Einer der Tage mit Termin in der Stadt. Ich versuche, an solchen Tagen noch andere Besorgungen unterzubringen, wenn es so läuft wie heute, vergesse ich die Hälfte davon. Aufschreiben hilft.
Anstelle der Besorgungen geschieht dann Unvorhergesehnes, zum Beispiel finde ich mich hungrig (ja, das hätte mensch vorhersehen können) und kurz darauf beim Hähnchenbrater meines Vertrauens. Brathähnchen sind seit Kindertagen Belohnungs- oder Trostessen, von daher alles gut damit, Brathähnchen gehen immer.
Warum ich es erwähne: ich suche schon länger den Oberbegriff für die Sorte Etablissement, das mir, in diesem Fall, die Hähnchen brät, bei anderen Gelegenheiten den Reis brät oder die Linsensuppe serviert. Früher gab’s diese [hier Oberbegriff einsetzen] nicht. Es gab die Gastronomie, auf die mensch sich als Restaurant, Wirtschaft, vielleicht auch Kneipe, beziehen konnte. Gerne auch landsmannschaftlich benannt, mensch ging zum Spanier, zum Italiener oder zum Jugoslaven (wie heißen die eigentlich heute, geht mensch zum Kroaten, obwohl der dem Serben zum Verwechseln ähnlich sieht – nicht ablenken lassen). In meinen Zwanzigern kamen dann die Fastfood-Ketten dazu, immer anhand der Tabletts und und dem verchromten Tresen eindeutig auf Massenmenschhaltung ausgelegt. In meiner Wahrnehmung blieb das lange so. Bis die Jugendlichen späterer Generationen die Fastfood-Filialen als Treffpunkt entdeckten, blieben Fastfoodketten qualitativ und preislich in einer Linie mit Imbissständen, Pizzerien mit Straßenverkauf und (viel später) Dönerbuden.
Soweit die Schwarz-weiß-Gastronomie meiner Jugend und meines frühen Erwachsenenalters. Niemand verwechselte den Italiener (stimmungsvolle, hochpreisige Gastronomie) mit der Pizzeria (bei der wir – das nur nebenbei -unsere Pizzen noch selbst abholen mussten), niemand den Türken mit der Dönerbude. Es gab zwar keinen Amerikaner, aber das Steakhouse, das niemand mit der Burgerkette verwechselt hätte. Asiaten hätte mensch suchen müssen und deren Niedrigpreissegment fand noch nicht statt.
Und nun zu meinem sprachlichen Problem. Ich finde mich immer öfter in Gastronomien wieder, die einerseits deutlich unterhalb anspruchsvoller Wohlfühlgastronomie sind, andererseits aber auch nicht die Größe der Fastfoodketten oder die abgeschabte Ästhetik von Döner- und Imbissbuden haben. Salat und Gemüse ist oft frisch, Saucen sind vermutlich industriell zubereitet, werden aber mehr als Grundlage verwendet. Meist in Räumlichkeiten mit Schaufensterscheiben. Niemals wirklich gemütlich, auch wenn gelegentlich ein national gefärbter Gestaltungswille zu erkennen ist. Dennoch gut und bequem eingerichtet, manchmal gepolsterte Bänke mit Nischen, mensch kann sich vorstellen, länger darin zu sitzen, sich festzuquatschen, vielleicht noch ein Getränk zu nehmen, falls nichts drängt und es sich anbietet. Meint: die hängen zwischen allen meinen sprachlichen Kategorien bezüglich aushäusigen Essens. Wo war ich da?
Tja, und wenn ich für diese Sorte Gastronomie den passenden Oberbegriff parat gehabt hätte, dann wüßtet ihr nichts von meiner Vorliebe für Brathähnchen oder die gastronomische Landschaft meiner Jugend. Denn dann hätte ich einfach geschrieben, dass ich [hier Oberbegriff unter Verwendung passender Grammatik einsetzen] essen war.
<O>
Das ging jetzt schnell, noch am gleichen Tag hilft Freundin F. aus, es handelt sich um Fast-Casual-Gastronomie:
In deinem Text wäre also völlig korrekt (und elegant):
„… dass ich in einem Fast-Casual-Lokal essen war.“
oder, etwas alltagssprachlicher eingebettet:
„… dass ich Fast Casual essen war.“
Wer den Begriff ganz genau erklärt haben mag, schaut bei den Kommentaren in ihrem Beitrag nach.