Zwischenstand

Vor einer Woche wurde klar, dass – entgegen meiner ersten Annahme – der Dome nicht über die Wagen passt. Zumindest nicht ohne weiteren Aufwand. Dieser Aufwand ist jetzt betrieben und im Bild zu sehen. Ganz froh bin ich mit der Geschichte nicht und vielleicht ist es an der Zeit, eine kurze Zwischenbilanz des Vorhabens zu ziehen.

Der Gurt zeigt alles

Anfangs habe ich manchmal nicht verstanden, wenn Menschen die Struktur für zu schwach hielten, weil ich sie eher als einen Entwurf ansehe, der beliebig erweiterbar oder „verstärkbar“ ist, ähnlich einer Entwurfszeichnung, bei der ihm weiteren Verlauf des Ausarbeitens die entscheidenden Linien nachgezogen und verstärkt werden, während Falsches und Unnötiges ignoriert wird. Zu diesem frühen Zeitpunkt muss die Struktur tatsächlich nicht mehr halten, als ihr eigenes Gewicht, für jedes weitere Vorhaben wird sie dann angepasst. Mittlerweile ist mir klar geworden, dass es zuviel verlangt ist von den Menschen, die Erweiterbarkeit des „Entwurfs“ mitzudenken. Ich erkläre das dann.

Die Eckumgehung

Eine weitere schwer zu vermittelende Eigenschaft des Projektes ist die „Plan-B-barkeit“ des Projekts. Plan A ist so lose vorgefasst, dass ich an fast beliebiger Stelle jeweils einen Plan B habe oder zu finden bereit bin. Zugegebenermaßen sind mir die B-Pläne eher lästig und ich habe mit der Notwendigkeit, auf sie zurückgreifen zu müssen, erst später gerechnet. Die Sache mit den Kabelbindern um die Strahlenenden ist so ein Plan B. Eigentlich hätte es ohne sie gehen sollen. Aber das von mir gekaufte Holz hält nicht immer, was ich mir von ihm versprach, und reist an den Verschraubungen trotz vorbohren gelegentlich auf. Also müssen die Kabelbinder als zusätzliche Sicherung drumrum (darum herum?). Nebenbei, falls die Kabelbinder ihren Job nicht erledigen gibt es auch noch einen Plan C.

Auch die „Eckumgehung“ ist ein solcher Plan B. Und ein solcher Entwurf, den so wie sie im Moment hängt, kann sie natürlich nicht bleiben. Sobald das Dreieck über ihr gestellt ist, wird sie nach oben abgespannt und nach unten abgefangen. Wer weiss, vielleicht kann die Sache sogar noch einen Zusatznutzen bekommen und ich kombiniere sie mit einer Leiter.

Klingt alles ziemlich cool so, locker von A nach B umsteigen, wenn was nicht klappt. Echt easy! Was die handwerkliche Seite der Plan-B-barkeit betrifft, ist das meistens auch so. Klar, Plan B ist selten so schön wie Plan A und kostet meistens mehr Zeit und mehr Geld, aber wenn das Ergebnis stimmt ist die Welt wieder in Ordnung. Schwieriger – echt uncool sogar – ist der innere Aufwand, der mit den B-Lösungen verbunden ist. Denn eigentlich hänge ich an meinen A-Plänen und wenn ich von ihnen abweichen muss, fühle ich mich ein wenig von der Welt beleidigt. Geduldig erkläre ich mir bei diesen Gelegenheiten, dass die Welt keineswegs mir zum Trotz gerade ihre physikalischen Eigenschaften verändert hat, sondern sehr viel wahrscheinlicher in meinen Vorüberlegungen irgendwo ein Mangel war. Dies nicht verstanden oder mit jenem noch keine Erfahrungen gemacht, vielleicht mal wieder zu geizig gewesen oder, ebenfalls gerne genommen, ein Risiko ignoriert, weil die dummen Sachen immer nur den anderen passieren. Womit die Schuld von der Welt zu mir wandert. Angeblich sei das die gesündere Geisteshaltung. Wenn man es statt Schuld Verantwortung nennt. Sagen Therapeuten und religiöse Führer. Und dann stehe ich da mit meinem gescheiterte Plan A (ge-schei-tert!!!) und der Schuld (Schuld!) , äh, Verantwortung dafür und muss mir was Neues ausdenken. Es folgt eine Phase, in der sich der Größenwahnsinnige, der sich das Dome-Projekt und Plan-B-barkeit ausgedacht hat, mit dem unfähigen Nichtskönner meiner dunkelsten Zeiten um die Dominanz streitet. Mehrmals pro Stunde blase ich mich kurz zur stolzen Größe eine Fesselballons auf, nur um anschließend zur niedlichen Schmierigkeit eines gebrauchten Präservativs zusammenzuschrumpfen. Sobald ich wieder halbwegs zuverlässig Normalgröße halten kann kommen die B-Lösungen. Oder Menschen, die etwas zu B-Lösungen beitragen. Dieser Prozeß ist sehr anstrengend und meistens brauche ich ein paar Tage, bis ich wieder mit Lust an die Arbeit gehen kann. Vielleicht brauche ich die paar Tage auch, um mich an Plan B zu gewöhnen. Oder mich mit ihm – und mir – auszusöhnen.

Kurz, ich nehme den Dome-Bau noch viel zu persönlich. Generell gibt es ja zwei Möglichkeiten, mit der Notwendigkeit von B-Plänen umzugehen. Ich kann auf den Mangel des A-Planes fokussieren und mich schlecht fühlen oder die B-Lösung zunächst als Herausforderung und dann als Beleg meiner allen Widernissen trotzenden Findigkeit anschauen. Biochemisch und im Jahreslauf zunehmend neige ich der ersten Möglichkeit zu, was bedeutet, dass es mir mit jedem B-Plan etwas schwerer fällt, zur Normalgröße zurück zu finden. Das aber ist dringend notwendig, um die vor mir liegenden Arbeiten freudvoll anzugehen und aufrecht zu erhalten.

Ich schweife ab, zurück zum Zwischenstand: Unter Verwendung von 2 B-Plänen bin ich cirka 5 1/2 Wochen hinter der idealen Baugeschwindigkeit zurück (3 1/2 Wochen diese beschissene Maßnahme und 2 Wochen die B-Pläne). Subjektiv empfinde ich das als „schwierig“, weil mir demnächst die Energie ausgehen wird. In wenigen Tagen ist Sommersonnenwende, dann werden die Tage wieder kürzer und das Aktivitätslevel sinkt. Immerhin habe ich heute die untere Reihe von Dreiecken geschlossen.

Ach ja, wenn die Sonne scheinen würde, sähe dieser Artikel wahrscheinlich anders aus. Positiver. Vielleicht hätte ich statt zu schreiben aber auch einfach am Dome gebaut. Besser wär´ das.

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