gedanken schon deutlich komplexere Konzepte ausprobierte. Oder an unorthodoxen Lösungen tüftelte, wie ich den Abschluss des Teppichs besser gestalten könnte. Aber …, bei allem die Frage, warum ich soviel Mühe in eine bessere Fußmatte investieren sollte.
Das ist noch immer unbeantwortet, aber manche Dinge lösen sich dadurch, dass die Frage weggeht. Und das muss irgendwann in den letzten Tagen geschehen sein, keine Ahnung, wo sie hin ist, die Frage. Ich bemerke ihr Fehlen auch nur, weil ich heute mit einem neuen Projekt begonnen habe, das an gleich zwei Stellen spürbar, nun, experimentell ist. Es wird einen weiteren runden Flickenteppich geben. In dessen Mitte soll es ein Hahnentrittmuster geben, in dem Kett- und Schussfäden ununterschieden sind. Und dort, wo sonst der Abschluss notwendig wird, wird der schon von Anfang an mitgedacht und gewebt. Was gegen Ende der Arbeit dann nochmals mehr Mühe machen wird, als es der Abschluss ohnehin wäre, um sich den Abschluss zu ersparen. Es ist wie im Leben.
Wie auch immer, für diesen experimentellen Abschluss habe ich heute erste Vorbereitungen getroffen. Im Bild zu sehen ist ein Teil des runden Rahmens und der gelbe „Schuss“faden, der bei normalem Vorgehen der letzte des Teppichs wäre, sowie die rote Befestigung, die nur dazu dient, ihn am Platz zu halten. Diese Befestigung zu lösen und zu entfernen ist dann der letzte Arbeitsgang – irgendwann in ferner Zukunft.
