25072 – Jetzt aber …

Am ersten Juli, meint: heute in einer Woche, werde ich in den Dome einziehen. Auf eine sehr provisorische Art und Weise, denn der Boden ist noch nicht fertig. Ich werde eine Matratze hineinlegen, neben den Stapel mit den noch zu verlegenden Dielenbrettern, und die erste Nacht darin verbringen. Und alle folgenden Nächte bis der Boden fertig verlegt ist.

Das allein wäre noch kein Um- oder Einzug. Plan ist, auch die Abende darin zu verbringen, Medienkonsum via Notebook und bloggen mit dem Tablet. Der Wagen nur noch verstanden als Outdoor-Küche und Kleiderkammer. Der Dome als neuer Lebensmittelpunkt.

Die Idee entspringt meiner Unzufriedenheit mit dem Tempo, in dem ich die Dielen verlege. Ich bin langsam, gelegentlich fast schon verträumt, und könnte, wenn ich mich wirklich reinhängen würde, vermutlich doppelt so schnell sein. In diesem Tempo weitergemacht wäre ich nicht vor Mitte August oder Anfang September im Dome. Mit dem (ver)früh(t)en Einzug möchte ich mich selbst etwas zurück auf die Spur bringen.

Ich möchte das positiv verstanden wissen. Als ich meinen ersten Wagen bekam, war der auch nur zur Hälfte ausgebaut. Ich legte hinten eine Matratze quer, zog ein und wachte fortan jeden Morgen auf meiner Baustelle auf. Und hatte die beste Zeit meines Lebens, aus den verschiedensten Gründen, aber eben zu dieser Baustellenzeit. Es kann unglaublich gute Laune machen, morgens den ersten Kaffee im Bett zu trinken und dabei über eine Baustelle zu schauen. So viele Möglichkeiten.

Sobald die Dielen verlegt sind muss ein letztes Mal alles aus dem Dome raus, damit die Oberfläche vernünftig behandelt werden kann. Schleifen und versiegeln zwingend, als Option ist auch (bohner)wachsen angedacht. Das dauert solange, wie es dauert, und in dieser Zeit bin ich abends entweder in der Sommerresidenz oder doch noch eine letzte Zeit im Wagen. Ich bin da noch unentschieden (und unklar, warum ich da überhaupt ein Ding draus mache).

Irgend-irgendwann wird der Boden fertig sein und ich werde richtig umziehen, was eine ganz eigene, große Aufgabe sein wird.

25070 – Ein Fund- und ein Vermissstück

Schon einige Monate zurück habe ich am Straßenrand eine alte und voll funktionsfähige Schreibmaschine gefunden, gestern sind die bestellten Farbbänder dafür angekommen und heute habe ich sie eingesetzt.

Ein erstes Probetippen verlief zufriedenstellend und ich mag auch die Schriftart, vor allem die Größe. Ich habe eine zweite Schreibmaschine mit einer deutlich kleineren Schrift, die für den gewünschten Zweck deutlich weniger geeignet ist.

Der Zweck: ein traditionelles ZINE, komplett analog. Nur eben keine handgeschrieben Texte, ich habe das noch nie gemocht, auch wenn ich es in meinen ersten Zines mangels anderer Möglichkeiten so gemacht habe.

<O>

Etwas anderes, vorgestern habe ich versprochen, ein Bild des Dome-Models nachzuliefern, heute wollte ich das dann auch tun und …, … finde das Dome-Model nicht mehr!

2019, 1:20, unmöbliert

Das ist unter allen Gesichtspunkten merkwürdig. Das Teil ist groß genug um aufzufallen, auch wenn es an einem ungewohnten Ort steht. Und es ist an einen ungewohnten Ort umgezogen, als ich den Dome leerräumte, um ihn für das Verlegen des Bodens vorzubereiten. Nun ist es bei mir durchaus überschaubar und wenn ich es denn glauben wollte, ist das Teil nicht mehr bei mir.

Andererseits ist es mir undenkbar, dass ich es auf irgendeine Weise entsorgt hätte, ohne mir das zu merken. Dafür hat es mich zu lange begleitet, es wäre kein leichter Abschied gewesen.

Keine Schlusspointe, kein Doch-noch-gefunden, kein Seltsamster-Lagerort-ever, es bleibt einfach nur merkwürdig.

25069 – Sonniger Samstag

Schon gestern habe ich eine Schüssel Sauerkirschen gepflückt, zwei kleine Bäume stehen direkt bei meinem Schuppen. Heute habe ich die Kirschen dann in etwas Heiß-Flüssiges ohne Zucker verwandelt und in Gläser gefüllt. Unnötig zu erwähnen, dass alle der Arbeitsschritte von gewissen vorhersehbaren und unvorhersehbaren Komplikationen begleitet waren. Dennoch keine schlechte Stimmung, dafür ist es zu warm und ich habe heute die Lungi-Saison eröffnet.

[Drei Tage später habe ich die Aktion wiederholt, das Zeug ist unglaublich gut. Die geheimen Zutaten: ein halber geriebener Apfel und ein Teelöffel Stevia (das echte pulverisierte Kraut, nicht die Süßstoffvarianten, die nur den Namen benutzen).]

Davor, danach und währenddessen immer mal wieder am Skizzenbuch gesessen und dazugelernt.Gegen halb neun werde ich mal wieder ins Nachtlicht fahren, ich war dort schon eine ganze Weile nicht mehr. Die Besuche dort sind immer spannend, weil ich nie vorhersagen kann, wie es mir dort gehen wird. Ich lasse mich überraschen.

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Einen sehr angenehmen Abend verlebt, mehrere Gespräche zu verschiedensten Themen geführt, teils mit Menschen, die ich bis dahin nur vom Sehen kannte. Bis zum Schluß geblieben und einen Teil des Rückwegs gemeinsam mit K. gefahren, die auf halber Strecke wohnt. Ein angenehmer Abschluss.

25068 – Eine Idee

Das Mandala gestern war nicht ganz so zufällig, wie ich das zunächst dachte. Ich schiebe da seit ein paar Tagen eine Idee in meinem Schädel hin und her, von der ich nicht so genau weiß, was ich von ihr halten soll. Und diese Idee hat sich durch das Mandala mal kurz in den Vordergrund gebracht.


Hinter dem Dome liegt eine große Rolle eines Plastikgitters, wie es Straßenbauer und Landschaftsgärtner zum Befestigen von Hängen einsetzen. Das liegt dann einige Zentimeter unterhalb der Erdschicht und gibt der Bepflanzung (und damit dem gesamten Hang) zusätzlichen Halt. Sieht auf dem Bild wenig aus, ist aber riesig, vier mal zehn Meter. Groß genug, dass ich schon seit Jahren nicht weiß, welche Sorte abgefahrenes Projekt ich damit verwirklichen soll.

Das Gitter ist groß und steif genug, dass ich damit die Stellwand ausführen könnte, die den Dome in zwei bzw. drei Untereinheiten aufteilen soll. Geplant war ursprünglich eine cirka sechs Meter breite und an der höchsten Stelle zwei Meter zehn hohe, in sich und an der oberen Kante geschwungene Stellwand, die den Schlaf- und Küchenbereich vom gut einsehbaren Rest des Domes abtrennt. Das würde, mit Plattenmaterial ausgeführt, gut aussehen, [Ich liefere morgen ein Bild des Models nach, das die Vorstellung etwas leichter macht.]

Eine Stellwand aus dem gezeigten Plastikgitter lässt sich auf keine Weise als „schön“ vorstellen. Auch nicht als wohnlich oder sonstwie positiv konotiert. Zumindest wenn mensch es – und das ist nicht beabsichtigt – so lässt, wie es ist.

Und hier kommt das Mandala und die Idee, die sich darin schon im Ansatz zeigt, ins Spiel. Das Gitter ist ein nahezu ideales Trägermaterial für jede Sorte von textiler Gestaltung, Stoffe und Stoffstreifen lassen sich in beliebiger Weise einflechten , einknüpfen oder einweben. Größere und auftragende Strukturen könnten darauf gebunden werden, Flächen ließen sich (und sei es nur als Entwurf) mit Stoffen abgespannen. In meiner Vorstellung verschwindet das Gitter komplett unter einem bunten und vielfältig strukturierten Was-auch-immer, das irgendwo zwischen Wandteppich und textiler Skulptur angesiedelt wäre.

Lust hätte ich auf ein solches Projekt. Zugleich bin ich sehr unsicher, ob ich mit und in einem solchen Projekt leben möchte. Mir fehlen da die Zwischentöne, ein Ding dieser Größe wird entweder sehr gut oder sehr schlecht. Und mal eben davon trennen ist auch nicht ganz so einfach.

Auf der praktischen Ebene fürchte ich, das Teil könnte ein riesiger Staubfänger werden. Wobei mir auch nicht einfällt, wie sich das verhindern ließe. Das Objekt meiner wagen Vorstellung verträgt sich nicht mit Teppichklopfer und Staubsauger. Es ist viel zu bedenken.

Genug, schön, dass Ihr mir bis hierher gefolgt seid. Ich beschließe mit einem Zitat von André Heller (den Zusammenhang müsst Ihr Euch selbst herstellen):

Die wahren Abenteuer sind im Kopf,
und wenn sie dort nicht sind,
dann sind sie nirgenwo.